Intelligenz ist sexy

Criticus

Sherlock Holmes und Dr. Watson

Am gestrigen Himmelfahrtstag zeigte das Fernsehen (ARD) zu einer Sendezeit, wo man eigentlich peinliche Casting-Shows, Wiederholungen alter Hollywood-Klamotten, Volkstümliches, Koch- oder Quizsendungen für Senioren oder moralinduftende deutsche Krimi-Serien erwartet, also das Gerät lieber ausgeschaltet lässt, doch tatsächlich einen Detektivfilm der Extraklasse: Ein Skandal in Belgravia. Der Auftakt zur zweiten Ministaffel der Sherlock-Reihe glänzte filmästhetisch durch ungewohnte Kameraeinstellungen und optische Tricks, narrativ durch eine spannende, von vielen Überraschungsmomenten geprägte, dabei aber logisch stimmige Handlung und dramaturgisch durch eine perfekte Balance zwischen psychologischen Abgründen der Protagonisten und intelligent-witzigen Dialogen, die nie in Klamauk abglitten. Die in Großbritannien produzierte Sherlock-Reihe modernisiert das klassische Sherlock Holms-Figurenensemble gründlich, verbleibt aber doch im Rahmen der erfolgreichen Dialektik zwischen narzisstischem Genie und minder genialem, dafür aber sozial intelligenteren Gefährten.

Im aktuellen Fall betraut die Regierung das Ermittlerduo (Sherlock gespielt von Benedict Cumberbatch, Martin Freeman gibt den Watson) mit einem pikanten Fall: Eine Domina (Lara Pulver) besitzt kompromittierende Fotos von einem weiblichen Mitglied der Königsfamilie, wobei lange Zeit höchst unklar bleibt, was sie damit anstellen will. Der Fall wird zunehmend komplizierter, im Hintergrund mischen offenbar noch andere Akteure mit. Nach und nach wird klar, dass es um ein mörderisches Komplott geht, aber auch um ein erotisches Kampfspiel. Das unterkühlte Genie zeigt ebenso Gefühle wie seine eiskalte Gegenspielerin. Beide entdecken, dass Intelligenz sexy ist. Der Zuschauer entdeckt zu seiner Überraschung, dass das Medium Fernsehen nicht zwingend auf Schrott festgelegt ist – und findet das Pantoffelkino plötzlich ebenfalls sexy.

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