Naturschützer warnen: Waldsterben 2.0 durch Klimakrise

Schwer geschädigte Buche. Durch den Regen im Mai hat sie noch einmal neu ausgetrieben, doch es ist unwahrscheinlich, dass dies zum Überleben ausreicht, insbesondere wenn die Trockenheit weiter anhält. Foto: Patrick Jura
BUND Naturschutz Bamberg

Nach Fichten und Kiefern beginnen auch immer mehr Buchen in der Region Bamberg abzusterben – Appell für mehr Klimaschutz.

Scheßlitz. Am Fuße des Albanstiegs beim Stammberg nahe der Giechburg im Landkreis Bamberg zeigten Vertreter des Forstbetriebs Forchheim und des BUND Naturschutzes Bamberg die dramatischen Ausmaße der Trocken- und Hitzeschäden in den Wäldern der Region. „Wir befinden uns mitten in einem Waldsterben 2.0, das durch die Klimakrise verursacht wird“, so Martin Bücker, Vorsitzender des BUND Naturschutz Bamberg.

Dass wir derzeit eine Ausnahmesituation in den fränkischen Wäldern erleben, bereitet Stephan Keilholz, Leiter des Forstbetriebs Forchheim, große Sorgen: „Seit August letzten Jahres leiden viele Baumarten unter Trockenstress. Fichten fallen verstärkt den Borkenkäfern ‚Kupferstecher‘ und ‚Buchdrucker‘ zum Opfer. Auch sterben seitdem bei uns immer mehr Kiefern ab. Und nun stellen wir seit einigen Wochen fest, dass durch Trockenheit, Pilze und Insekten viele weitere Baumarten, wie Buchen und Lärchen leiden und sogar absterben.“ Kiefern und Buchen waren bisher relativ robust gegenüber Trockenheit. Aber offensichtlich seien die Mischung aus hohen Temperaturen, Trockenstress und sich rasant entwickelnden Insekten wie Borkenkäfern und Prachtkäfern zu viel für sie.

„Schäden an den Buchen hatten wir bisher in diesem Ausmaß noch nicht festgestellt. Seit ein paar Wochen wird das Absterben einzelner Altbuchen deutlich sichtbar“, so der zuständige Revierförster Gerhard Rühling. „Die Buchen haben nur noch schüttere Kronen mit kleineren, verschrumpelten, fahlgrünen Blättern. An einzelnen Bäumen platzt die Rinde ab, Buchenborkenkäfer finden sich an den Stämmen“, so Rühling. Auch viele Lärchen sind bereits durch den Befall der Lärchenborkenkäfer abgestorben.

Waldschäden zeigen sich jedoch nicht nur in unserer Gegend. „Wenn man durch Deutschland fährt, sieht man an vielen Stellen tote Kiefern, die an den rot-braun gefärbten Kronen gut zu erkennen sind sowie abgestorbene Fichtenbaumgruppen“, so Erich Spranger, 2. Vorsitzender des BUND Naturschutz Bamberg. „In manchen Gegenden lösen sich Bestände sogar bereits flächig auf, so z.B. Kiefernbestände in Mittelfranken oder auch Buchenbestände in Nordthüringen. Das mutet schon apokalyptisch an“, so Spranger.

Für die Naturschützer besteht kein Zweifel, dass der Klimawandel mit den seit Jahrzehnten steigenden Temperaturen und den lang anhaltenden trockenen Phasen die Waldschäden verursacht. 2018 war ein ausgesprochener Dürresommer. Auch die Jahre 2015 und 2003 zeichneten sich durch trocken-heiße Perioden aus und haben die Bäume bereits geschwächt. 2019 setzte sich bisher die warme und trockene Witterung fort. Der Juni brachte in Bamberg, in Deutschland und weltweit einen Rekordwert der Durchschnittstemperatur. In Bamberg war es 4,2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Dazu fiel nur knapp die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags. „Zusammen mit 12 Hitzetagen, das heißt Temperaturen über 30 Grad, gab dies offensichtlich einigen Bäumen den Rest“, vermutet Spranger.

Doch was können wir gegen das Waldsterben 2.0 tun? „Klimaschutz, d.h. der Abschied von den fossilen Brennstoffen ist sicher das Wichtigste. Aber gleichzeitig müssen wir den Klimawandel waldbaulich begleiten“, so die Überzeugung der Vertreter des BUND Naturschutz.

Martin Bücker macht die Politiker für die Waldschäden verantwortlich: „Über Jahre hinweg haben die gewählten Politiker auf allen Ebenen versäumt, wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz des Klimas – und damit zum Schutz der Wälder – auf den Weg zu bringen. So ist der Ausstoß von Kohlendioxid in den letzten 10 Jahren in Deutschland überhaupt nicht zurück gegangen, er verharrt auf hohem Niveau. Wir müssen endlich umsteuern.“ Beim Waldsterben der 80er Jahre gelang es – allerdings erst nach langem Zögern der Regierung Kohl – Luftschadstoffe, vor allem Schwefeldioxid, deutlich zu reduzieren und dadurch das Waldsterben zu stoppen.

Bücker fordert vor allem auf Landes- und Bundesebene endlich konkrete Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen: „Wir brauchen jetzt keine allgemeinen Sonntagsreden mehr und auch keine Ziele für die ferne Zukunft, die dann ohnehin nicht eingehalten werden, sondern konkrete und wirksame Klimaschutzmaßnahmen.“ Die Klimakrise bedroht unsere Wälder und unsere Lebensgrundlagen. Die Schäden für Gesellschaft und Waldbesitzer sind schon jetzt enorm. Als Oberziel für die globale Erwärmung muss die 1,5 °C Grenze gemäß der Beschlüsse der Klimaschutzkonferenz in Paris 2015 eingehalten werden. Dieses Ziel verfehlt die Bundesregierung aber bei weitem.

Konkret fordert Spranger den Energieverbrauch zu reduzieren, die erneuerbaren Energien und die Kraft-Wärme-Kopplung auszubauen, die Verkehrswende umzusetzen, den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft sowie eine CO2-Bepreisung. „Der Kohleausstieg bis 2030 ist ein absolutes Muss“, so Spranger weiter. „Letztlich müssen wir unser ganzes Leben und Wirtschaften nachhaltig gestalten.“

Die Forstexperten heben die in vielerlei Hinsicht herausragende Bedeutung der Wälder hervor. Neben der Erzeugung des nachwachsenden Öko-Rohstoffes Holz erfüllt der Wald viele Schutzfunktionen und ist für uns als Lebensgrundlage von größter Bedeutung. Der Wald bietet Trinkwasserschutz, Hochwasserschutz, Klimaschutz, Bodenschutz, Biotopschutz und ist darüber hinaus ein Kohlenstoffspeicher.

„Da wir das Klima in 50 oder 100 Jahren nicht kennen“, so Keilholz „und welche Baumarten mit den Umständen und möglichen Schädlingen der Zukunft am besten zurecht kommen, verfolgen wir von den Bayerischen Staatsforsten das Konzept, stabile Bestände aus mindestens vier verschiedenen Baumarten aufzubauen.“ Großer Wert werde dabei auf die Naturverjüngung gelegt, das bedeutet dem Aufwachsen der nächsten Waldgeneration aus den Samen der vorhandenen alten Eichen, Tannen und Buchen. „Wir freuen uns, dass wir im Forstbetrieb viele Bestände mit Verjüngung von Nachwuchsbäumen haben, so dass beim Ausfall von Altbäumen keine Kahlflächen entstehen. Auf Kahlflächen wäre es ungleich schwieriger neue Wälder zu begründen“, so Betriebsleiter Keilholz weiter. Dafür dass die nächste Waldgeneration ohne Zaunschutz hochwachsen könne, sei zudem ein ausgewogener Rehwildbestand entscheidend.

Bei der Baumartenwahl setzen die Förster vor allem auf die heimischen Arten Eiche, Buche und Tanne. Aus Vorsorgegründen müssen aber auch neue Baumarten einbezogen werden, die aus Klimaregionen mit einem deutlich wärmeren Umfeld stammen, wie etwa. Douglasien, Zedern oder die Baumhasel.

Deshalb überlegen die Bayerischen Staatsforsten, solche Baumarten in geringem Umfang statt Fichten oder Kiefern am Waldaufbau zu beteiligen. „Momentan sind wir aber noch in der Versuchsphase“.

Einladung zu einer Waldführung

Wer sich ein eigenes Bild von den aktuellen Waldschäden machen will, kann an einer öffentlichen Führung am 18. Juli teilnehmen. Sie wird von Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz und dem zuständigen Revierförster Gerhard Rühling geleitet. Treffpunkt ist um 18 Uhr der Wanderparkplatz im Wald an der öffentlichen, geschotterten Straße, die von der Straße von Kremmeldorf nach Köttensdorf ungefähr 500 m nach Kremmeldorf rechts Richtung Peulendorf abzweigt. Zur Bildung von Fahrgemeinschaften gibt es um 17.45 Uhr einen Treffpunkt am Parkplatz Volksparkstadion in Bamberg. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem BUND Naturschutz Bamberg statt.

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