Heilige Pforte im Bamberger Dom eröffnet

Erzbischof Schick ruft zu Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit auf, den Unschuldswahn abzulegen

Öffnung der Heiligen Pforte. Foto: Hendrik Steffens / Pressestelle Erzbistum Bamberg

Öffnung der Heiligen Pforte. Foto: Hendrik Steffens / Pressestelle Erzbistum Bamberg

Erzbischof Ludwig Schick hat das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit auch im Erzbistum Bamberg begonnen. Dazu öffnete der Erzbischof am Samstag durch das Klopfen mit dem Bischofsstab an die Marienpforte des Bamberger Doms, die seit Jahrhunderten auch Gnadenpforte genannt wird, die Heilige Pforte.

„Dieser Ritus hat nur Sinn, wenn wir uns selbst persönlich für die Barmherzigkeit öffnen“, sagte der Erzbischof und rief dazu auf, den Unschuldswahn abzulegen. „Wir dürfen spüren, dass wir der Barmherzigkeit Gottes bedürfen.“ Die Barmherzigkeit Gottes schenke Kraft zum Leben und vergebe die Sünden. „Der Barmherzigkeit Gottes öffnen wir unsere Pforten, wenn wir unsere Fehler und Schwächen eingestehen und um Vergebung bitten“, predigte er in einer Pontifikalvesper. Dies geschehe in der Beichte sowie in jedem Schuldbekenntnis in der heiligen Messe. „Lasst uns die Freude der Barmherzigkeit Gottes spüren“.

Weiter rief er dazu auf, sich gegenseitig um Verzeihung zu bitten und zu versöhnen. „Barmherzigkeit ist gefordert im Umgang mit denen, die an uns schuldig geworden sind. Gönnen wir uns einander die Freude der Barmherzigkeit, die unser Leben freier und menschlicher macht.“

Jeder sei verpflichtet, in der Gesellschaft die Atmosphäre der Barmherzigkeit zu fördern. In unserer Gesellschaft sei für die Armen, Obdachlosen, Alten und Kranken durch die karitativen Einrichtungen gut gesorgt. Aber eine wohlhabende Gesellschaft sei nicht automatisch eine Wohlfühlgesellschaft, oft sei sogar das Gegenteil der Fall. „Gerade wo die äußerlichen Bedürfnisse der Menschen befriedigt und geregelt sind, mangelt es umso mehr an Wohlwollen, Wohltun und Wohlfühlen“. Der Wohlstand mache kalt und hart. In den Medien, in Internetforen oder Leserbriefen sei sehr viel Respektlosigkeit und Verachtung zu spüren, mahnte Schick und appellierte: „Lasst uns die Barmherzigkeit neu lernen und tun!“

Das außerordentliche Heilige Jahr unter dem Motto „Barmherzig wie der Vater“ (Lk 6,36) wurde zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Vatikanischen Konzils ausgerufen und dauert bis 20. November 2016. Ordentliche Heilige Jahre finden alle 25 Jahre statt, zuletzt im Jahr 2000. Während es in der Vergangenheit immer nur Heilige Pforten im Petersdom, in der Lateranbasilika und den Basiliken Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore in Rom gab, hat der Papst diesmal die Möglichkeit geschaffen, in allen Diözesen weltweit Heilige Pforten einzurichten, die zu Gebet, Buße und Umkehr einladen.

Im Erzbistum Bamberg werden 2016 das Kunigunden- und das Heinrichsfest sowie der Ottotag unter dem Thema des Heiligen Jahres stehen. Höhepunkt wird eine Nacht der Versöhnung in der Fastenzeit 2016 im Dom sein. Geplant sind mehrere Wallfahrten, Besinnungstage und Gesprächsangebote.

Unter der Adresse www.heiligesjahrbarmherzigkeit.de gibt es weitere Informationen sowie bundesweit alle Termine zum Heiligen Jahr.

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