Kommt nach der Euro- nun auch noch die Bierkrise? Zur deutschen Bierkultur im internationalen Vergleich

Gambrinus

Schaumprüfer. Foto: Erich Weiß

Die deutsche Bier-Welt ist vielleicht nicht so heil, wie es uns die einschlägige Werbung suggeriert. In den Jahren seit der Wiedervereinigung ist der jährliche Pro-Kopf-Konsum um sage und schreibe 35 Liter gesunken. Speziell bei den jungen Leuten steht ,normales’ Bier nicht mehr hoch im Kurs. Was traditionsbewusste Brauer als perfekte Produkte betrachten, empfinden unsere Kleinen als gesteigert uncool. Der vorletzte World Beer Cup 2010, der wohl wichtigste Bierwettbewerb der Welt, endete für deutsche Brauer in den meisten Disziplinen nicht besonders erfolgreich (manche Kommentatoren sprechen von der ,Schmach von Chicago’); heimische Biere verloren sogar bei Sorten, von denen man denkt, sie würden woanders gar nicht gebraut – so etwa beim Märzen, beim Schwarzbier, bei Bock und Doppel-Bock, sogar bei Weizen, Kölsch und Alt.

„ZDFzoom“ nahm diese Situation zum Anlass, in einer Reportage die Frage zu untersuchen, wie es zur Zeit um das deutsche Bier bestellt ist und ob die deutschen Brauer nicht die Zeichen der Zeit verkennen. Ein Hauch von Krisenstimmung wabert durch die Vorankündigungen des Senders: Wird hierzulande noch nach einem antiquierten Reinheitsgebot gearbeitet, während die Welt nach Gepantschtem, Aromatisiertem, Aufgepepptem lechzt? (Sendung am Mittwoch, 6. Juni 2012, 22.45 Uhr).

Eine gewisse Entwarnung signalisieren glücklicherweise die Ergebnisse des letzten World Beer Cups, der im Mai in San Diego ausgetragen wurde. 211 Juroren aus 27 Ländern durchkosteten 3921 Biere aus 799 Brauereien und vergaben Preise in 95 unterschiedlichen Bierstilen. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass beim World Beer Cup Gold, Silber und Bronze in jeder Kategorie nur einmal vergeben werden und nicht wie bei vielen anderen Pseudo-Wettbewerben einfach durch Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards zu erreichen sind. Das tröstliche Ergebnis für Germaniens Braukunst: Es gab wieder Goldmedaillen zu begießen – natürlich mit Bier. Ganz oben auf dem Stockerl standen für Schwarz-Rot-Gold:

  • Ketterer Zwickel Pils – Familienbrauerei M. Ketterer – Kellerbier/Zwickelbier
  • Urtyp Hell – Löwenbrauerei Passau – Münchner-Style Helles
  • Weltenburger – Kloster Barock Dunkel – Klosterbrauerei Weltenburg – European-Style Dark/Münchner Dunkel
  • Doppel-Hirsch – Der Hirschbräu – Traditional German-Style Bock 2012
  • Holzfassgelagerter Eisbock – Brauhaus Faust – German-Style Doppelbock oder Eisbock
  • Brauerei Michael Plank Original Hefeweizen – Brauerei Michael Plank – German-Style Dark Wheat Ale
  • Brauerei Michael Plank Heller Weizenbock – Brauerei Michael Plank – South German-Style Weizenbock/Weissbock

Hier www.worldbeercup.org/winners geht’s zu den ausführlichen Sieger-Listen.

Zum Weiterlesen: ein Bierblog www.lieblingsbier.de mit Tests, vielen Artikeln zur Bierkultur, einschlägigen Koch-Rezepten, Brauerei-Portraits usw.

2 thoughts on “Kommt nach der Euro- nun auch noch die Bierkrise? Zur deutschen Bierkultur im internationalen Vergleich

  1. Na ja, in einem Zeitungsartikel kann man selten ALLES schreiben, schon gar nicht zum Thema Bier, da bräuchte man schon mindestens eine 24bändige Enzyklopädie als Format. Über die Rauchbierfrage informiert der Link zur Siegerliste; konkret zur Keller- und Rauchbierprämierung (wobei ich aber nicht weiß, ob beispielsweise unser ,Schlenkerla‘ am Wettbewerb teilgenommen hat):

    Category 25: Kellerbier/Zwickelbier, 45 Entries
    Gold: Ketterer Zwickel Pils, Familienbrauerei M. Ketterer, Hornberg, Germany
    Silver: VIÆMILIA, Birrificio del Ducato, Roncole Verdi, Italy
    Bronze: 5 O’Clock Shadow, Grand Teton Brewing Co., Victor, ID

    Category 26: Smoke Beer, 48 Entries
    Gold: Fujizakura Kogen Beer Rauch, Fujizakura Kogen Beer, Minamitsuru, Japan
    Silver: BraufactuM Roog, Die Internationale Brau-Manufacturen, Frankfurt am Main, Germany
    Bronze: Grodzinski, Iron Hill Brewery & Restaurant – Newark, Newark, DE

  2. Leider kam im Artikel nicht alles rüber:
    (1) auch das sakrosankte bayer. Reinheitsgebot ist bei weitem lang nicht mehr das, was es seit 1516 penetrant verspricht; wir sollten doch eher vom Industriereinheitsgebot von 2001 oder so sprechen, auch in Franken! Was ist eigentlich noch so alles schönes drin?, und besser noch: was ist eigentlich schnell so alles schönes wieder raus, damits immer noch so scheint und schmeckt und aussieht wie und ob? Wer auch dem fränkischen Brauer nicht wirklich penetrant über die Schulter schaut, kanns auch nicht wissen; wer nur säuft und nicht schaut und hinterfragt, hat selber Schuld, schon der fränkischen Gesundheit wegen;

    (2) es kam (bei der Blindverköstigung!!!) in S. Diego angeblich auch ein „deutsches“ Rauchbier zur Prämierung, davon ist hier keine Rede?! Welches? Heißt das also, es kam nicht aus Franken?

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