Blumen, des Bösen. Werner Dürrson schreibt über Charles Baudelaire, den Victor Hugo zu einer seltenen Ehrung beglückwünscht hatte.

Les Fleurs du mal

Sie haben soeben –
schrieb Victor Hugo an
Baudelaire, den die

Sechste Pariser Strafkammer
unter Beschlagnahme seines
Gedichtbands
verurteilt hatte

– Sie haben soeben eine
der seltnen Ehrungen
erfahren, die

dieses Regime
zu vergeben hat.

Werner Dürrson

Von Chrysostomos

Die Blumen des Bösen zählen ganz ohne jeden Zweifel zu den großen Lyrikbänden des 19. Jahrhunderts. Sie sind ein früher Wegbereiter der Moderne, sie machten Geschichte. Von 1840 an hatte Charles Baudelaire daran gearbeitet; einige Gedichte waren in Feuilletons erschienen, die kompletten Les Fleurs du Mal dann 1857; eine um knapp drei Dutzend Poeme erweiterte Zweitauflage kam 1861 heraus, in der sechs aufgrund „obszöner und unmoralischer Passagen“ beanstandete Gedichte gestrichen waren, die sich allerdings in der postumen Ausgabe von 1868 wieder finden sollten.

Es gab kritische Stimmen, aber Größen wie Flaubert („Sie habe eine Weise gefunden, die Romantik aufzufrischen.“) und Hugo („Ihre FleursduMal leuchten und funkeln Sternen gleich.“) gratulierten Baudelaire, dem Dichter, Dandy, Essayisten, Kunstkritiker und einem der ersten französischen Übersetzer der Stories von Edgar Allen Poe. Die Themen der Blumen, Eros und Thanatos, Korruption, Melancholie, gleichgeschlechtliche Liebe führten doch zum Skandal, Baudelaire und sein Verleger wurden 1857 wegen Beleidigung der öffentlichen Moral angeklagt.

Werner Dürrson (1932 bis 2008) hat dies zum Anlaß genommen für sein Gedicht. Dürrson, aus Schwenningen gebürtig, hatte zunächst in Trossingen Musik studiert. Ein Stipendium der Firma Hohner machte ihm das möglich, denn Dürrson feierte als Meister auf der Mundharmonika international Erfolge, etwa bei der Weltmeisterschaft 1954 in Straßbourg, wo er eine Bearbeitung von Bachs a-moll-Violinkonzert spielte.

Es folgte ein Studium der Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaft in Tübingen und München. Dürrson war Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks, lehrte von 1962 bis 1968 an der Université de Poitiers. Mit Hermann Hesse, dem er sein erstes Buch widmete, war er befreundet, auch mit Max Ernst und René Char; mit Erich Heckel, mit Klaus Staeck und HAP Grieshaber arbeitete er zusammen. Dürrsons Gedichte sind, wie seine Übersetzungen von Yvan Goll, Arthur Rimbaud, Henri Michaux, ein Geschenk. Sie liegen, neben funkelnden Essays, in einer mehrbändigen Werkausgabe des Baden-Badener Elster Verlages vor. Dürrsons einziger Roman, im Untertitel eine „romaneske Biographie“ geheißen, erschien ein Jahr vor dem Tod des Autors auf Schloß Neufra bei Riedlingen, im Oberschwäbischen, unter dem schönen Titel Lohmann oder Die Kunst, sich das Leben zu nehmen im feinen Tübinger Hause Klöpfer & Meyer.

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