Bamberger Kasperl wird 75 Jahre! Jubiläumsbuch statt Auftritte im Coronajahr

Die Puppenbühne Herrnleben gehört mit dem Bamberger Kasperl zu den ältesten ihrer Gattung in Deutschland. Es dürfte nicht einfach sein, eine Kasperlbühne zu finden, die – wie die der Familie Herrnleben – seit 1945 besteht und in vierter Generation geleitet wird. In diesem Jahr wird die nach dem Krieg von Hans Herrnleben gegründete Puppenbühne 75 Jahre alt. Florian Herrnleben, sein Urenkel und aktueller Leiter der Puppenbühne, hat die Corona-Monate der Kulturarmut genutzt und ein Buch verfasst mit Geschichten aus 75 Jahren bundesweit einmaliger Puppentheatertradition aus und in Bamberg. Mit dem Titel „Kasperlbunt!“ ist es ab 7. November im lokalen Buchhandel sowie über den Onlineshop des Bamberger Kasperls erhältlich.

Es dürfte nur wenige Kinder in Bamberg geben, die noch keine Berührung mit dem Bamberger Kasperl, dem bekanntesten Holzkopf der Puppenbühne Herrnleben, ihren Auftritten oder Hörspielen hatten. Ob bei Kirchweihen, Volksfesten, Sommerferienprogrammen, in Kindergärten und Schulen, Familie Herrnleben zählt nahezu jede Einrichtung in Bamberg bereits zu ihren Auftraggebern der letzten Jahrzehnte. Aber nicht nur hier in Bamberg trieb die lustige Figur mit dem bunten Kleid seine Späße mit Hexen und Zauberern. Weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus haben sich der Bamberger Kasperl und die Puppenbühne Herrnleben einen guten Ruf erworben als eine der Puppenspielerfamilien in Deutschland schlechthin. Beweis genug sind die zahlreichen Buchungen durch Antenne Bayern, den Bayerischen Rundfunk, die AOK Bayern, Trudi Italien … Bis nach Berlin und Köln hat es den Kasperl, Seppl und Hexe aus Bamberg bereits mit ihren Abenteuern verschlagen. Dass die Herrnlebens künstlerisch und kulturell anerkannt sind, beweisen eindrucksvolle Hörspielkooperationen mit namhaften Promis und im Auftrag von Ministerien.

2020 wird die Puppenbühne Herrnleben 75 Jahre alt. Hans Herrnleben, der Urgroßvater des heutigen Leiters Florian Herrnleben hatte die Bühne in Nachkriegsnot gegründet, um das Überleben der Familie zu sichern. Dass sich hieraus eine der über Jahrzehnte hinweg erfolgreichsten Kasperlbühnen der Bundesrepublik entwickeln sollte, konnte er wohl nicht ahnen. Seine schauspielerischen Fähigkeiten und Aktivitäten vor dem Krieg und seine Akribie waren sicher eine der Grundlagen. Normalerweise wurden solche Jubiläen immer groß gefeiert: Empfang beim Oberbürgermeister, Jubiläumsinszenierungen, Ausstellungen.

Dass nun das Coronajahr ausgerechnet auch das Jubiläumsjahr der Bühne verhagelt, ist bitter, aber für Florian Herrnleben kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „In diesem Dreivierteljahrhundert des Bestehens unserer Bühne gab es immer Auf und Abs. Wirtschaftlich schwierigere Jahre und Umbrüche. Man überdauert das alles nur, wenn man auch fähig ist, darauf zu reagieren.“ – Und das hat Florian Herrnleben. Er hat die Zeit genutzt, um viele Geschichten und Informationen über die Puppenbühne in einem Buch zu sammeln, das nun kurz vor Veröffentlichung steht.

Los geht’s im Buch bereits um 1900, als eine Schuhmacherfamilie aus der Fränkischen Schweiz nach Bamberg zog, um im Sandgebiet eine orthopädische Schuhmacherei zu eröffnen. 1904 wurde – als jüngster Sohn der Familie – Hans Herrnleben, der spätere Bühnengründer, geboren. Nach dem Krieg begannt er mit seiner Frau, Ottilie Herrnleben, einer gelernten Schneiderin, die Puppenspielerei und erlangte schnell Beliebtheit im Nachkriegsbamberg.

In den 70ern dann, der erste große Wechsel hin zu seinen Enkeln Wolfgang und Dietmar Herrnleben, die immer mehr Verantwortung auf und hinter der Bühne übernahmen. In den 90ern folgten dann die großen und eindrucksvollen Tourneen für landesweite Rundfunkanstalten.

Florian Herrnleben, der heutige Bühneninhaber und Urenkel des Gründers, spannt in seinem Buch einen Bogen über die kleinen und großen Geschichten der Puppenbühne, über die Auftritte, das Ensemble, die Tonträgerveröffentlichungen bis in die heutige Zeit und das Coronajahr. Zu Wort kommen ebenso politische, gesellschaftliche und kulturelle Weggefährten der Puppenbühne. Auf 164 Seiten, komplett farbig und mit vielen Fotos aus acht Jahrzehnten, erfährt der interessierte Bamberger ebenso viel über ein wesentliches Kapitel der Stadtgeschichte wie der Puppentheaterfan über eine der traditionsreichsten Kasperlbühnen des Landes.

Das Buch Kasperlbunt! erscheint im Herrnleben Verlag, erhältlich im lokalen Buchhandel sowie unter www.bamberger-kasperl.de
und kostet 24,90 Euro.
ISBN: 978-3-9822480-0-4

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