Eine kleine Nachtmusik – das Quinten Quartett im Rosengarten

Horst Windhagauer
Foto: Horst Windhagauer

Wohl selten gab es solch optimale Bedingungen für den Beginn der sommerlichen Konzertreihe im Rosengarten der Neuen Residenz! Ein mediterraner reingewaschener Himmel lag über dem Domberg, und eine für diesen Ort ungewöhnliche Windstille ließ die Noten brav auf den Pulten liegen. Etwa 90 Zuschauer hatten sich eingefunden, um – im geforderten Corona-Abstand voneinander platziert – dem Vortrag eines hochkarätigen Ensembles, bestehend aus Mitgliedern der Bamberger Symphoniker beizuwohnen.

Das Quinten Quartett wurde 2010 aus dem Kreis der Orchesterkollegen ins Leben gerufen, und hat sich neben dem Kernbereich klassisch-romantischer Musik auch im Bereich von Crossover-Projekten einen Namen gemacht. Zu dem Namensgeber Quinten de Roos – man denke hier nicht an das Notenintervall einer Quinte! – der als Primarius des Ensembles wohl auch der Begründer ist, gesellten sich Michael Hamann, Violine II, Yumi Nishimura, Viola, und der für Achim Melzer eingesprungene Cellist Indrek Leivategija. Den Part der ersten Violine übernahm bei den beiden Flötenquartetten die Flötistin Timea Acsai, ebenfalls Mitglied des Orchesters.

Der Programmüberschrift „Eine kleine Nachtmusik“ entsprechend widmete sich das Ensemble ausschließlich dem umfangreichen Quartettschaffen Wolfgang Amadeus Mozarts. Die vier Quartette für Flöte und drei Streichinstrumente sind allesamt Gelegenheitswerke, unter Auftragszwang und Zeitdruck komponiert, und – für Mozarts Verhältnisse eher leichtgewichtige Divertimenti. Beide Quartette, geschickt zum Beginn und am Ende des Konzertes platziert, forderten den Musikern – gerade in den Variationssätzen – ein hohes Maß an solistischer Präsenz ab.

Statt des im Programm ausgewiesenen Streichquartetts von Anton Webern, erklang nach dem Quartett G-Dur KV 156, 1772 während Mozarts zweiter Italienreise als Teil eines sechsteiligen Quartettzyklus komponiert, eine Bearbeitung der drei Préludes von George Gershwin aus dem Jahr 1925. Hier fand sich ein nunmehr zum Quintett angewachsenes Ensemble in der von Michael Hamann erstellten Bearbeitung zusammen, um mit großer Spielfreude die jazzige Klaviervorlage adäquat umzusetzen.

Das Quartett A-Dur, KV 464 entstammt einer Reihe von sechs Quartetten, welche Mozart in den Jahren 1782–85 in Wien komponierte, und stellen Mozarts ambitionierte Antwort auf die große Herausforderung dar, die Haydn in Gestalt seines op. 53 vorgelegt hatte. Die komplex verzahnte Rhythmik dieses Werkes, welches Mozart schon in den Bereich des Quartettschaffens von Beethoven bringt und die hohe kompositorische Reife Mozarts widerspiegelt, wurde vom Quinten Quartett präzise und klangstark umgesetzt.

Den Abschluss des Konzertes bildete, wie oben schon erwähnt, das Flötenquartett in D-Dur, KV 285 mit wunderschön mäandernden Flötensoli, von den Streichern mit pizzicato-Klängen zart unterstützt und in der aufkommenden Abenddämmerung vom Zwiegesang der Amseln begleitet. Für die vom Publikum geforderte Zugabe war es wohl schon zu dunkel geworden, und so freute man sich auf einen Heimweg in einen immer noch lauen Abend nach einem äußerst gelungenen Konzert.

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