Trendsportart Tischfußball

Jérôme Grad

Kickertisch. Foto: Jérôme Grad

Es ist Freitagabend, 20 Uhr. Von außen etwas unscheinbar wirkend, erblickt man durch ein Glasfenster drei Kickertische. Es ist die Hausnummer 7 des Steinwegs in Bamberg. Etliche Pokale verzieren die Vitrine. Im hinteren Zimmer steht ein vierter Kicker. Es ist das „Vereinsheim“ des Tischfußballclubs Bamberg, dem Tischfußballclub Bambergs.

Hier läuft gerade die Landesliga Bayern-Nord Begegnung zwischen dem TFC Bamberg und der Spielkiste Kronach. Insgesamt gute zwei Stunden messen sich die Männer in der höchsten bayerischen Spielklasse.

Josefine vom TFC Bamberg. Foto: Jérôme Grad

Mitten im Getümmel – Josefine Heber. Die 25-jährige Lehramtsstudentin ist aktuelle Weltmeisterin im Tischfußball. 2012 gewann sie mit der deutschen Nationalmannschaft in Nantes (Frankreich) die Teamwertung. Zudem ist sie zweifache deutsche Meisterin und mehrfache bayerische Meisterin.

Zum Kickern kam sie über ihren Mann Christian. Dieser ist langjähriger Tischfußballer. Bereits 2006 wurde er von diesem Sport infiziert – damals noch mit seinem älteren Bruder in Kneipen und Spielotheken. Doch er machte schnell Fortschritte und suchte neue Herausforderungen. Er fuhr zu überregionalen Turnieren, bestritt bundesweit Wettkämpfe, wurde bayerischer Meister. Noch heute fahren beide zu Turnieren in ganz Deutschland.

2009 gründeten sie dann den TFC Bamberg. Das Ziel war in erster Linie der Aufbau und die Etablierung einer Bamberger Kickerszene. 16 aktive Mitglieder gehören aktuell diesem Verein an. Für Josefine Heber deutlich zu wenig. „Ziel ist es, dauerhaft eine zweite Mannschaft aufzubauen“ [Eine Mannschaft besteht aus 6 Personen]

Aber auch das Image soll vom reinen Kneipenvergnügen zu einer anerkannten, professionell geführten Sportart gewandelt werden. Allerdings wird Tischfußball aktuell noch nicht vom Deutschen Olympischen Sportbund offiziell als Sportart anerkannt.

TFC Bamberg gewinnt mit 25:11

Am Freitagabend werden 36 Punkte ausgespielt, wie bei jeder offiziellen Begegnung. 18 Einzelpartien mit je einem Punkt und neun Doppelpartien mit je zwei Punkten. Bei ersterem wird bis fünf Tore gespielt, beim Doppel gewinnt das Duo, das zuerst sieben Tore erzielt.

Kurz nach zehn Uhr ist die Partie zwischen Bamberg und Kronach entschieden. Nach schweißtreibenden und zum Teil sehr spannenden Einzelspielen gewinnen die Bamberger letztlich deutlich mit 25:11. Josefine und Christian gewinnen all ihre Partien. Für das Ziel Ligaverbleib in der höchste bayerische Spielklasse drei wichtige Punkte.

Das unschlagbare Doppel Josefine und Christian vom TFC Bamberg. Foto: Jérôme Grad

Deutliche Unterschiede zwischen Kneipe und Sport

Doch mit dem Freizeitvergnügen in der Kneipe hat das Geschehen am Steinweg 7 nicht sonderlich viel zu tun. Gemeinsamkeiten sind die elf Spieler und der Ball, der ins Eckige befördert werden muss. Genauso wie beim großen Fußballspiel. Ansonsten ist das Spiel jedoch statischer und dynamischer zugleich. „In der Kneipe wird auf Reaktion gespielt. Da versucht man, den Ball zu halten“, sagt Christian. „Bei uns kann man das nicht mehr“. Stimmt! Denn während der Ball in den eigenen Reihen gehalten wird, um sich den Gegner zurechtzulegen, ist der Torschuss selbst, der meist nur mit dem mittleren Stürmer vollzogen wird, kaum noch ersichtlich. Bis zu 60 km/h werden bei den Torversuchen erreicht.

Jeder Ballkontakt ist kontrolliert. Alles ist, ähnlich beim Schach, von Taktik geprägt. „Wichtig ist es, sich in den Gegner hineinversetzen zu können“, so Christian. „man muss immer den nächsten Schritt antizipieren können“.

Der größte Unterschied zur Kneipenbetätigung ist jedoch das umfassende Regelwerk. So ist das sogenannte Kurbeln oder Trillern, also das mehrmalige Drehen der Puppen, nicht erlaubt und wird als Foul gewertet. Auch Reden ist strikt untersagt während der Ball im Spiel ist. Volle Konzentration – das zeigt auch die professionelleren Ambitionen des immer beliebter werdenden Trendsports.

Eine der 9 Doppelbegegnungen am Abend; links TFC Spieler. Foto: Jérôme Grad

Da passt es auch ins Bild, dass sich ein Kronacher Spieler beschwerte, dass der Tisch nicht eben wäre. Ob dies nun der Realität entsprach oder lediglich der Frust über den Spielverlauf war (er verlor das Spiel mit 2:5), es zeigt die geforderte und vorgelebte Professionalität im Vergleich zur Kneipe.

„Offenes Kickern“ immer montags und donnerstags

Für alle Interessierten hat Josefine Heber auch einen, vielleicht den entscheidenden Tipp auf dem Weg zur Tischfußballspielerkarriere: Üben, üben, üben. „Manchmal trainieren wir 100-mal den gleichen Schuss, damit er einmal so kommt, wie gewünscht.“ Einer dieser Schüsse ist der Pushkick. Dieser auch für Anfänger geeignete Schusstechnik wird der Ball vom Mittelstürmer zum Außenstürmer und wieder zurück gekickt und anschließend geschossen. Durch die Bewegung und das schnelle Zurückschieben entstehen oft Lücken in der Abwehr, wodurch der Torschuss oft erfolgreich ist.

Wer wissen möchte, wie ein Pin-shot oder ein Jet funktioniert, oder einfach mal mit Freunden eine Runde kickern möchte, der ist jeden Montag und Donnerstag ab 20 Uhr am Steinweg 7 zum „Offenen Kickern“ eingeladen.

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