Lepidopterologisches Fotoshooting

Zitronenfalter. Foto: Viola Ecker

Hans-Peter Ecker

Lepidopterologie nennt man jenes Teilgebiet der Zoologie, das sich mit der Erforschung der Schmetterlinge beschäftigt. Ein wunderbar gelehrt klingendes Wort, das z.B. den Schweizer Autor Urs Widmer motivierte, einen Roman „Der Kongreß der Paläolepidopterologen“ zu schreiben, dessen Protagonist sich für versteinerte Falter interessiert. (So sehr ich auch andere Texte dieses skurrilen Erzählers und Dramatikers zu schätzen weiß, für dieses Werk konnte ich mich nie so recht erwärmen. Und ebenso mag ich lebendige Lepidoptera entschieden mehr als versteinerte.)

Jene habe ich also zu einem zwanglosen Fotoshooting besucht und ihnen die Auswahl der Szenerie und Posen völlig überlassen. Angesichts des beigefügten Bilddokuments sage einer, dass Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) keinen Sinn für Symmetrie mitbrächten! Unsere Models haben sich als Location mit Sinn für Farbharmonie, Ironie und tieferer Bedeutung einen Schmetterlingsblütler ausgesucht, genauer: eine gerade aufblühende Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia, auch als Saat-Esparsette geläufig). Futter-Esparsetten bieten einen sicheren Catwalk, treiben sie als an trockene Standorte bestens angepasste Rohbodenpioniere ihre Wurzeln doch bis zu 4 m Tiefe in den Grund!

Zitronenfalter sind in unseren Gefilden nicht gerade selten, was auch ein wenig mit ihrer relativ hohen Lebenserwartung zusammenhängen mag: 12 Monate machen sie gewissermaßen zu den Methusalemen unter den mitteleuropäischen Schmetterlingen. Ihre Vitalität und Robustheit drückt sich u.a. in ihrer einzigartigen Fähigkeit aus, hierzulande völlig ungeschützt in freier Vegetation zu überwintern. Unter Einsatz von Glycerin, Sorbit und Eiweißstoffen können sie den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeiten so sehr herabsetzen, dass sie Temperaturen bis zu 20 Grad minus aushalten.

Diese Falter aus der Familie der Weißlinge sind mit Flügelspannweiten zwischen 50 bis 55 mm nicht gerade klein. Die Flügel der Männchen sind intensiv zitronengelb, die der Weibchen blass grünlich-weiß, womit auch klar sein dürfte, welches Geschlecht auf unserem Bild posiert. Die Weibchen könnte man auf den ersten Blick mit dem weitläufig verwandten Großen Kohlweißling (Pieris brassicae) verwechseln, aber wirklich nur bei flüchtigem Hinsehen, denn die Flügel von Zitronenfaltern sind immer auf eine charakteristische Art und Weise zugespitzt. Weibliche wie männliche Zitronenfalter tragen einen orangefarbigen Augenfleck auf ihren Flügeloberseiten, auf den Unterseiten sind diese Flecke dagegen bräunlich gefärbt. Stets treten die Flügeladern deutlich hervor. Die Raupen des Zitronenfalters (Mai – Juni aktiv) ernähren sich bevorzugt von Kreuzdorn-Arten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.