Wissenschaftsprojekt der Universität Bamberg: 3D-Scan des Zahntempels auf Sri Lanka

Christiane Hartleitner und Erich Weiß

Bereits Anfang Oktober vermeldete die Pressestelle der Universität Bamberg: Modernste Technik als Bewahrer von alter Bausubstanz: Mit einem 3D-Scan soll der Zustand der heiligsten buddhistischen Stätte auf Sri Lanka dokumentiert und erhalten werden. Das Auswärtige Amt sagte eine Förderung für das Projekt zu, das an der Professur für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege angesiedelt ist.

Nun möchte Deutschland Radio Kultur über dieses wissenschaftliche Projekt der Universität Bamberg am wichtigsten religiösen Zentrum im Hochland der Insel, dem buddhistischen Tempel in Kandy, berichten. Der Zahntempel birgt die wohl wichtigste Reliquie von Buddha, einen Zahn.

Kandy. Foto: Erich Weiß

Prof. Dr. Rainer Drewello, die wissenschftliche Mitarbeiterin Ruth Tenschert M.A. und Redakteur Thomas Senn. Foto: Erich Weiß

Der Glaube machte aus der religiösen Reliquie gleichzeitig ein politisches Machtinstrument – das ist bis heute so

Zwar ist der Zahntempel als Gebäude nicht erstrangig, doch sein Zweck, die Aufbewahrung und der Schutz des Daladas, des Zahns Buddhas, ist von Bedeutung. Die Verehrung des Zahns beruht auf der Vorstellung, in ihm sei die spirituelle Kraft des Buddha gespeichert. Danach besitzt der Zahn die Fähigkeit, ähnlich wie der Bodhi-Baum bei Buddhas Erleuchtung, als Regenmacher zu wirken. Dieser Glaube machte aus der religiösen Reliquie gleichzeitig ein politisches Machtinstrument. Er ging durch die Hände vieler indischer Könige. Der jeweilige Beschützer des Zahns wurde respektiert, da er religiösen Beistand besaß und sein Land niemals von Dürre heimgesucht werden konnte. In Sri Lanka wurde der Zahn in der jeweiligen Hauptstadt des Landes aufbewahrt. Er war eine Art Legitimation für den singhalesischen Thron. Buddhisten aus aller Welt kommen nach Kandy, um den Zahntempel zu besuchen. Höhepunkt dieser Verehrung ist die jährlich stattfindende Esala Perahera. Bei dieser Prozession wird der Zahn durch die Stadt getragen, um für Regen und damit eine gute Ernte zu bitten.

1988 wurde der Tempelbezirk gemeinsam mit der Altstadt von Kandy zum Weltkulturerbe der UNESCO gekürt. Aufgrund seiner hohen politischen Bedeutung bedarf der Tempel besonderer Aufmerksamkeit in einer von Unruhen geprägten Situation. Der von bundesdeutscher Seite unterstützte 3D-Scan dient neben erstmaliger Lieferung von bisher nicht vorhandenen architektonischen Planungsgrundlagen, dem Kulturschutz und Wissenstransfer – die Architekten und Denkmalpfleger vor Ort erfahren Unterstützung. Völkerverständigung auf wissenschaftlicher Ebene.

Kandy. Foto: Erich Weiß

Universitätsschreibtisch: Außenbezirk des Tempels und sein Inneres. Foto: Erich Weiß

Technologie- und Wissenstransfer von Bamberg nach Kandy

Bereits im April 2014 war der Bamberger Wissenschaftler Max Rahrig in der Tempelanlage aktiv, um eine erste Bestandsaufnahme, Vermessung und 3D-Digitalisierung vorzunehmen. Ein zweiter Besuch erfolgte im September 2014 mit Dr. Rainer Drewello, Professor für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, im Zuge der Beantragung eines gemeinsam geplanten EU-Vorhabens mit dem Postgraduate Institute of Archaeology (PGIAR) der srilankischen Universität Kelaniya in Colombo.

Für die Bamberger Wissenschaftler ist es ein großer Vertrauensbeweis, gemeinsam mit ihren srilankischen Kollegen an einem so bedeutenden Kulturgut arbeiten zu können. Die einheimischen Fachkräfte wiederum werden durch den Technologie- und Wissenstransfer im Rahmen dieses Projekts profitieren. Drewello sagt: „In der Herzkammer des buddhistischen Heiligtums tätig werden dürfen, ist mehr als eine Auszeichnung. Letztlich sollen die singhalesischen Partner befähigt werden, ihr Schicksal im Zerstörungsfall unter Verwendung zeitgemäßer Techniken in die eigenen Hände zu nehmen.“

Kandy. Foto: Erich Weiß

Universitätsrechner: Blick in den Tempel. Foto: Erich Weiß

Bei den ersten Aufenthalten wurde ein Nebengebäude gescannt, in dem sich eine Touristeninformation befindet. Der 3D-Scanner aus Bamberg, den Rahrig benutzt, erinnert optisch ein wenig an Blitzgeräte für Geschwindigkeitskontrollen. Je nach Auflösung dauert eine Scan-Phase, also eine 360-Grad-Drehung des Geräts, bis zu 30 Minuten. „Wir reden hier von einigen Milliarden Punkten, die vermessen wurden. Es sollen ja auch feine Schnitzereien aufgenommen werden, damit man auch sie in der 3D-Dokumentation sehen kann“, erklärt Rahrig.

Die innovative Technologie der Universität Bamberg ist sehr gefragt: Rahrig war unter anderem schon in 3D-Scanprojekte am Bamberger Dom oder in Ägypten involviert. Es gebe aber auch zunehmend Anfragen aus der freien Wirtschaft, etwa zur Kalkulation von Versicherungskosten für Gebäude. Anfang 2014 gründete Max Rahrig das Unternehmen „Format4plus“, das Scan-Vorgänge durchführt. Über einen Teilhaber dieser Firma kam auch der Kontakt zu den Tempelbetreibern in Kandy zustande.

Kandy. Foto: Erich Weiß

Universitätsrechner: Holzkonstruktion der Säulenhalle mit Schnitzerei von 1740. Foto: Erich Weiß

Kandy. Foto: Erich Weiß

Bambusblätter mit den Lehren Buddhas. Foto: Erich Weiß

Die Arbeiten vor Ort verbinden und schaffen Vertrauen. So konnten die Wissenschaftler vor Ort einen Blick in die Bibliothek werfen. Um dort zu erfahren, dass einzig Prof. Dr. Heinrich August Winkler aus Berlin noch die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Schriften mit den 227 Regeln aus den Lehren Buddhas entziffern kann.

Kandy. Foto: Erich Weiß

Bambusblätter mit den Lehren Buddhas. Foto: Erich Weiß

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Ruth Tenschert führt den 3D-Scaner der Universität Bamberg vor. Foto: Erich Weiß

Den jetzigen Zustand festhalten

Um ein dreidimensionales Bild eines Gebäudes erstellen zu können, müssen zunächst Markierungen an verschiedenen Punkten des Gebäudes als Orientierung für den Scanner angebracht werden. Anschließend wird der Scanvorgang an vielen verschiedenen Stellen der Anlage durchgeführt. Der Scanner zeichnet bei einem Scan-Vorgang mehrere Milliarden Punkte auf. Die Vermessung ist dabei bis auf wenige Millimeter genau. Nach fünfwöchiger Auswertung der Daten, bei der auch Bamberger Studierende und Absolventinnen und Absolventen der Denkmalpflege involviert waren, konnte im vergangenen Jahr ein dreidimensionales Bild des Nebengebäudes erstellt werden. Im nächsten Schritt soll ab November 2015 der Kernbereich der Tempelanlage mit Bundesmitteln gescannt werden. Die Scan- und Auswertephase vor Ort wird etwa vier Wochen dauern, die Auswertung der Daten soll bis Juni 2016 abgeschlossen sein. Anschließend wird die Tempelkommission über eine Gesamtdokumentation des Tempels befinden. Derzeit sind Prof. Rainer Drewello und sein Team gemeinsam mit dem Präsidenten der Universität Bamberg, Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert, in Kandy vor Ort.

„Die 3D-Erfassung ist zur Präsentation für Touristen interessant, etwa als ein virtueller Rundgang durch den Tempel“, sagt Rahrig. Aber zunächst gehe es vor allem um eine Bestandserfassung. „Deshalb ist ein Ziel unseres Projektes, den Ist-Zustand festzuhalten. Im schlimmsten Fall könnten dann Bruchstücke des Gebäudes nach einem Anschlag virtuell wieder zusammengesetzt und der architektonische Rahmen rekonstruiert werden“, erklärt Rahrig.

Dieses Forschungsprojekt mit innovativer Technik sollte ein Baustein für das von städtischer Seite anvisierte „Digitale Gründerzentrum“ sein.

 

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