Am Tag, als der Regen kam. Ein Blick zurück ins Wirtschaftswunderschlagerland der späten fünfziger Jahre. Auch, via „Lola“ und Rainer Werner Fassbinder, nach Coburg.

Am Tag, als der Regen kam

Am Tag, als der Regen kam, lang ersehnt, heiß erfleht,
auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder.
Am Tag, als der Regen kam, lang ersehnt, heiß erfleht,
da erblühten die Bäume, da erwachten die Träume,
da kamst du.

Ich war allein im fremden Land,
die Sonne hatt’ die Erde verbrannt,
überall nur Leid und Einsamkeit,
und du, ja du, so weit, so weit.
Doch eines Tags von Süden her,
da zogen Wolken über das Meer,
und als endlich dann der Regen rann,
fing auch für mich das Leben an,
jajaja, jajaja, ja!

Am Tag, als der Regen kam, lang ersehnt, heiß erfleht,
auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder
Am Tag, als der Regen kam, weit und breit, wundersam,
als die Glocken erklangen, als von Liebe sie sangen,
da kamst du, da kamst du.

Ernst Bader

Von Chrysostomos

So schön, schön war die Zeit. Oder etwa nicht? Zumindest in den Fünfzigern. 1987, anfangs Mai, als Dalida, die Schöne, die ehemals Gefeierte, mit Schlaftabletten ihrem Leben ein Ende setzte, sah das anders aus. Von August bis Oktober 1959 aber stand „Am Tag, als der Regen kam“ zehn Wochen lang an der Spitze der Hitparade (Bill Ramseys „Souvenirs“ sollten folgen; vorausgegangen war „Die Gitarre und das Meer“). Gemeinsam mit Yves Montand („C‘est si bon“, „Neige sur la ville“, „Les feuilles mortes“, „La Mer“) wurde Dalida 1958 mit dem Music Hall Bravo ausgezeichnet und als Sängerin des Jahres gefeiert.

„Am Tag, als der Regen kam“ ist auch ein Kriminalfilm unter der Regie von Gerd Oswald von 1959. Zu sehen sind darin unter anderem Elke Sommer, Mario Adorf und Gert Fröbe. Das Titellied wurde weitaus bekannter als der Film selbst, gesungen eben von Dalida. Außerdem hat es das Orchester Martin Böttcher instrumental eingespielt.

Mario Adorf wirkt auch mit, an der Seite von Barbara Sukowa und Armin Mueller-Stahl, im zweiten Teil von Rainer Werner Fassbinders Wirtschaftswunder-Trilogie, „Lola“ (1981). Sukowa als Titelheldin („Das beste Weib, das die Stadt zu vergeben hat.“) singt darin Dalidas Hit. Und wer es mit Frankreich, mit Paris nicht so hat, der darf gen Italien reisen, denn Lola-Barbara singt auch „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“. „Lola“ spielt im übrigen im Coburg der späten Fünfziger Jahre.

Die Originalversion, „Le jour où la pluie viendra“, stammt von Pierre Delanoë, der auch für Édith Piaf textete, für Michel Polnareff und Nana Mouskouri; vertont und gesungen hat sie 1957 Gilbert Bécaud. Hier noch das Chanson im Original, an das sich die deutsche Übersetzung so gut wie gar nicht hält:

Le jour où la pluie viendra

Le jour où la pluie viendra
Nous serons toi et moi
Les plus riches du monde
Les plus riches du monde
Les arbres pleurant de joie
Offriront dans leurs bras
Les plus beaux fruits du monde
Les plus beaux fruits du monde
Ce jour-là

La triste, triste terre rouge
Qui craque, craque à l’infini
Les branches nues que rien ne bouge
Se gorgeront de pluie, de pluie
Et le blé roulera par vagues
Au fond de greniers endormis
Et je t’enroule-roule-rais de bagues
Et de colliers jolis, jolis

Le jour où la pluie viendra
Nous serons toi et moi
Les fiancés du monde
Les plus riches du monde
Les arbres pleurant de joie
Offriront dans leurs bras
Les plus beaux fruits du monde
Les plus beaux fruits du monde
Ce jour-là
Ce jour-là.

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