Lüpertz: „Die wollen mich wohl verscheißern“

Redaktion

St. Elisabeth, Herzstück und Ursprung der Sandkirchweih und auch der Gemeinde um Pfarrer Hans Lyer, war heute Ort eines Zusammentreffens des renommierten Künstlers Lüpertz und des Bamberger Finanzreferenten und Immobilien- und Stiftungsmanagers Bertram Felix. Wir waren leider nicht vor Ort, denn die Stadt Bamberg stellt ihre Einladungen zu wirklich interessanten Terminen nur Ausgewählten aus.

Der Ortstermin war gut vorbereitet: Die Idee, moderne, farbige Glasfenster von eben jenem bekannten Künstler gestalten zu lassen, der auch schon die Skulptur „Apoll“ am äußeren Chorbereich platziert hatte, lässt auf engagierte Kunstinteressierte und  -kenner schließen. Vor wenigen Wochen kontaktierte man den Oberbürgermeister, der in Anwesenheit von B. Felix den Engagierten, wozu auch die IG Sand gehört, versicherte, dass man die farbigen Kirchenfenster installieren dürfe, wenn man die Finanzierung, etwa 200.000 €, aus Eigenmitteln stemmen könne. Nach Rücksprache mit Teilnehmern des heutigen Termins ist die Situation eskaliert, nachdem B. Felix ausdauernd monologisiert habe und zu dem Schluss gekommen war, dass man lediglich auf der platzabgewandten Seite – Richtung Gefängnis – farbige Fenster einbauen dürfe, ansonsten nur Weißglas.

Markus Lüpertz, 72 Jahre, extra aus Berlin angereist, wollte eigens für St. Elisabeth moderne Glasmalerei entwerfen, exakt auf den Platz und den Kirchenraum abgestimmt, auch weil die Initiatoren mit solch großem Interesse das Projekt verfolgten. Im kirchlichen Auftrag entwarf Lüpertz bereits mehrere Glasfenster. 1989 bis 1990 schuf er Fenster für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte in Nevers. 2007 wurden sieben Glasfenster für den Makkabäerchor im südlichen Querhaus der Kölner Dominikanerkirche St. Andreas vollendet, 2010 fünf Fenster im gegenüberliegenden nördlichen Marienchor fertiggestellt.

Einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart verließ den Bamberger Elisabethen-Platz ob der Ignoranz von B. Felix, der ohne Begleitung weder des Kulturreferenten Werner Hipelius oder des Oberbürgermeisters Andreas Starke den Termin bestritt, mit den Worten: „Die wollen mich wohl verscheißern“.

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Der hl. Bertram

13 Gedanken zu „Lüpertz: „Die wollen mich wohl verscheißern“

  1. Diese häßliche Figur ist schon schlimm genug und gehört eigentlich ins Altmetall. Gut, daß dieser – sogenannte – Künstler aus Berlin nicht die Gelegenheit wahrnehmen konnte, noch mehr optischen Flurschaden an einem Baudenkmal zu hinterlassen. Moderne Kunst gehört nicht in den Bereich der Altstadt!

  2. Es gibt nur einen Weg aus dem Kulturdesaster: Bambergs Kulturpolitik bedarf der Trennung von Bürgermeisteramt und Kulturreferent, effizienterer Strukturen in der Kulturverwaltung, dezentraler Ressourcenverwaltung und einer weit stärkeren Professionalisierung des Kulturreferentenamtes.

  3. Nach meinem Geschmack sind die mir bekannten Arbeiten Herrn Lüpertz‘ nun wirklich nicht. Aber das ist nun einmal Geschmackssache.

    Einen bekannten Künstler indes so abblitzen zu lassen, wie es unserem Stadtkämmerer beliebte, gibt Bamberg geradezu der Lächerlichkeit preis. Die Stadt tut ohnehin schon einiges, was an ihren Köpfen zweifeln läßt. Aber muß man es derart auf die Spitze treiben?

  4. Ihr habts immer noch nicht verstanden: die machen nicht Politik, die spielen Politik! Bamberg ist eine DAUER-DOKU-SOAP!
    Gutes Drehbuch an dieser Stelle: jetzt haben wir einen Cliffhanger. Künstler ist abgereist, Stadt-Finanz-und-Immobilien-und-alles-Manager steht blöd da, Bürger versuchen Situation zu retten, es ist viel Geld im Spiel, aber man weiß noch nicht, wessen Geld es sein wird. Nicht schlecht für diese Folge.
    Die politisch verantwortlichen haben sich vornehm zurückgehalten und lassen sich bisher nicht blicken. Vielleicht haben die ja einen Auftritt in der nächsten Folge.

  5. Herr Felix als aktuelle Speerspitze dieser unsäglichen Bamberger Bürokratie, die Problemnähe immer simuliert, sie in Wirklichkeit aber nur höchst selten praktiziert, ist in diesen Dingen hoffnungslos überfordert. Da müssen sich auch andere an der Nase fassen. Wo ist bei so einem Termin eigentlich der Kulturreferent? Die Auffassung, künstlerisch gestaltete farbige Fenster seinen nur zum Gefängnis und nicht zum Pkatz hin zulässig, ist geradezu hirnrissig. Lüpertz soll sich freuen, aus Schilda ohne Lach- oder Weinkrampf wieder heraus gekommen zu sein.

  6. Na, dann kommt halt der Gasprom-Schröder wieder nach Bamberg und OB Starke und seine Adlaten werden ganz brav alle Forderungen von Lüpertz erfüllen!

  7. Na, da hat die Pressestelle wieder ordentlich zu tun, um das kaputte image der Stadt zu reparieren. Das kommt davon, wenn man solche Entscheidungen Leuten überlässt, die davon nichts verstehen. Aber in ihrer Selbstherrlichkeit die Stadt und ihren öffentlichen Raum mit ihrem Wohnzimmer verwechseln. Und was hört man vom Kesselhaus? Gleiches Entscheidungspersonal (der Felix), gleicher Bürokratenmist (der Felix). Es gibt immer Kulturleute, die auch was von Geld verstehen. Aber selten Finanzleute, die was von Kunst verstehen.

  8. Sorry, ich finde man kann nicht jedem wichtigtuerischen Künstler nachgeben. Wenn die nicht bekommen was sie wollen, ziehen die mimosenhaft gleich wieder ab. Eine Reise nach Bamberg rentiert sich eigentlich immer auch wenn man seine Kunst nicht an den Mann bringt.- Nicht jede Kunst gefällt jedem. Manche/r erträgt sie halt dann wenn sie nun mal da ist. (zBApoll) Da fragt dann auch niemand danach.
    Und Kunst ist nicht das Wichtigste. Erst die elmentaren Dinge. Dann die Kunst. (Wobei ich mich schon freue, wenn das Kesselhaus als Bamberger Kunstheimat erhalten bleibt. Ich würde mir sogar einen Kulturtreff mit Cafe usw dort wünschen und die Möglichkeit Künstler aktiv dort arbeiten sehen….)

  9. Kesselhaus vor dem Aus! Farce um Wang Shugang! Jetzt Eklat um Lüpertz! Und das in nur vier Wochen. Die Bamberger Verwaltungs-Kunst-und-Kultur-Dilettamten sollten endlich das Feld räumen und es den Profis überlassen. Beschämende Amateurhaftigkeit!

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