Zum ICE-Ausbau, im Mai 2012

Eine Stellungnahme des VCD

Vielleicht ist ja jede Sorge überflüssig und der Ausbau bleibt doch noch auf der Strecke. Darauf können wir uns aber nicht verlassen. Es bleibt uns, bis auf Weiteres, nur, im Planfeststellungsverfahren unsere Stimme laut und deutlich zu erheben.

Nun ist es leicht, viele Bürger zu gewinnen, wenn es gegen „die Bahn“ geht. Es ist auch leicht, großspurige Forderungen aus dem hohlen Bauch zu stellen. Doch das hilft nicht weiter.

  • Ob eine Tunnellösung für Bamberg überhaupt wünschenswert wäre, wie sie ausschauen müsste und was sie bringen könnte, ist noch nicht einmal erörtert worden. Vor einer Antwort auf diese Fragen ist die Forderung „Tunnel!“ nur Unfug.
    Am Planfeststellungsbeschluss für Erlangen kann man studieren, warum ein Tunnel auch für Bamberg aller Voraussicht nach nicht in Frage kommt – und sicher auch für Bamberg unbezahlbar ist.
  • Wer eine Neubau-Trasse „entlang der Autobahn“ will, schafft den ICE-Halt in Bamberg ab. Denn selbstverständlich wird die DB eine solche Vorlage nutzen, um den ICE auf einer so einladenden Trasse einfach durchrauschen zu lassen. Schließlich spart das noch einmal 3 bis 5 Minuten Fahrzeit. Übrig blieben zwei Halte in Tagesrandlage und vielleicht einer als Feigenblatt zwischendurch.
    Auch ein Blick auf die Landkarte hilft weiter. Eine solche Trasse für zwei Gleise braucht eine Breite von etwa 55 m (Auskunft Bahn). Das entspricht rund einer Verdopplung der bereits für die Autobahn vernichteten Waldfläche, auf einer Länge von 5 bis 7 km. Jeder, der sich diese Forderung zu eigen macht, wird auf den erbitterten Widerstand aller Bamberger Umweltgruppen stoßen.
  • Wenn von Sichtachsen aus Bamberg-Ost auf die Bergstadt geredet wird, verwechselt das mancher mit dem Blick aus dem eigenen Wohnzimmer. Sichtachsen von/nach jenseits der Bahnlinie, die historisch eine Rolle gespielt haben, gibt es nur eine (von/nach Schloss Seehof). Sie ist auch durch noch so hohe Lärmschutzwände nicht berührt. Wer auf eine ad hoc-Erweiterung der Pufferzone große Hoffnungen setzt, läuft vermutlich einer Illusion auf.

Was bleibt? Es bleiben massive Möglichkeiten: Vorsorge am Gleisbett, Änderungen in der Wagentechnik, die Nutzung einer bisher unterbelichteten Ausweichstrecke, eine Deckelung der Geschwindigkeit der durchfahrenden Züge.

Der Bamberger VCD sieht folgende Schlüsselpunkte:

  • Wir wollen die Bahn und den ICE-Halt (mindestens in 2-Stunden-Takt)
  • Wir wollen wirksamen Lärmschutz, mindestens entsprechend der gesetzlich festgelegten Standards (ohne Schienenbonus)
  • Wir wollen keine überhohen Lärmschutzwände.

Aktiver Lärmschutz im Schienenverkehr

Von der technischen Seite her gibt es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu bringen:

  1. Neue Techniken für aktiven Lärmschutz unmittelbar am Gleisbett stehen zur Verfügung bzw. sind in Erprobung. Das besonders überwachte Gleis ist heute schon Praxis; für das geschäumte Gleisbett, Unterschottermatte, Schienenstegbedämpfer, elastische Schwellenlagerung, schweres Masse-Feder-System mit Trog, … werden bis zum Baubeginn weiterführende Erprobungsergebnisse vorliegen. Diese Techniken werden deutlich weniger Lärm entstehen lassen als das traditionelle Gleisbett.
  2. Auch für Lärmschutzwände gibt es mittlerweile Techniken, die hochabsorptiv wirken und/oder aufgrund ihrer Formung und ihrer Materialienkombination in deutlich kleinerem Format die gewünschte Schalldämpfung bringen.
  3. Für aussichtsreiche Lärmschutztechniken, die vom Eisenbahnbundesamt noch nicht zugelassen sind, liegt es nahe, unseren Streckenabschnitt als Pilotversuch einzurichten. (Die EU ist vielleicht sogar zugänglicher als das Eisenbahnbundesamt.) Außerdem wird sich bis 2017ff. in den Techniken, die heute in Erprobung sind, noch einiges tun.
  4. Der Umbau der Güterwagen auf die K-Bremse wird eine deutliche Entspannung der Lärmsituation bringen. Doch beim bisher vorgelegten Tempo bleibt dieser Umbau ein Jahrhundertprojekt. Wir müssen uns für den Umbau und für seine Beschleunigung einsetzen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit und über jeden sich bietenden Kanal (etwa Städtetag, Gebietskörperschaften, behördliche Stellungnahmen, Parteien, Verbände …).
  5. Die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hof – Regensburg kann jedenfalls einen Teil der künftigen Zunahme des Güterverkehrs aufnehmen und so unseren Streckenabschnitt entlasten. Deswegen sollte die Elektrifizierung Hof – Regensburg in der Liste der Priorisierung (des Bundesverkehrsministeriums) nach vorne geschoben werden. Vorab ist für die gesamte Strecke (etwa HH – Brennertunnel) zu prüfen, ob nicht an anderer Stelle unzumutbare Härten geschaffen werden.
  6. Die ultimative Stellgröße ist die Geschwindigkeit der durchfahrenden Züge. Besonders solange andere Maßnahmen nicht genügend greifen oder nicht weitgehend genug umgesetzt sind, ist die Geschwindigkeit so weit zu drosseln, dass die Lärmgrenzwerte auch ohne Monsterwände unterschritten werden. Besonders solange Güterwagen mit Guss-Bremsen in Betrieb sind, wirken sich Änderungen ihrer Geschwindigkeit deutlich aus.

Wir brauchen eine öffentliche Expertenanhörung

Die DB ist ein harter Brocken. Doch es hilft nicht, jetzt einen Popanz „ICE-Ausbau“ aufzublasen und mit medialem Getöse auf ihn einzudreschen. Für die anstehenden Verhandlungen mit der Bahn und dem Eisenbahnbundesamt brauchen wir eine durch Sachverstand gesicherte Basis. Die bekommen wir nur durch Fachleute von außerhalb. Deswegen brauchen wir eine öffentliche Expertenanhörung; ihr Thema heißt einfach „Aktiver Lärmschutz im Schienenverkehr“. Eine bundesweit angelegte Großveranstaltung wäre sicher ein kräftiges Signal. Aber auch ein kleineres Format kann unserem Informationsinteresse weiterhelfen.

Fünf Gruppen von Akteuren sollten ihren Aspekt, ihre Angebote und ihre Forderungen zum aktiven Lärmschutz darstellen:

  • Die Technischen Hochschulen
  • Die Bahnindustrie
  • Die Bundesvereinigung gegen Schienenlärm
  • Die Deutsche Bahn
  • Stadt und Landkreis Bamberg

Selbstverständlich ist dieses Hearing nur ein Schritt in dem Unternehmen „Menschen-, orts- und landschaftsverträglicher Ausbau der ICE-Strecke“. Um dieses Unternehmen insgesamt erfolgversprechend zu machen, braucht es zum Ersten den öffentlichen Druck der Bürger in allen anliegenden Gemeinden. Es braucht zum Zweiten die Zusammenarbeit und den Druck von Gemeinden und Landkreis, auf allen zugänglichen Ebenen. Und es braucht zum Dritten sachverständige Mitarbeiter in den Verwaltungen der Stadt und des Landkreises Bamberg.

Da dieses Aufgabengebiet neu ist und ein zusätzliches, ist davon auszugehen, dass solche sachverständige Mitarbeiter neu und zusätzlich eingestellt werden müssen. Die DB und das Eisenbahnbundesamt lassen sich von Dilettanten nicht beeindrucken, von ehrenamtlichen so wenig wie von hauptamtlichen. Wir haben eine Chance nur, wenn wir auf Augenhöhe verhandeln können.

Im Entwurf für einen Lärmschutzplan zum Schienenverkehr hatte die Bezirksregierung eine übersichtliche Liste technischer Möglichkeiten zusammengestellt. In seiner Stellungnahme hat der VCD diese Liste begrüßt und um Vervollständigung gebeten. Wir haben zugleich an die Bezirksregierung appelliert, im Sinn des Schutzplanes tatsächlich tätig zu werden. Aktuell heißt das, dass sich auch die Bezirksregierung in das Planfeststellungsverfahren einbringt, um die Erwartungen der Anwohner zu unterstützen und die Erfüllung ihrer Schutzrechte sichern zu helfen.

In diesem Sinn zählt der Bamberger VCD auf Politik und Verwaltung in Gemeinden, Landkreis und Bezirk gleichermaßen.

Die Bürger aber haben es in der Hand, für Anstoß und Nachdruck zu sorgen.

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