Deutsche Olympia-Medaillen Mangelware – wie wollen wir das interpretieren?

W. W.

Mit relativer Gelassenheit nehme ich wahr, dass Deutschland im olympischen Medaillenspiegel derzeit im Mittelfeld dahindümpelt, hinter Italien und Kasachstan, knapp vor – immerhin! – Russland, Nordkorea und den Niederlanden. Der Abstand zu Gastgeber Großbritannien ist schon ungeheuerlich, von China und den USA wollen wir hier gar nicht reden. In früheren Jahren wäre ich alarmiert gewesen, hätte sportwissenschaftliche Ursachenforschung betrieben, Schuldige (in den Verbänden, bei Funktionären, Sponsoren und Trainern) gesucht, vielleicht auch unterstellt, dass andere großzügiger und kompetenter dopen als wir. Heute bin ich mir hingegen absolut unsicher, wie dieses Faktum relativer Erfolglosigkeit zu bewerten ist.

Die pessimistische Deutung würde sagen, dass sich hier in klaren Zahlen offenbart, was man im täglichen Leben beim Brötchenkauf, beim Handwerker- oder Arzt-Besuch, beim Korrigieren von Klausuren permanent erlebt: Fachliche Kompetenz, Belastbarkeit und Leistungswille der Deutschen schwinden seit Jahren dahin, weil in vielen Bereichen unserer Gesellschaft (Bildungssystem, Medien, prominente Vorbilder, Wirtschaftssystem etc.) Entscheidungsträger die Weichen falsch stellen.

Positiv gewendet könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass hierzulande knappe volkswirtschaftliche Ressourcen sinnvoller eingesetzt werden als zur Produktion von Olympia-Medaillen.

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