Deichkind liken Bamberg am Arsch

Ein wildes Spektakel: Die Hip Hop-Elektropunker Deichkind haben die Brose Arena in Bamberg gerockt.

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Deichkind. Foto: groart.de.

Deichkind. Foto: groart.de.

Bamberg Außerirdische. Fremde Wesen von einem noch viel fremderen Planeten stehen, hüpfen, tanzen und singen auf der Bühne, um den Menschen die einzig entscheidende Nachricht zu übermitteln: Nehmt euch selbst nicht allzu ernst! Denn wenn die Hamburger Hip Hop-Elektropunker von Deichkind das Zepter im Konzertsaal übernehmen, erkennt selbst der letzte Musikmuffel, dass Niveau keine Hautcreme sein muss. „Niveau, weshalb, warum“ auch?

Mit den Liedern des gleichnamigen Albums waren Deichkind am 2. Februar in Bamberg zu Gast und luden die Domstädter zu einem bunten und schrillen „Kindergeburtstag für Erwachsene“ ein. So beschreibt die Band selbst ihr Live-Konzept. Die 2700 Fans folgten der Einladung in die Brose-Arena gerne und waren von Beginn an ausgelassen dabei, als die Dreieckshut-Formation den Gig mit dem Hit „So ’ne Musik“ eröffnete. Mehr als zwei intensive Stunden lang entführten die Hamburger die Franken in ihre Welt. Neue Songs wie „Like mich am Arsch“, „Porzellan und Elefanten“ und „Selber machen lassen“ vermischten die Spaßmacher mit Evergreens wie dem Party-Evergreens „Remmidemmi“ und „Bon Voyage“.

Beeindruckender als ihre teils tiefsinnigen und manchmal auf den ersten Ton sinnfrei anmutenden Texte war das Spektakel, welches die Jungs um Philipp Grütering (Sänger, MC), Sebastian „Porky“ Dürre (MC), Ferris MC und Show-Schöpfer La Perla (DJ Phono) präsentierten. Egal, ob Schlauchbootfahrt auf den Händen der Fans, Ferris’ Gang mit dem Seuchenschutzanzug durch die Reihen oder das gigantische Fass, mit dem die Deichkinder durch die Crowd rollten: Alles ist eine Spur bunter als bei anderen, alles einen Tick knalliger, ein bisschen verrückter. 50 Leute haben die Hamburger pro Gig dabei, ihre Requisiten füllen sieben große Trucks – wie ein großer Zirkus ziehen sie von Stadt zu Stadt.

Doch Deichkind kann mehr als nur blinkende Hüte tragend den Leuten „Bück dich hoch“ zu raten und in Müllbeutel eingewickelte Hintern mit prollig wirkenden Liedern zum Wackeln zu bringen. Tolles Statement: Im und auf dem großen Fass stehend trugen sie weiße Overalls (nur eins von unzähligen Outfits), die bedruckt sind mit dem Slogan „Refugees welcome“. Gleichzeit fordern sie fahnenschwenkend „No racism, no sexism“. Wichtige Aussagen in einer Zeit, in der viele Menschen wieder in alte, undemokratische Muster zu verfallen scheinen.

Deichkind. Foto: groart.de.

Deichkind. Foto: groart.de.

In Bamberg war übrigens Bergfest – nach der Halbzeit der 2016er-Tour freuen sich die Deichkinder schon auf weitere Gigs. „Die Bamberger waren ein gutes Publikum“, sagt die Band am Tag darauf am Telefon. Obwohl es das kleinste Konzert der Tour war, sei die Stimmung gut gewesen. Lange ausruhen ist aber nicht, die Tour geht unvermindert weiter. Schon am 3. Februar sind sie in Stuttgart zu sehen, danach in Basel, München und so weiter, im Sommer stehen noch sieben Festivals an. Viel zu tun, aber das macht nichts, der Spaß am Spielen ist den Jungs ja anzumerken. Und: „Niveau, weshalb, warum“ eigentlich auch nicht?

Zitate von Fans:

Sascha H. aus Sonneberg: „Das Konzert war überraschend gut. Ich bin mit schlechter Laune hergefahren und gehe nun mit guter Laune wieder heim.“

Annika S. aus Lichtenfels: „Ich war nüchtern und das Konzert war trotzdem geil!“

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