Künstler der Lebenshilfe gestalten nun auch Möbel

Redaktion

zweiwas_TürenLeicht, nahezu schwebend gleiten die Türen der Schrankwand. Sie wiegen nicht schwer, schließlich sind sie aus Leinwand. Ihre motivische und farbige Gestaltung dürfte zukünftig interessierte Blicke auf sich ziehen. Und Anlass für ein Gespräch – ein Gespräch über Kunst und über Behinderte. Denn die ästhetisch überaus gelungene, zum ambitionierten Farbkonzept des gesamten Geschäfts passende Gestaltung der Schrankwände übernahmen Barbara Held und Timur Manapow von der Lebenshilfe Bamberg. Konzeptionell galten einige Vorgaben und doch formten die beiden Kunsttalente mit der ihnen eigenen Kreativität mittels Rolltechnik und Ritzungen Grundsätzliches und setzten Akzente. Akzente passend zum Ambiente.

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Barbara Held und Timur Manapow, im Spiegel: Susanne Seggelke, Michael Knobel und Martin Pscherer. Foto: Christiane Hartleitner

Hören und sehen – diesen beiden Sinnen hat sich der Optiker und Hörakustiker Martin Pscherer beruflich verschrieben. Sein neues Geschäft zweiwas in der Gaustadter Hauptstraße wird nicht nur den modernsten Erfordernissen für Optik und Hörgeräteakustik gerecht, sondern Pscherer hatte mit seiner Innenarchitektin Susanne Seggelke von Anfang an die Bedürfnisse Behinderter im Blick. Barrierefreiheit gehört selbstverständlich zum Konzept, darüber hinaus ist die Beratung für Gehörlose in Gebärdesprache Standard sowie die Möglichkeit eines professionellen Sehtestes in 3D für Rollstuhlfahrer, da der Monitor der Refraktionseinheit an einer frei im Raum stehenden, schwenkbaren Stütze platziert ist. Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, dürfte sich zweiwas zu einer vortrefflichen Adresse etablieren.

zweiwas_Raum+Schrankzweiwas bietet derzeit noch mehr: Martin Pscherer gibt den beiden Künstlern, Barbara Held und Timur Manapow, der „Inklusiven Kulturwerkstatt“ der Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Bamberg die Möglichkeit, mit weiteren Werken Einblick in ihr Oeuvre zu geben. Während sich Barbara Held ihrem Thema „Bücher“ mittels Roll- und Spritztechnik widmet, verleiht Timur Manapow seinen komplexen, mehrschichtigen Acrylbildern mit seinem Faible für Ritzungen eine Tiefenwirkung von beachtlicher Qualität. Autonom nebeneinander und doch harmonisch im Nebeneinander reihen sich Schiffe, Frachter, U-Boote, Schoner und Ausflugsdampfer lustvoll zu einer „Regatta“: das in voller Fahrt aufgetakelte Segelschiff neben einer Reminiszenz der Titanic, die am Meeresgrund ein Eigenleben führt, begleitet von kreischenden Möwen, blubberndem Meeresgetier und ausgesetzten Matrosen. Beide Künstler sind nun in dieser kleinen Ausstellung nach über drei Jahren erneut zu sehen, bereits 2012 bei der Ausstellung BIG BAM BOOM im Historischen Museum fanden ihre Werke große Wertschätzung. Man möchte mehr.

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