Zunehmende Gewalt gegen Oberfrankens Polizisten

OBERFRANKEN. „488 Attacken gegen oberfränkische Polizisten im Jahr 2011 beweisen erneut, dass Polizeibeamtinnen und -beamte vermehrt in das Visier von Gewalttätern geraten“, so Oberfrankens Polizeivizepräsident Werner Mikulasch zum aktuell veröffentlichten Lagebild ‚Gewalt gegen Polizeibeamte’. „Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies für Oberfranken eine besorgniserregende Steigerung um 30 Prozent, mit einer Bilanz von 133 zum Teil schwer verletzten Kollegen“, so Mikulasch weiter. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz zur Vorstellung des im Jahr 2010 geschaffenen Lagebildes von bayernweit 6.909 Fällen, was zum Vorjahr eine Steigerung um 10 Prozent entspricht.

Mit umgerechnet etwa zehn Fällen pro Woche veranschaulichen diese Zahlen eindrucksvoll, welchen Gefahren die Polizeibeamtinnen und -beamten tagtäglich ausgesetzt sind. Die Auswertung des Lagebildes zeigt erneut, dass das massive Aufbegehren gegen polizeiliche Maßnahmen bereits bei geringfügigen Eingriffen wie Identitätsfeststellungen beginnt und mitunter bei Platzverweisen, Gewahrsamnahmen oder Festnahmen eskaliert. Oft liefern Maßnahmen im Zusammenhang mit kleineren Bagatelldelikten gewaltbereiten Bürgern bereits Anlass genug, ihrer Aggression und Respektlosigkeit freien Lauf zu lassen.

Knapp die Hälfte der Übergriffe finden auf öffentlicher Straße statt, gefolgt von Privatwohnungen und Grundstücken sowie innerhalb der Polizeidienststelle. Eher seltener stellen Gaststätten, Discotheken sowie Fußballplätze die Tatorte dar.

Bei den 488 Attacken im Jahr 2011 in Oberfranken (2010: 375) waren 1.026 Beamte und damit rund jeder zweite oberfränkische Polizist betroffen. Während zwar der Großteil dieser Polizisten die Attacken körperlich unbeschadet überstanden, zogen sich dennoch 133 Beamte (2010: 76) bei körperlichen Übergriffen zum Teil schwere Verletzungen zu. Das Resultat dieser Verletzungen waren insgesamt fast 250 krankheitsbedingte Ausfalltage. Dies entspräche umgerechnet dem Ausfall eines Polizeibeamten für ein ganzes Jahr.

Schwerpunkte in den Städten

Obgleich sich die Mehrzahl der bayernweit registrierten Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte in den größeren Städten ereignete, blieb 2011 auch der ländliche Raum nicht verschont. Meist handelte es sich bei den betreffenden Straftaten um Widerstandshandlungen, Beleidigungen, Körperverletzungsdelikte und Bedrohungen.

Im Vergleich zu den registrierten Übergriffen auf Polizeibeamte in den Landkreisen (Lkr. Bamberg: 31 Fälle, Lkr. Bayreuth: 16 Fälle, Lkr. Coburg: 28 Fälle, Lkr. Forchheim: 44 Fälle, Lkr. Hof: 14 Fälle, Lkr. Kronach: 13 Fälle, Lkr. Kulmbach: 43 Fälle, Lkr. Lichtenfels: 28 Fälle, Lkr. Wunsiedel/Fichtelgebirge: 30 Fälle), war auch in Oberfranken eine Häufung der Angriffe in den Mittelzentren Bayreuth (55 Fälle), Bamberg (81 Fälle), Coburg (47 Fälle) und Hof (57 Fälle) zu verzeichnen.

Die sogenannte Häufigkeitszahl, die angibt, wie viele dieser Straftaten je 100.000 Einwohner begangen werden, liegt in Oberfranken bei 45, bayernweit bei 55.

Alkoholisierte Täter zur Nachtzeit

Die Erhebungen für das Jahr 2011 lassen auch in Oberfranken den Schluss zu, dass das Kriterium Alkohol bei gewaltsamen Übergriffen auf Polizeibeamte den Aggressionsverstärker Nummer 1 darstellt.

Bei fast 65 Prozent der Fälle standen die polizeilichen Widersacher mehr oder weniger stark unter Alkoholeinfluss. Dabei nehmen Beleidigungen gegenüber Polizeibeamten mehr als ein Drittel der Gesamtdelikte ein und sind mittlerweile neben ganz konkreten Bedrohungen schon der Normalfall auf der Tagesordnung. Mehr als die Hälfte aller Angriffe gegen Polizisten ereigneten sich in den Nachtstunden von 20 Uhr bis 4 Uhr früh, insbesondere an den Wochenenden.

Als Tatverdächtige traten vorwiegend Leute der Altersgruppe zwischen 20 und 35 Jahren auf. Dabei handelte es sich überwiegend um deutsche Staatsbürger.

Null Toleranz gegenüber Gewalt

Auf Grundlage des Lagebildes „Gewalt gegen Polizeibeamte“ setzen die Behörden die gewonnenen Erkenntnisse für Einsatzstrategien und –konzepte effektiv um, damit diesem Phänomen adäquat begegnet werden kann. Auch zukünftig wird die Oberfränkische Polizei in eine bedarfsgerechte Schutzausrüstung für die Polizeibeamten investieren und das Einsatz-Equipment ständig und angepasst verbessern. Ferner werden die Beamten in bislang bewährter Weise im Rahmen von Aus- und Fortbildungsmodulen beim polizeilichen Einsatzraining (PE-Training) durch spezielle Trainer geschult. Konflikte im Umgang mit dem polizeilichen Gegenüber sollen nach Möglichkeit mit Mitteln der Kommunikation gelöst werden. Gleichwohl trainieren alle Vollzugsbeamten regelmäßig für den Ernstfall einer Attacke, denn die Statistik zeigt, dass die bevorzugte kommunikative Lösung des Konflikts leider nicht immer die Zustimmung des Gegenübers erfährt.

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