Maria Magdalena: Schutzheilige der Gärtner wegen eines Irrtums?

Mitteilung aus dem Gärtner- und Häckermuseum
Das „Massdeäbild“ der Bamberger Gärtnerzunft, getragen vom Oberen Gärtnerverein während der Fronleichnamsprozession 2014. Foto: H. Habel.

Das „Massdeäbild“ der Bamberger Gärtnerzunft, getragen vom Oberen Gärtnerverein während der Fronleichnamsprozession 2014. Foto: H. Habel.

Das „Massdeäbild“ der Bamberger Gärtner kennt jeder der die Fronleichnamsprozession schon gesehen hat: Christus steht gleich einem Gärtner mit den Spaten auf der Trage und links neben ihm kniet Maria Magdalena, kaum zu sehen im prächtigen Blumenschmuck.

Dieses inzwischen 310 Jahre alte „Bild“, wie die Gärtner sagen, stammt aus der Frühzeit der 1693 gegründeten Bamberger Gärtnerzunft. Und dass sie den gärtnerischen Gottessohn gewissermaßen als ihren göttlichen „Schirmherrn“ verehrt haben, wie viele annehmen, erscheint auch logisch. Selbst vielen Bamberger Besucher des Gärtner- und Häckermuseums, die auch die Prozessions-„Bilder“ der Gärtnerheiligen sehen, stutzen jedoch, wenn sie hören, dass es Maria Magdalena ist, der das „Massdeäbild“ der Zunft gewidmet ist. Sie, nicht Christus, ist die Schutzheilige. Nicht nur in Bamberg, sondern europaweit seit dem Mittelalter.

Das hängt zum einen mit der Tradition der Handwerke zusammen, dass man den „passenden“ Heiligen hat und je enger dieser mit Gott verbunden war, desto wirksamer war seine Fürsprache bei Gott: Darum tragen etwa die Fischer logischerweise Petrus, den Fischer, als Prozessionsbild an Fronleichnam.

Bei Magdalena ist es etwas verzwickter und geht auf ihren Irrtum am Ostermorgen im Garten an Christi Grab zurück: Im Johannesevangelium ist die Geschichte beschrieben (Joh. 20, 11-18): Sie wollte am Ostermorgen den Gekreuzigten salben, fand aber das Grab geöffnet und leer vor. Weinend traf sie später im Garten einen Mann, den sie für den Gärtner hielt und verdächtigte, Christus weggetragen zu haben. Erst als er sie aufrüttelnd beim Namen rief, erkannte sie ihn und nannte ihn „Meister“. Sie war die Erste, die den Auferstandenen gesehen hat. Und wegen dieser Gärtner-Begegnung mit Christus wurde sie europaweit als Schutzheilige dieses Berufsstandes gewählt, eben auch in Bamberg.

In der Zunftordnung von 1693 ist daher auch von der Prozesion am Magdalenenfest die Rede, am 22. Juli, nicht aber von Fronleichnam. Deshalb war auch Magdalena der wichtigste Tag im Gärtnerjahr und noch nicht Fronleichnam. Dieser Wechsel trat wohl erst im 19. Jahrhundert ein.

Passend, aber wohl ohne darauf geachtet zu haben, feiern die Gärtner seit über 20 Jahren am Sonntag nach Magdalena ihr inzwischen traditionelles Fest in der Mittelstraße. 2012 fand es genau am Patronatstag der Heiligen statt, heuer fünf Tage später am 27. Juli ab 14 Uhr. Und wie jedes Jahr können die Festbesucher neben dem Genuß von Rettich- und anderen Brotzeiten, Bier, Wein sowie der Musik von Manni und seinen Rebellen auch das „Massdeäbild“ im Gärtner- und Häckermuseum besuchen, wo Maria Magdalena auch neben dem heiligen Sebastian steht. – Aber wie der zu den Gärtnern kam, das ist eine ganz andere Geschichte.

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