Deutschland schlägt Israel im Standby-Modus 2:0

Winnie Wenzel

Ich weiß wirklich nicht, ob man bei einem solchen Wetter, wie es heute Abend in Leipzig herrschte, im Freien Sport treiben muss. Yogi Löw und 43241 zahlende Zuschauer schienen jedenfalls dieser Meinung zu sein, israelische Funktionäre wohl ebenfalls, woraufhin denn etlichen Mannen in weißen bzw. blauen Leibchen nichts anderes übrig blieb, als dem sogenannten Leder nachzujagen. Jagdeifer war erkennbar, hielt sich aber innerhalb vernünftiger Grenzen, wenn man die Rutschgefahr auf nassem Grün in Rechnung stellt. So entwickelte sich ein lebhaftes Spiel zweier (in diversen Dreier- und Viererketten) gut organisierten Mannschaften. Es wirkte – aus der Vogelperspektive betrachtet – zumeist wie ein Suppenteller, in dem die Brühe gemächlich hin und her schwappt. Ich danke meiner Frau, die gerade aus der Küche hinzukam, für diesen Vergleich, der die Sache präzise beschreibt.

Um die 35. Minute herum musste jemand diesem wackligen Suppenteller auf deutscher Seite ein paar Bierfilzl untergeschoben haben, denn jetzt pendelte der weiß-blaue Spielersud nur noch in der israelischen Hälfte und schwappte dort zwischen Torauslinie und Mittelkreis, worauf dann auch logischerweise das 1:0 fiel, das Gomez den Blauen unter die Latte nagelte. Vorausgegangen war ein Pass von Khedira, den Müller trickreich verlängert hatte. Was könnte man sonst noch zur ersten Halbzeit sagen? Nun, Kroos war oft im Fernsehbild zu sehen, anfangs vorteilhafter als im weiteren Verlauf des Spieles. Wie der Reporter richtig feststellte, tauchte Kroos allmählich ab, was angesichts des Dauerregens kein Kunststück war. Lahm verzichtete darauf, den Flankengott zu mimen. Wie es sich für ein Freundschaftsspiel gehörte, schenkte man sich gegenseitig viele Bälle. Die deutsche Mannschaft brachte den Kommentatoren zufolge das Kunststück zuwege, ohne Biss zu spielen, sich dabei aber doch die Zähne auszubeißen. In manchen Augenblicken bekam man dennoch ein Gefühl dafür, warum Yogi Löw seinen Kader so zusammengebaut hat, wie er ihn zusammengebaut hat. Mehr kann man als Zuschauer eines Testspiels eigentlich nicht erwarten und ich wollte es dabei auch bewenden lassen.

Leider war das auf den anderen Fernsehkanälen Gebotene so enttäuschend, dass ich aus purer Verzweiflung dann doch auch noch die zweite Halbzeit des Fußballspiels betrachtete. Hier lernte ich vor allem ein dankbares Leipziger Publikum bewundern, das Wetter und Spiel mit derselben stoischen Freundlichkeit hinnahm. Bertie Vogts kam einmal kurz ins Bild. Ich konnte nicht genau sehen, ob er gerade eine SMS schrieb, wie der Reporter tippte, oder mit einem Mini-Computerspiel beschäftigt war. Ich erinnerte mich in diesem Moment an Stefan Raabs schönen Böörtie-Böörti-Vogts-Song von 1994 http://www.youtube.com/watch?v=YNzB0xBrMVY. Unterdessen suchte die Mannschaft sich selbst und ihr Spiel, fand aber beides nicht. Dies fand ich wiederum einigermaßen verwunderlich, weil so ein Fußballfeld an sich ja nur wenige Versteckmöglichkeiten bietet. Ich frage mich, ob sich diese Spieler beim Ostereier-Suchen genauso ungeschickt anstellen, was ich eigentlich nicht glauben will. Müller demonstrierte dann in der 76. Minute, weshalb die Bayern in letzter Zeit so oft Zweiter geworden sind. In der 82. Minute findet ein Fernschuss des eingewechselten Schürrle dann doch noch das Eckige. Reus und Götze dürfen spät, aber eben doch noch beim Fußballfest mitmachen. Wenn der Reporter Recht hatte, hat Deutschland heute Abend bei den Männern sein erstes Fußballspiel dieses Jahres gewonnen. Das ist schön.

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