Schön ist es, auf der Welt zu sein. Karl Krolow spaziert im Licht und besingt den gelungenen Tag.

Schöner Tag

Der Tag sieht aus,
als ließe sich heute
weiterkommen.
Man schluckt ein Trinkei,
schnappt Luft.
Geradeaus geht man
auf eine Wolke zu.
Die Spieldose summt im Kopf.
Das läßt sich hören.
Spazieren im Licht
macht Spaß.
Mit angewinkelten Armen
hat man seinen Auftritt
vor einer Wiese
mit schönen Blumen.
Schon gestern war
so ein schöner Tag.

Karl Krolow

Von Chrysostomos

Bob Beamon war noch nicht seine auf Jahre hinaus nicht übertroffenen 8,90 Meter weit gesprungen, der Mond war zwar schon voll, immer wieder, nie aber noch betreten worden, Strammer Max und Trinkei fanden sich noch in deutschen Küchen, an den Universitäten herrschte die Ruhe vor dem baldigen Sturm, Louis „Satchmo“ Armstrong hatte noch nicht „What a wonderful world“ gesungen und trompetet, Karl Krolow aber, anno 1967, einen, vielmehr sogar zwei schöne Tage, und in Folge dazu, besungen.

Krolow? Der 1915, also nicht ganz drei Dekaden nach Kurt Schwitters wie dieser in Hannover an der Leine geborene Karl Krolow lebte nach dem Studium in Breslau und Göttingen von 1956 an, in dem Jahr also, als er den Georg-Büchner-Preis erhielt, in Darmstadt, einer an literarischem Leben nun wahrlich nicht armen Stadt, einem Leben, das Darmstadt eben auch Krolow verdankt. So war er einige Jahre lang Präsident der dort ansässigen Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (heute ist das der Göttinger Germanist, Skandinavist, Dylan-Kenner und Lyriker Heinrich Detering). In Darmstadt sollte Krolow dann 1999 versterben.

Loerke und Lehmann sind Krolows frühe Vorbilder, neben den Spaniern und den Franzosen der Moderne, die er auch herausgegeben (Spanische Literatur des XX. Jahrhunderts, 1962) und ins Deutsche übertragen hat, beispielsweise Guillaume Apollinaire und Paul Verlaine. In Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel fühlte er sich zuhause. Neben einer Vielzahl von Gedichtbänden hat Krolow im Alter auch Prosa vorgelegt. Daß er Mitglied der NSDAP gewesen ist, war kein schöner Zug. Wirklich nicht.

NB: Weitere Wolken-Dichter sind und waren, neben Krolow, etwa Hans Magnus Enzensberger und Gerard Manley Hopkins (1844 bis 1889). Hopkins haben Peter Waterhouse, Dorothea Grünzweig, Ursula Clemen und der in hohem Alter 2011 in der bayerischen Kapitale verstorbene Friedhelm Kemp ins Deutsche gebracht.

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