Frankreich gegen Spanien ohne Chance

Winnie Wenzel

Spanien landete im Viertelfinale der EM gestern einen ungefährdeten 2:0-Sieg gegen eine französische Mannschaft, in der sich allein Franck Ribéry dank seiner individuellen Klasse ein wenig gegen die unvermeidliche Niederlage stemmen konnte. Das Spiel war nicht besonders schön anzusehen und auf keinen Fall spannend, am Ende blieb der spanische Sieg ohne Glanz. Dessen ungeachtet demonstrierte der amtierende Weltmeister eindrucksvoll seine Vormachtstellung im internationalen Fußball. Er kontrollierte das Spiel praktisch über 90 Minuten durch unglaublich präzise Ballstafetten, eine perfekte Raumaufteilung und intelligent-ökonomisch vorgetragene Angriffsaktionen. Ohne sich sonderlich anzustrengen ließ man Ball, Gegner und Schiedsrichter laufen, und zwar so, dass der eigene Kasten fast nie ernsthaft in Gefahr kam. So brachte Frankreich, das nicht schlecht verteidigte, aber einfach nicht über die nötige Präzision bei Zuspiel und Feinabstimmung der Mannschaftsteile verfügte, in der zweiten Hälfte keinen einzigen Schuss mehr aufs iberische Tor, obwohl es doch einen Rückstand aus der 19. Minute durch Xabi Alonso (der in seinem 100. Länderspiel eine tadellose Leistung ablieferte) aufzuholen hatte. Ich widerspreche vehement vielen Internetkommentaren, dass man (sei es Portugal im Halbfinale, seien es womöglich wir im Finale) vor diesen Spaniern keine ,Angst’ haben müsse, dass es sich bei ihnen nicht mehr um das alte Team handele. Doch, genau dies ist der Fall, allenfalls sind sie noch einen Tick abgezockter geworden. So stellt sich die entscheidende Frage, ob es im verbleibenden Teilnehmerfeld dieser EM einen Gegner gibt, der die spanische Hintermannschaft durch Tempofußball und ein vergleichbar präzises Kombinationsspiel unter Druck setzten kann. Diese Frage aber wird allein die Praxis beantworten. (Dass man das spanische Spiel durch zähes Verteidigen über 90 oder 120 Minuten totlaufen lassen kann, um irgendwann den entscheidenden Konter zu setzen, traue ich allenfalls Italien zu.)

Na gut, abschließend sei dann auch zugegeben, dass Frankreich derzeit wirklich keine Übermannschaft ins Rennen schicken kann …

Spanien – Frankreich 2:0 (1:0)
1:0 Xabi Alonso (19.)
2:0 Xabi Alonso (91., Elfmeter)
Spanien: Casillas – Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Alba – Busquets – Xavi, Xabi Alonso – Silva (65. Pedro), Iniesta (84. Santi Cazorla) – Fàbregas (67. Torres)
Frankreich: Lloris – Réveillère, Rami, Koscielny, Clichy – M’Vila (79. Giroud) – Cabaye, Malouda (65. Nasri) – Debuchy (64. Ménez), Ribéry – Benzema
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer (in Donezk): 47.000
Gelbe Karten: Ramos – Cabaye, Ménez (2)

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2 Gedanken zu „Frankreich gegen Spanien ohne Chance

  1. Gastvortrag Albert Delachaux, 02.07.2012, 18:15 – 19:45, MG2/00/10
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    Am 23.03.1942 wurde der französische Kriegsgefangene Bernard Delachaux mitten in Bambergs Innenstadt in der Roppeltsgasse „auf der Flucht“ erschossen.

    Der damals dreijährige Sohn Albert Delachaux wird zur Verlegung eines „Stolpersteins gegen das Vergessen“ zur Erinnerung an seinen Vater am 01.07.2012 (12:00 Uhr, Roppeltsgasse) erstmals nach Bamberg reisen. Das Schicksal des Vaters war in Bamberg vollständig vergessen (verdrängt?) worden.

    Im Zuge dieser Reise wird Albert Delachaux Vorträge über seinen Vater, dessen Tagebuch auch aus der Bamberger Zeit der Familie nach Ende des Zweiten Weltkrieges zugestellt wurde, an der Universität, aber auch an einigen Bamberger Schulen halten. Den Vortrag an der Universität wird Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände historisch einordnen.

    Wir laden alle Interessierten ganz herzlich zur Verlegung des „Stolpersteins gegen das Vergessen“ und zum Gastvortrag an der Universität (02.07.2012, 18:15 – 19:45, MG2/00/10) ein.

  2. Hi Winnie, echt gewagte Theorie, wenn Du vielen“ Internetkommentaren“ widersprechen möchtest, dass man (sei es Portugal im Halbfinale, seien es womöglich wir im Finale) vor diesen Spaniern keine ,Angst’ haben müsse, dass es sich bei ihnen nicht mehr um das alte Team handele. Doch, genau dies ist der Fall, allenfalls sind sie noch einen Tick abgezockter geworden…

    die Spanier sind mindestens müder geworden (zurücklieg Ligaspiele??), von Iniesta war wenigst zu sehen und dann ausgewechselt, es fehlte die bekannte „brasilianische“ Frische vor/im gegner. Strafraum…“Südländer“ verlieren eher und schneller die Lust, auch die spielerische Kondition, boooh, das war und ist oft (leider) die Chance der Teutonen mit ihrer Pferdekondition, alles was im Weg steht, niederzuwalzen, oder? Schauen wir mal, dann sehen wir schon!

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