Was steckt hinter dem Stadtmarketingpreis?

 Redaktion

Preis

Der Bamberger Oberbürgermeister (SPD) gratuliert (hier), Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) ebenfalls (hier). Bereits vor 2 Jahren hat sich das Bamberger Stadtmarketing für diesen Preis beworben, damals mit dem Slogan „Bamberg – Deutschlands schönstes Kaufhaus“, der bei mehreren inhabergeführten Fachgeschäften der Bamberger Innenstadt auf Widerstand stieß.

Damals ging der Stadtmarketingpreis an Würzburg/Schweinfurt, deren Qualitätsroute ein Netzwerk darstellt, bei dem inhabergeführte Fachgeschäfte durch besondere Kompetenz, Kundenorientierung und Qualität brillieren konnten.

Der Marketing Preis ist eine Initiative von

  • CIMA Beratung + Management GmbH,
  • HBE Handelsverband Bayern – Der Einzelhandel e.V.,
  • Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
  • Aktionskreis City- und Stadtmarketing Bayern e.V.
  • Wirtschaftsjunioren Bayern e.V.

Heißt das nun, dass Klaus Stieringer den Stadtmarktingpreis an sich selbst vergeben hat?

Ein Netzwerk eben, das ohne Werbeagentur nicht auskommt und wo sich die Politik auch noch mit ins Bild schieben darf. Doch was steckt hinter dem Aktionskreis City- und Stadtmarketing Bayern e.V. (AKCS)? Der Geschäftsführer des AKCS ist seit 2010 Christian Bitter (mit Adresse Königstraße 1, 96052 Bamberg siehe hier) und erster Vorsitzender ist Klaus Stieringer (Bamberg). Heißt das nun, dass Klaus Stieringer den Stadtmarktingpreis an sich selbst vergeben hat?

Sinn und Unsinn solcher Netzwerke

Solche Netzwerke sind beliebt. Man trifft sich an schönen Orten, redet ein wenig über dies und das, tauscht Adressen aus. In 2011 traf man sich in Bamberg und beriet über „Die Zukunft der Innenstadt„, Michael Ehlers hielt einen Vortrag „social media revolution“. Heuer hat das Bamberger Stadtmarketing für den Slogan ‚Stadtmarketing 2.0 – Die Kommunikationsrevolution’ den (undotierten) Preis erhalten. Was dahinter steckt, war bislang nicht klar – wir fragen nach und werden berichten.

Die Investoren von Shoppingcenter steigen massiv in solche Netzwerke ein

Während ECE mit seinem Vorstandsvorsitzenden Alexander Otto Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Innenstadt“ ist (lesen Sie hier), tritt sein größter Konkurrent – der in Bamberg nicht unbekannte Investor – Multi Development als einer der vier Sponsoren des Stadtmarketing-Preises auf (neben dem Sparkassenverband Bayern, der Günther Rid Stiftung (aus dem Stammhaus Betten Rid) und der Galeria Kaufhof GmbH).

Lebendige Innenstadt

Die Stiftung Lebendige Innenstadt (Homepage) veranstaltet Kongresse, vergibt Stiftungspreise, zum Preisen seiner Selbst. Und um ein Netzwerk zu knüpfen, aus dem das eigene Unternehmen Profit ziehen kann, um weitere Shopping-Center bauen und betreiben zu könnnen. Das gesamte Stiftungsvermögen stammt von ECE. Der Vorstand setzt sich aus ECE-Leuten zusammen. Muss es hier nicht zwangsläufig zu einem Interessenskonflikt kommen? Lobbycontrol stellt solche Fragen und gibt Antworten (taz):

„Das ist letztendlich Lug und Trug“, sagt Ulrich Müller. „Natürlich beschäftigt sich die Stiftung mit Bereichen, die für die Unternehmensziele relevant sind. Alexander Otto benutzt die Stiftung Lebendige Stadt als Imageabfederung gegen den Vorwurf, dass seine Einkaufszentren die Innenstädte veröden. Sie dient dazu, positiv wahrgenommen zu werden. Nicht als die grauen Männer, die ihre Center möglichst profitabel verticken wollen. Sondern als die netten Männer, die etwas für die Stadt tun.“

4 Gedanken zu „Was steckt hinter dem Stadtmarketingpreis?

  1. Die Agentur, die jetzt zusammen mit dem Stadtmarketing diesen Preis bekommen hat, hat auch die Homepage der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag gemacht.

  2. Multi developement? Sparkassenverband? Zufälliger Weise die gleichen Akteure, die die Ciy Passagen/das Quartier an der Stadtmauer durchdrücken wollen – und historische Bausubstanz unwiderbringlich für den schnellen Euro gegen postmoderne architektonische Beliebigkeit austauschen wollen?
    Ist das Zufall?

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