Ermordung fränkischer Psychiatriepatienten in Pirna-Sonnenstein vor 75 Jahren

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Ansicht der Gedenkstätte, 2013. Foto: Jürgen Lösel

Ansicht der Gedenkstätte, 2013. Foto: Jürgen Lösel

Im Oktober 1939 unterzeichnete Adolf Hitler einen Erlass, der die Ermordung der sogenannten „unheilbar Kranken“ legitimieren sollte. Gemeint waren Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen. Bereits im folgenden Jahr hatten im Deutschen Reich mehrere mit Gaskammern versehene nationalsozialistische Tötungsanstalten ihre „Arbeit“, den industrialisierten Massenmord an den Schwächsten der Gesellschaft, aufgenommen. Eine davon bestand von Juni 1940 bis August 1941 in der Ende 1939 aufgelösten Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein.

Die Mordaktion griff auf immer mehr Regionen über, seit dem Herbst 1940 traf es auch Franken. Am 2. Oktober 1940 trafen Busse in der Heil und Pflegeanstalt Lohr ein, die 125 Frauen und Männer in die sächsische Landesanstalt Großschweidnitz brachten. In den folgenden Tagen kamen auf diese Weise über 400 Patienten der fränkischen Anstalten Lohr und Werneck nach Sachsen. Mindestens 225 von ihnen wurden kurz darauf in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet. In den folgenden Monaten wurden auch Patienten der Anstalten Bayreuth und Kutzenberg sowie Patienten aus mehreren kleinen Behinderteneinrichtungen in Pirna ermordet.

Blick in die ehemalige Gaskammer der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Foto: Jürgen Lösel

Blick in die ehemalige Gaskammer der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Foto: Jürgen Lösel

Seit dem Jahr 2000 erinnert am authentischen Ort die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, als Teil der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, auch an die Opfer der Krankenmorde aus Franken. 749 Namen von fränkischen Opfern sind auf Namenstafeln im Gedenkbereich angebracht. So soll den Menschen, die in der Gaskammer einen grausamen Tod starben und deren wahres Schicksal von den Nationalsozialisten verschleiert wurde, ein Teil ihrer Würde zurückgegeben werden.

Noch immer sind einzelne Namen unbekannt und Schicksale ungeklärt, denn viele zeitgenössische Unterlagen wurden noch vor Kriegsende gezielt vernichtet oder sind später verloren gegangen. Daher ist die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein für alle Informationen dankbar, mit denen Angehörige, Interessierte oder Institutionen zur Klärung der offenen Fragen beitragen können.

Die Gedenkstätte ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr und samstags von 11 bis 17 Uhr kostenfrei zu besichtigen. Samstag um 14:30 Uhr wird zusätzlich eine kostenlose öffentliche Führung angeboten.

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