Mozart überall, Mozart über alles

Von Musicouskuß

An Mozart kommt man in diesem Juli in der Domstadt nicht vorbei. Schuld daran, in positivem Sinne, ist zuvorderst die Biennale Bamberg, deren zweite Ausgabe nach dem Mahler-Fest von 2010 jetzt dem von Mahler vor allem als Opernkomponist geschätzten Salzburger Großmeister galt. Dazu beigetragen haben aber auch die Rosengarten-Serenaden. Dass es dabei zu Programmdopplungen kam, zeitlichen ohnehin, ist weiter nicht tragisch. Denn dass die Spatzen (im Rosengarten ist das nahezu wörtlich zu nehmen) Mozarts populärstes Werk von den Dächern pfeifen, ändert ja nichts an den Qualitäten der „Kleinen Nachtmusik“, die Wolfgang Hildesheimer in seiner wegweisenden Mozart-Biographie ein „Gelegenheitsstück aus einer leichten, aber glücklichen Hand nennt“.

Hildesheimer schließt sein Standardwerk, das auf einen Vortrag im Mozart-Jahr 1956 zurückgeht, mit der Bemerkung, die Zäsur, die dessen Ableben bedeutete, habe nichtmals Mozarts engste Mitwelt erschüttert. Als man am 6. Dezember 1791 den „schmächtigen und verbrauchten Körper in ein dürftiges Grab senkte“, habe niemand geahnt, dass „hier die unsterblichen Reste eines unfaßbar großen Geistes zu Grabe getragen wurden, ein unverdientes Geschenk an die Menschheit, in dem die Natur ein einmaliges, wahrscheinlich unwiederholbares – jedenfalls niemals wiederholtes – Kunstwerk hervorgebracht hat.“ Umso dankbarer muss man eben für die geballte Fülle an Mozart-Kugeln der unterschiedlichsten Art sein, die es in den zurückliegenden zwei Wochen in Bamberg zu hören, zu sehen, zu genießen gab.

Wenn man des ungewissen Wetters wegen am Freitag noch in den Kaisersaal der Residenz ausweichen musste, so spielte Pro Artibus Hannover am Sonnabend bei geöffneter Tür im Pavillon des Rosengartens auf. Das Programm versprach einen reinen „Mozart-Abend“. Die „Serenata notturna“ KV 239 des Zwanzigjährigen machte den Auftakt in Concerto-grosso-Manier, muntere Pauken inklusive. Am Schluss erklang abermals die „Kleine Nachtmusik“, die Mozart im August 1787 vollendete, wenige Wochen nach dem Tod des Vaters Leopold. Beide Werke waren auch bei der langen Mozart-Nacht der Biennale zu hören.

Im Mittelpunkt aber standen zwei Schwesterwerke, die Klavierkonzerte A-Dur und C-Dur, Köchelverzeichnis 414 beziehungsweise 415, die zusammen mit dem F-Dur-Konzert KV 413 den Anfang der siebzehn Wiener Klavierkonzerte aus Mozarts letztem Lebensjahrzehnt markieren. Solist war der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart, der vor einem Jahrzehnt und vor über zwei Dekaden schon in Bamberg als Kammermusiker zu erleben war.

Zitterbart spielt, wenn er Mozart macht, auf einem Hammerflügel, einem Nachbau eines Fortepianos von Anton Walter von 1795. Das kommt dem historischen Klangbild sehr nahe, denn auch Mozart selbst spielte in Wien auf einem Instrument von Walter. Der Klang ist leichter durchhörbar als auf dem modernen Flügel, ist perkusiver (statt Filz sitzt Leder auf dem Hammerkopf) und lässt sich in den einzelnen Registern differenzierter gestalten. Das Pro-Artibus-Ensemble spielt zwar, anders als auf dem Programmzettel zu lesen, nicht auf Originalinstrumenten, erreicht aber doch einen leichten, flexiblen Klang, unter der Leitung von Hans-Christian Euler, der ohne Taktstock dirigiert.

Das Zusammenspiel mit Zitterbart ist punktgenau, den Oboen zu lauschen, den engagierten japanischen Hornisten zu sehen und zu hören eine Freude. Dass bei den Rosengarten-Serenaden das Ambiente stimmt, lässt sie immer wieder zu einem eindringlichen Erlebnis werden. „Ambiente“ heißt auch eine vor dem Pavillon in Weiß und lichtem Rosa blühende Rose.

Weiter geht es mit den Serenaden am kommenden Freitag. Das Titus-Quartett mit Mitgliedern der Bamberger Symphoniker spielt Mozart, Antonio Salieri und Jean Françaix, dessen Hundertster in diesem Mai einigermaßen unbeachtet vorübergegangen ist. Als Gäste kommen zu den vier Streichern Nadine Resatsch (Oboe) und der Flötist Marcos Fregnani hinzu. Am Samstag, 28. Juli, spielt das Titus-Quartett von 20 Uhr an dann Werke von Beethoven, Brahms und Claude Debussy.

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