Die Rosengarten-Serenaden setzen auf Bewährtes und Bekanntes

Von Musicouskuß

Sie kennen sich seit den gemeinsamen Studientagen an der Musikhochschule Hannover, Gerhard Olesch, die treibende Kraft hinter den Rosengarten-Serenaden, und Hans-Christian Euler, Geiger im Niedersächsischen Staatsorchester und Dozent an seiner Alma mater. So nimmt es nicht wunder, wenn Euler immer wieder einmal auch in der Domstadt zu hören ist. Am Freitagabend setzte das junge Ensemble Pro Artibus Hannover unter Eulers Leitung auf Altbekanntes und (bisweilen Allzu-)Oftgehörtes, auf jene beiden Werke, die man mit den Namen Vivaldi und Mozart am ehesten verbindet.

Da sich Bamberg am Rande einer Tiefdruckzone bewegte und jetzt Streicher statt, wie bei der Eröffnung der Jubiläumssaison, Blechbläser zu hören waren, wich man vom Rosengarten in den benachbarten Kaisersaal aus. Dass die ersten Tropfen dann doch erst um Mitternacht fallen sollten, konnte man ja nicht ahnen, und so eine Geige, wie sie etwa die Solistin Lucja Madziar spielt – aus der Werkstatt von Carlo Landolfi, 1759 – ist eben empfindlich und hat ihren Preis.

Antonio Vivaldi kann als Erfinder des dreisätzigen Solokonzertes venezianischer Couleur gelten. Er hat diesen Gattungstypus um Hunderte Beispiele bereichert. Schon bei den „Vier Jahreszeiten“ handelt es sich ja um vier programmatische Konzerte, denen jeweils ein Sonett vorangestellt ist. Kaum erklingen die ersten Takte des „Primavera“, nicken sich die Zuhörer erkennend zu oder schwingen mit, manche so schwungvoll, wie die Solistin in das Allegro einsteigt. Prima, Lucja, nicht Vera, möchte man da rufen. Madziar entlockt ihrer Landolfi ein Klagen, ein Singen, ein Schluchzen, ein Zwitschern, wie man es gern hört, ein Geigenton, der unmittelbar anspricht. Entsprechend lautstark fällt denn auch der Beifall aus.

Die bei den Rosengarten-Serenaden sonst in natura mitmischende Vogelwelt hält im Kaisersaal im „Estate“, dem Sommer, Einzug, im virtuosen Spiel der Solistin, aber auch in den Bratschen von Pro Artibus Hannover. Sehr schön durchhörbar gerät immer wieder auch das Cembalo-Continuo. Die in den Pizzicato-Passagen des finalen „Winters“ Musik gewordenen Regentropfen bleiben – aber das konnte man ja nicht ahnen – aus.

Mit Mozarts bekanntester und wohl beliebtester Serenade, der „Kleinen Nachtmusik“ in G-Dur, Köchelverzeichnis 525, klang der Abend aus. Man hört sie wahrlich oft, auch in Bamberg, etwa bei der Biennale der Symphoniker. Gegen die Biennale, die an diesem Freitag auf dem Michaelsberg Wolfgang Rihm und Wolfgang Amadeus Mozart feierte, gegen Lewandowskis Caldéron-Spiele in der Alten Hofhaltung und gegen andere Verlockungen der kulturellen wie der vergnüglichen Art mussten die Rosengarten-Serenaden nicht zum ersten Male ankämpfen. Sie schlugen sich tapfer. An der Regnitz wird eben, zumal im Sommer, einiges geboten.

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