Heinrich Heinkelmann in Bamberg

Von You Xie

Die Stadt Bamberg plant, einen Grabmalweg zu errichten. Auf meinen Vorschlag wurde Heinrich Heinkelmann in die Liste aufgenommen.

Gedenktafel in der Kapuzinerstraße 11, 96047 Bamberg. Foto: You Xie

Gedenktafel in der Kapuzinerstraße 11, 96047 Bamberg. Foto: You Xie

Am 15. Februar 2016 fand die Enthüllung der Gedenktafel am Wohnhaus von Dr. Heinrich Heinkelmann in der Kapuzinerstraße 11, 96047 Bamberg, anlässlich seines 150. Todestages statt.

Heinrich Friedrich August Heinkelmann wurde am 8. Mai 1807 in Bamberg geboren und starb am 15. Februar 1866 in Bamberg. Er war ein Bamberger Arzt und politischer Aktivist. Er war Mitverfasser der 14 Bamberger Artikel.

Die insgesamt 14 Artikel lauten:

Wir verlangen:

Art.1: Vollkommene Pressefreiheit; das unveräußerliche Recht des menschlichen Geistes, seine Gedanken unverstümmelt mitzuteilen, darf uns nicht länger vorenthalten werden.

Art. 2: Wir verlangen Gewissens- und Lehrfreiheit. Die Beziehungen des Menschen zu seinem Gotte gehören seinem innersten Wesen an, und keine äußere Gewalt darf sich anmaßen, sie nach ihrem Gutdünken zu bestimmen. Jedes Glaubensbekenntniß hat daher Anspruch auf gleiche Berechtigung im Staate. Keine Gewalt dränge sich mehr zwischen Lehrer und Lernende. Den Unterricht scheide keine Konfession.

Art. 3: Ein Gesetz über Verantwortlichkeit der Minister.

Art: 4: Wir verlangen Beeidigung des Militärs auf die Verfassung. Der Bürger, welchem der Staat die Waffen in die Hand gibt, bekräftigte gleich den übrigen Bürgern durch einen Eid seine Verfassungstreue.

Art. 5: Aufhebung aller feudalen Lasten.

Art. 6: Wir verlangen persönliche Freiheit und unbeschränkte Wahlfreiheit. Die Polizei höre auf, den Bürger zu bevormunden und zu quälen. Das Vereinsrecht, ein frisches Gemeindeleben, das Recht des Volkes sich zu versammeln und zu reden, das Recht des Einzelnen sich zu ernähren, sich zu bewegen und auf dem Boden des deutschen Vaterlandes frei zu verkehren, seien infüro ungestört.

Art. 7: Wir verlangen Vertretung des Volkes beim Deutschen Bunde. Dem Deutschen werde ein Vaterland und eine Stimme in dessen Angelegenheiten. Gerechtigkeit und Freiheit im Innern, eine Feste Stellung dem Auslande gegenüber gebühren uns als Nation.

Art. 8: Wir Verlangen eine volksthümliche Wehrverfassung. Der waffengeübte und bewaffnete Bürger kann allein den Staat schützen. Man gebe dem Volke Waffen und nehme von ihm die unerschwingliche Last, welche die stehenden Heere ihm auferlegen.

Art. 9: Wir verlangen eine gerechte Besteuerung. Jeder trage zu den Lasten des Staates nach Kräften bei. An die Stelle der bisherigen Besteuerung trete eine progressive Einkommenssteuer.

Art.10: Wir verlangen, daß die Bildung durch Unterricht Allen gleich zugänglich werde. Die Mittel dazu hat die Gesamtheit in gerechter Vertheilung aufzubringen.

Art. 11:Wir verlangen Ausgleich des Mißverhältnisses zwischen Arbeit und Kapital. Die Gesellschaft ist schuldig die Arbeit zu heben und zu schützen.

Art. 12: Wir verlangen Gesetze, welche freier Bürger würdig sind und deren Anwendung durch Geschwornen-Gerichte. Der Bürger werde von dem Bürger gerichtet. Die Gerechtigkeitspflege sei Sache des Volkes.

Art. 13: Wir verlangen eine volksthümliche Staatsverwaltung. Das frische Leben eines Volkes bedarf freier Organe. Nicht aus der Schreibstube lassen sich seine Kräfte regeln und bestimmen. An die Stelle der Vielregierung der Beamten trete die Selbstregierung des Volkes.

Art. 14: Wir verlangen Abschaffung aller Vorrechte. Jedem sei die Achtung freier Mitbürger einziger Vorzug und Lohn. Wir protestieren hiemit feierlichst gegen alle ohne Beirath und Zustimmung des gesamten Volkes gefaßten Beschlüsse und fordern alle Einwohner Bambergs auf, bei der im Rathaussaale stattfindenden Wahl für ein neues Comite der Volksversammlungen sich möglichst zahlreich zu betheiligen.[1]

Im Juni 1848 wurden in Bayern neue Gesetze erlassen: Die Grundherrschaft mit ihren Abgaben verschwand, die adligen Gerichtsrechte ebenso, die Rechtsprechung, das Wahlrecht, das Jagdrecht wurden neu geregelt. Damit aber war es für den König und seine Minister auch genug. Im Sommer versuchten sie, die Revolution zu unterdrücken. Heinkelmann drohte die Verhaftung, er floh im August 1848 in die Schweiz.

1849 übernahm er den Vorsitz des Volksvereins in Bamberg. Vor allem trug dieser Verein die Verfassungskampagne.

Nach mühsamen Debatten hatte die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche am 27. Dezember 1848 die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und am 28. März 1849 eine deutsche Reichsverfassung verabschiedet.

Ich schäme mich als Chinese heute über die 14 Bamberger Artikel zu schreiben. Erst 160 Jahre später haben wir die Charta 08 (零八宪章) veröffentlicht. Die Charta 08 ist ein von mehr als 5000 chinesischen Intellektuellen und Bürgerrechtsaktivisten unterzeichnetes Manifest, das zu politischen Reformen und Demokratisierung in der Volksrepublik China aufruft.

Als Unterzeichner der Charta 08 setzen wir uns ein für:

  • Eine neue Verfassung
  • Gewaltenteilung
  • Eine demokratische Gesetzgebung
  • Eine unabhängige Justiz
  • Die Kontrolle der Beamten durch die Öffentlichkeit
  • Die Gewährleistung der Menschenrechte
  • Regelmäßige Wahlen der Regierungsbeamten
  • Die Gleichheit von Stadt und Land
  • Die Freiheit, Vereinigungen zu bilden
  • Versammlungsfreiheit
  • Meinungsfreiheit
  • Religionsfreiheit
  • Die Einführung eines staatsbürgerlichen Unterrichts
  • Den Schutz des Privateigentums
  • Eine Finanz- und Steuerreform
  • Die Einführung einer Sozialversicherung
  • Den Umweltschutz
  • Eine föderative Republik
  • Eine Wahrheitskommission.

Der bekannte Dissident Liu Xiaobo wurde im Dezember 2009 aufgrund seiner Unterschrift für die Menschenrechte zu 11 Jahren Haft verurteilt uns sitzt noch im Gefängnis.


Quellen:

[1] Geschichte Bambergs :Die 14 Bamberger Artikel vom 4. März 1848 http://www.skalle66.de/artikel.htm

 

Ein Gedanke zu „Heinrich Heinkelmann in Bamberg

  1. Nach dem Scheitern der Paulskirchenverfassung von 1849 hat es bis zur ersten demokratischen Verfassung in Bayern noch 70 Jahre gedauert. Es musste auch noch viel Blut fließen in zahllosen Kriegen, in Kolonialkriegen, unter anderem in Deutsch-Südwest und im Boxeraufstand in China, in dem Weltkrieg 1914 – 1918 und in der Münchner Räterepublik 1919, bis im August 1919 die „Bamberger Verfassung“ für den Freistaat Bayern verabschiedet wurde. Schließlich hat es dann noch einmal 27 Jahre gedauert und es ist noch viel mehr Blut geflossen, bis endlich 1946 die im Wesentlichen noch heute gültige demokratische Verfassung des Freistaates Bayern vom Bayerischen Volke angenommen wurde. Übrigens hat 1949 der Freistaat Bayern dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland nicht zugestimmt!
    Möge den Menschen Chinas ein ähnliches Schicksal espart bleiben. Mögen sie
    auf friedlichem Weg zu einer freiheitlichen und demokratischen Staatsordnung
    unter der Herrschaft des Rechts gelangen.

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