ARD-Mediathek: „Der Sohn des Nazis“ – über den Bamberger Bernd Wollschläger

Redaktion

Ein Tipp aus der ARD-Mediathek über den 1958 in Bamberg geborenen Bernd Wollschlaeger. Für den Jungen ist die Welt zunächst noch in Ordnung. Allenfalls die Besuche der Kriegskameraden seines Vaters, bei denen die „gute alte Zeit“ beschworen wird, kommen ihm merkwürdig vor. Als er in der Schule dann zum ersten Mal vom Holocaust hört, beginnt er endgültig, Fragen zu stellen.

http://www.ardmediathek.de/tv/Gott-und-die-Welt/Der-Sohn-des-Nazis/Das-Erste/Video?documentId=28063226&bcastId=2833732

 

Ein Gedanke zu „ARD-Mediathek: „Der Sohn des Nazis“ – über den Bamberger Bernd Wollschläger

  1. Von dem auf Phoenix am 21.07.2019 gesendeten Film bin ich sehr beeindruckt.
    Verwundert und enttäuscht war ich lediglich von der „Erklärung“, die Herr Wollschlaeger über die Entstehung des Antisemitismus vor den Schülern abgab: Weil sie (die Juden) so lebten wie sie nun mal lebten. Das erscheint mir als unerlaubt oberflächlich. Aber wie war es wirklich?

    Die Rechtsradikalen (Nazis) verabscheuten die Juden wegen ihrer internationalen Verflechtungen sowie aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche jüdische Intellektuelle Vordenker des Kommunismus waren. Zugleich befürchteten sie ein bevölkerungspolitisches Überhandnehmen des Judentums in Deutschland und in Europa.
    Davon zu unterscheiden ist das gleichgültige Verhalten oder gar die positive Einstellung der Deutschen zur Verfolgung ihrer jüdischen Mitbürger. Seitdem
    etwa Mitte des 19. Jh. die rechtliche Gleichstellung der Juden hergestellt und vor allem auch alle jahrhundertealten beruflichen Fesseln gefallen waren, erbrachten Juden auf fast allen Gebieten des bürgerlichen Lebens Höchstleistungen und überrundeten ihre „altdeutschen“ Konkurrenten (zu vgl. die Warenhauskönige, führende Verleger, Bankiers, Wissenschaftler, Ärzte, Juristen, Künstler). Das weckte auf Seiten der nichtjüdischen Deutschen Neid und Mißgunst, und sie rückten, nachdem die Juden „entfernt“ oder geflohen waren, gern in deren berufliche Positionen, in ihre Geschäfte und in ihre Wohnungen ein. Dass die nichtjüdischen Bürger in großer Zahl vom Ausmaß der Verfolgung, insbesondere der Vernichtung in den KZ, wussten und sie diese Maßnahmen positiv billigten, scheint nicht belegt. Man war aber jedenfalls zufrieden mit der Tatsache, dass die lästige, häufig wohlhabende jüdische Konkurrenz nicht mehr da war, und gönnte ihnen wohl auch so etwas wie eine „Abreibung“. Durch rückkehrende Frontsoldaten und durch deren Briefe sprachen sich die Zustände in den Ghettos und in den KZ dann aber doch im Lauf der Zeit herum. Da war das Schlimmste aber wohl schon geschehen. Ein etwa von den Kirchen organisierter Aufschrei aller anständigen Deutschen hätte sicher noch einiges Positive bewirken und viele Menschenleben retten können. Aber gerade die Kirchen waren noch in alten Vorstellungen von den Juden als „Christusmörder“ verhaftet und sahen keinen Anlass, sich übermäßig für die jüdischen Mitbürger zu engagieren. Hitler war durchaus zu beeindrucken, wenn sich in größeren Teilen der Bevölkerung Unruhe über Maßnahmen der Nazis regte.

    Dies alles in wenige, für Jugendliche verständliche Sätze zu fassen, ist sicher nicht einfach, sollte aber bei entsprechenden Anlässen versucht werden.

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