As Time Goes By

Eine Glosse von Andreas Reuß

Fahrradhaufen. Foto: Marcus Wenig

Es gibt nicht nur die ominöse Schublade in der Bamberger Stadtverwaltung, in der so manche GAL-Anträge für immer unbearbeitet verschwinden – Nein! Seit Neuestem weiß man auch von einem Raum im Tourist und Kongress-Service (TKS) der Stadt, in dem unaufgestellte Fahrradständer vor sich hin schimmeln. Oder werden sie gar betreut?

Vor vielen Jahren
In einer Aktuellen Stunde wünschte GAL-Stadtrat Reuß einst mehr Fahrrad-Abstellständer am TKS, da laut Statistik ein Großteil der Bamberg-Touristen und TKS-Besucher Fahrradfahrer seien. Antwort damals: Kein Problem, die Ständer seien längst bestellt und würden demnächst bereitstehen.

Sechs Monate später
Das Fahrradforums findet im TKS statt, wohl auch um die Notwendigkeit des relativ neuen, sehr großzügig angelegten Gebäudes zu rechtfertigen. Reuß wendet sich en passant an den Baureferenten, Herrn Ilk, wo denn nun die versprochenen Radständer seien. Dieser fragt zurück, ob man sich nicht schon mal umgesehen hätte?

Stunden später
Nach dem Fahrradforum: Reuß schaut sich um und sieht keine neuen Fahrradständer, nur die zehn alten, die gerade für die Angestellten des TKS oder die Kunden des Aposto reichen. Rätselnd und gedankenschwer schleppt er sich er von hinnen.

Am Tag danach
Eine Assistentin aus dem Büro von Herrn Ilk ruft Reuß in dessen Schule an und bittet um Rückruf.

Stunden später
Reuß ruft zurück und wird eilfertig zum Herrn Baureferenten durchgestellt. Herr Ilk ist empört. Er habe selbst vergeblich nach den Radständern gesucht und beim TKS rückgefragt. Ja, die Dinger seien geliefert, aber man habe sie noch nicht aufstellen wollen, weil sie dem Lieferverkehr im Weg stünden. Daher habe man sie erstmal eingelagert und überlege nun, wo man sie aufstellen könne. Herr Ilk war entsetzt und meinte, das sei doch aber nun schon ein halbes Jahr her und sie sollten eine Entscheidung treffen und die Dinger nun gefälligst platzieren. Bei Reuß entschuldigte er sich am Telefon vielmals, man habe ihn falsch informiert.

Jahre später
Noch immer liegen die Radständer im TKS, von dem man jetzt immerhin weiß, warum es so groß ist wie das Rathaus einer kleineren Verwaltungsgemeinschaft und warum es so viel Unterhalt kostet: Allein der Radständer-Abstellraum muss doch ständig klimatisiert, beleuchtet, regelmäßig geputzt und abgestaubt werden! Und erst die anderen Räume mit den – vom umfangreichen Lieferverkehr – andauernd herbei gefahrenen Sachen!

Und wenn ein Behördenchef oder, noch banaler, so ein überneugieriger GAL-Stadtrat doch mal anruft, dann wird er halt falsch informiert.

Louis: Wieso, Rick, sind Sie eigentlich nach Casablanca gekommen?
Rick: Wegen der Quellen.
Louis: Quellen? Was für Quellen? Wir sind in der Wüste!
Rick: Man hat mich falsch informiert.
Aus: Casablanca, USA 1942 

Vielleicht sind ja auch die Brücken ja gar nicht vollständig? Vielleicht haben sie manche Häuser, die in Auftrag gegeben und bezahlt wurden, gar nicht gebaut? Sind auch alle Stützen eingefügt, welche das neue Foyer der Konzerthalle tragen sollen? Wurde das Dach des Theaters nach dem Brand damals auch korrekt befestigt? Steht die Arena an der Forchheimer Straße noch lang? Wo liegen die anderen bestellten und nie installierten Fahrradständer?

Sicher ist nur, dass hier nichts anders wird, das ist die simple Wahrheit des Lebens, auch wenn die Zeit weitergeht – – –

The simple facts of life are such 
They cannot be removed.
You must remember this 
A kiss is just a kiss, a sigh is just a sigh. 
The fundamental things apply 
As time goes by.
Titelsong aus Casablanca, USA 1942

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.