Hinterm Horizont geht’s weiter, oder – Wo blaue Vögel singen. Ein Blick in das Great American Songbook.

Over the rainbow

Somewhere over the rainbow, way up high
There’s a land that I heard of once in a lullaby
Somewhere over the rainbow, skies are blue
And the dreams that you dare to dream really do come true

Someday I’ll wish upon a star,
And wake up where the clouds are far behind me
Where troubles melt like lemon drops,
Away above the chimney tops
That’s where you’ll find me

Somewhere over the rainbow, blue birds fly
Birds fly over the rainbow,
why then oh why can’t I?

Somewhere over the rainbow, blue birds fly
Birds fly over the rainbow,
why then oh why can’t I?
If happy little bluebirds fly, beyond the rainbow,
Why oh why can’t I?

Edgar Yipsel Harburg

Von Chrysostomos

Es ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen, und das gilt gleichermaßen für den Roman, für dessen Adaption als Musical, für die Musicalverfilmung, für den gewiß bekanntesten Song daraus. Eine Erfolgsgeschichte – das beweisen Adaptionen für die unterschiedlichsten Medien vom Fernsehen bis hin zum Comic und Videospiel, das zeigen Liedfassungen von Frank Sinatra und Perry Como, von Sarah Vaughn und Ella Fitzgerald, Barbara Streisand und Eva Cassidy, von Keith Jarrett, Chet Baker, Jeff Beck, Bob Marley, von Mireille Mathieu und der gebürtigen Nürnbergerin Marusha, von Eric Clapton und Melody Gardot, to name but a few – die bis heute andauert. Aber der Reihe nach.

Lyman Frank Baums Kinderbuchklassiker The Wonderful Wizard of Oz erschien erstmals (mit farbigen Illustrationen von William Wallace Denslow, die von japanischen Holzschnitten und vom Jugendstil beeinflußt waren) Mitte Mai 1900, in Chicago; die erste deutsche Übersetzung, von Ursula von Wiese, erschien 1940 in Zürich. Der Zauberer von Oz ist inzwischen in mehr als zwei Dutzend Sprachen übertragen worden, darunter Tamil und Suaheli, und den Amerikanern ist der Wizard so vertraut wie unsereins das Rotkäppchen.

Zu einer ersten Bearbeitung kam es bereits 1902, als Baum aus seinem Klassiker ein Musical machte (die Musik stammte von Paul Tietjens). Die Premiere erfolgte in Chicago, 1903 ging es an den Broadway, wo es innerhalb von zwei Jahren zu knapp dreihundert Aufführungen kam. Eine auf diesem Musical fußende Adaption für den Stummfilm entstand 1910. Die bislang letzte Verfilmung ist noch frisch. Oz the Great and Powerful (Regie: Sam Raimi) hatte am Valentinstag dieses Jahres in Hollywood Premiere, in Deutschland läuft Die fantastische Welt von Oz seit Anfang März.

Die sicherlich populärste Verfilmung des Kinderbuches stammt aus dem Jahre 1939. Regie führte Victor Fleming, der in jenem Jahr mit Vom Winde verweht einen weiteren Riesenerfolg feiern konnte. In der Hauptrolle ist Judy Garland (1922 bis 1969) als Dorothy Gale zu erleben, Frank Morgan spielt den Zauberer von Oz. Harold Arlen komponierte die Musik zu dem Film-Musical. Als Anti-Thatcher-Song hat „Ding-Dong! The Witch Is Dead“, eine weitere Nummer aus dem Streifen, soeben nach dem Tod der ehemaligen Premierministerin die britischen Charts erobert.

„Over the Rainbow“, die in schlichtem C-Dur gehaltene Ballade, führt in den USA die Rangliste der „Songs of the Century“ an und wurde zur Erkennungsmelodie Judy Garlands. Bereits wenige Tage nach der (Farb-)Filmpremiere im August 1939 existierten vier Versionen, die es allesamt in die Hitparaden schafften, darunter die von Glenn Miller mit dem Sänger Ray Eberle, die es auf Platz 1 brachte. Bald avancierte der Song zu einem Jazzstandard, den Louis Armstrong, Art Tatum, das Modern Jazz Quartet und viele andere aufnahmen.

Auf die Übersetzung des leicht verständlichen Liedes verzichten wir. Es sei aber noch darauf hingewiesen, daß es sich bei den „happy little bluebirds“, die da jenseits des Regenbogens fliegen, um Exemplare des Blaukehl-Hüttensängers handelt, der zu der Familie der Drosseln gehört.

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