Olympiaden und Kindergeburtstage

Winnie Wenzel

Erfahrene Eltern, die schon mehrfach Kindergeburtstage ausgerichtet haben, haben gelernt, dass man von Konkurrenz-Spielen besser die Finger lässt: So was endet meistens mit Tränen. Die lieben Kleinen sind nämlich fast durchgängig so gestrickt, dass sie unbedingt gewinnen wollen, gleich mit welchen Mitteln. Und bei den Großen, womit wir schon bei Olympia sind, verhält es sich leider nicht viel anders. Wenn man sie in Konkurrenzkämpfe schickt, reagieren sie infantil-narzisstisch: Um zu gewinnen, wird beschissen und getrickst, was das Zeug hält. Selbstverständlich funktionieren jeweiliger Anhang, Betreuerstäbe und mediale Öffentlichkeiten komplementär. Vom Sport Fairness zu verlangen, ist ein schlechter Witz. Olympische Belege für diese Feststellungen gab es schon in der Antike und gerade wieder zuhauf (vgl. Rad-, Turn- und Fechtwettbewerbe). Absurd natürlich auch, von einer Völker verbindenden Funktion des Hochleistungssports zu sprechen, das genaue Gegenteil trifft in aller Regel zu.

M.E. wäre es da viel klüger, das gesamte Olympia-System konsequent auf Kooperation umzustellen, z.B. nach folgendem Modell: die 10 besten Weitspringer von 10 verschiedenen Nationen bilden ein Team. Sie treten gegen den alten Weltrekord an, der sich aus den addierten Werten von 10 Sportlern zusammensetzt. Wenn ihn unsere Hüpfer übertreffen, kriegen alle eine Goldmedaille, wenn nicht, einen Lutscher als Trostpreis. Auf diese Weise könnte sich vielleicht wirklich ein völkerverbindender Teamspirit einstellen, das aktuelle System ist dagegen auf Misstrauen, Hass und Neid programmiert.

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