Kunst am Bau: ein Wald vor lauter Bäumen?

Nachbetrachtungen zur „Architektour“ der Universitätsneubauten an der Markusstraße (wir berichteten)

Wolfgang Neustadt

Architekt Christoph Gatz hatte am Sonntag Nachmittag 24.6.12 zum gemeinsamen Rundgang geladen und viele kamen zu interessanten neuen Einsichten, auch Unterzeichner. Diese neuen Aspekte sollen hier abschließend, auch hinterfragend, resümiert werden.

Die Ausschreibung sah nicht nur eine Einbeziehung dieses neuen Quartiers aus der Fernsicht von Rosengarten und Kloster Michelsberg vor. Sondern auch vor allem eine direkte Sichtachsenherstellung vom Bau selbst auf diese zwei Juwelen des Bamberger UNESCO-Welterbes. Leider kam dieses Panorama aus den Stirnseiten der Obergeschosse heraus nach Westen aus durch Auftraggeber und Architekten nicht zu vertretenden Gründen nicht zum Zuge (vgl. zum Beispiel den fantastischen Ausblick von der Teilbibliothek 5 auf den Domberg).

Städetbaulich war, wie schon erwähnt, weiter erwünscht, die Campus-Idee nicht allein durch eine offene Platzeinbindung umzusetzen, auch der Gassencharakter des Bamberger Stadtbilddenkmals war zu reflektieren. Die Umsetzung dieses Vorschlags ist noch nicht ganz nachvollziehbar. Erst der dritte in Kürze anzugehende Bauabschnitt mit der geplanten Caféteria wird die beabsichtigte Dynamik zwischen (dem bereits vorhandenen) Campusplatz und „Gassen“-verbindung zum Beispiel von Markus- zu Steinertstraße verdeutlichen. Hier kommt Spannung auf!

Die Campusbrache in froher Cafeteria- Erwartung. Foto: Wolfgang Neustadt

Ein wiederkehrend leidiges Thema ist die öffentliche Sollleistung „Kunst am (diesmal im) Bau“. Die japanische Künstlerin Tomikawa hatte den Wettbewerb gewonnen. Sie durfte im Foyer ein grün strukturiertes Band umlaufen lassen, worauf mittels ebenfalls naturgrünen Leuchtkästen schon an der Eingangsdecke verwiesen wird. Ohne jeglichen erklärenden Hinweis für Studierende oder nur Architekturinteressierte leider ein recht kryptischer Sinnbezug, trotz schon „naturnaher“ dOCUMENTA (13).

Der künstlerische Wald vor lauter Bäumen? Foto: Gatz

Das japanische Konzept traf offenbar eher zufällig mit den den Gesamtbau bereits frühjahrsfrisch leuchtgrün durchziehenden Linoleumböden und Treppenwangen zusammen. Es war ein tiefschürfendes und übermächtig gut besetztes Gremium, das über die „Kunst im Bau“ entschied, der Architekt wars nicht.

Was man mit nur ein wenig mehr Transparenz so alles erreichen könnte? Ein bisserl mehr Verständnis für Kunst, und Bau, der selbst ganz wesentlich, auch ohne viel Grün, von seiner sehr sehr gelungenen städtebaulichen Qualität lebt.

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