Arbeit mit Papier und Stift. Peter Maiwald liest Korrektur, ist guter Dinge und in der Nacht nicht mehr allein.

Arbeitsbericht

Gestern abend schrieb ich
ein Gedicht
das eine junge Frau
schilderte und
korrekturlesend
verliebte ich mich
in das Bild
und fragte sie
ob sie die Nacht
mit mir verbringen wolle.
Die junge Frau
im Gedicht lachte
und sagte zu meiner Überraschung:
Ja. So kam‘s.

Peter Maiwald

Von Chrysostomos

Bisweilen schlägt das Leben, auch von Dichtern, überraschende Volten. Und so kommt es dann, daß man, wenigstens für das eine Mal, guter Dinge ist (so heißt auch der 1987 bei der damals noch in Stuttgart, längst in München, beheimateten Deutschen Verlagsanstalt herausgekommene Band, in welchem sich „Arbeitsbericht“ findet) und die Nacht nicht lesend, schreibend, notierend, exzerpierend verbringt, sondern an der Seite der Geliebten, der jungen Schönen, die man soeben selbst erschaffen und bedichtet hat.

Im ersten Nachkriegsjahr in Grötzingen bei Nürtigen geboren, wo auch Paul Maar einige Jahre verbrachte, hat Maiwald wie Maar Gedichte und Geschichten für Kinder geschrieben, etwa Die Mammutmaus sieht wie ein Mammut aus. Aber eben nicht nur, denn an Maiwalds Hörspielen, Essays, Stücken à la Brecht, an seinen schlichten Liedern und Gedichten haben auch Erwachsene ihre Freude. Nach einem Studium in München, das er zugunsten des Lebens als freier Schriftsteller 1968 abbrach, zog es das zeitweilige Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei zwei Jahre später nach Neuß und, von 1985 an, nach Düsseldorf, wo er unter anderem für eine Werbeagentur arbeitete.

Gerade zweiundsechzig geworden, ist Maiwald anfangs Dezember 2008 gestorben. Seine Gedichte machen Appetit auf Schönheit und Wortlust, sie feiern beides im Alltäglichen, ohne dabei alltäglich zu sein. So schauen wir denn Maiwald, eingermaßen beglückt und nach der Lektüre noch glücklicher, bei der Arbeit zu, blicken ihm über die Schulter auf das Blatt, auf welchem sich seine Gedanken entfalten. Schön muß sie sein, diese junge Frau, die da vor den Augen des Autors, wie des Lesers, wird, schön und nicht auf den Mund gefallen. Ja, so geht es, ja, genau so kommt es, über die Lust am Schreiben alsbald, und doch überraschend, zur Lust an der Lust.

Man möge, schrieb Maiwald einmal in dem uns liebsten Blatt (also der Neuen Zürcher Zeitung, schon des Formats wegen), daß Gedichte eitel seien und einem etwas aufschwatzen wollten, „vorzugsweise sich selbst“. Nun, solange sie von Meistern (als einen solchen hat ihn Marcel Reich-Ranicki gefeiert) wie Maiwald stammen, lassen wir uns gern auf sie ein. Und spinnen sie, froh und vergnügt, weiter.

NB: Ja, sie kam.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.