„Der Raubzug der Banken“

Isabell Frank

Das Thema mit dem sich der Autor Malte Heynen in seinem neuen Buch beschäftigt ist interessierten Bürgern und Zeitungsleser nicht neu. Die Banker sind dabei alles, was sich die Bürger in Europa und der westlichen Welt im letzten Jahrhundert erarbeiten haben, zu zerstören. Malte Heynen gibt in seinem Buch „Der Raubzug der Banken“ einen Überblick über die bisherigen Geschehnisse. Heynen erklärt das Bankensystem, die Konstruktionsfehler des Systems, die Geschehnisse hinter den Kulissen, wer die Gewinner und Verlierer des Systems sind und wo die Welt zurzeit steht. Der Autor weist darauf hin, was getan werden müsste. Außerdem spielt er verschiedene Szenarien durch, welche Möglichkeiten die Sparer haben, um ihre Ersparnisse zu schützen. Abschließend zieht er Lehren aus der Krise.

Man kann sagen, das Anfang vom Ende wurde mit dem Way-of-Life „Konsumiere heute – zahle morgen“ eingeleitet. Dieses Schuldenkarussell steht in enger Verbindung zu den Bonuszahlungen, beide steigen im gleichen Tempo. Je mehr Schulden, desto höher fallen die Boni der Wall-Street-Banker aus. Ein absurdes, möglicherweise perverses, Anreizsystem verführte die Banker so zu handeln, wie Sie es in den letzten Jahren getan haben und leider immer noch tun. Das Handeln der Banker wurde nicht reglementiert. Die Gier der Banker ist grenzenlos und sie halten sich für unantastbar. Vielleicht liegt dies auch an den schizophaten Führungspersönlichkeiten, die es in den letzten Jahren bis an die Spitze des Systems geschafft haben.

Heynen porträtiert einige Gestalten dieses Systems wie Joe Cassano. Er leitete in London eine Abteilung des Versicherungskonzerns AIG (American International Group), verzockte sich und stürzte das Unternehmen somit ins Verderben. Cassano stammt aus einfachen Verhältnissen, wogegen nichts einzuwenden ist, doch er hielt sich anscheinend für unfehlbar und duldete keinen Widerspruch. Und es kam, wie es kommen musste, Cassano und sein Team haben im Alleingang den Konzern an die Wand gefahren.

In diesem Zusammenhang ist die Diskussion in unserer Leistungsgesellschaft über die Leistungsträger sehr aufschlussreich. Das Beispiel von Cassano zeigt, dass nicht Leistung, sondern Versagen honoriert wird. Er führte den Konzern auf den Weg des Absturzes und erhielt dafür ein fürstliches Gehalt. Für diese herausragende Leistung wurde er nach seinem Ausscheiden aus dem Konzern zudem mit einem Beratervertrag für 1 Mio. Dollar im Monat belohnt.

Wie gesagt, das Buch gibt einen guten Überblick über die Mechanismen, Anreize und das System, aber eben auch unterhaltsame Geschichten, also eine Realität die unsere Fantasie nur schwer greift. Aber es scheint wahr zu sein, dass Banker gierig sind und den Begriff Leistung neu definieren. Eine Angestellte im Supermarkt wird wegen eines Euros verklagt und die Banker bedienen sich wie selbstverständlich.

Auch in Deutschland gibt es solche Stützen der Gesellschaft. Hier führt Malte Heynen in seinem Buch als Beispiel den ehemaligen IKB-Vorstandsprecher Stefan Ortseifen an. Die Industriekreditbank aus Düsseldorf ließ sich u.a. von Goldman Sachs und der Deutschen Bank toxische Kredite andrehen und wurde somit zum Endlager eben jener. Ortseifen erhielt für diese Leistung natürlich ein vorzügliches Entgelt und bewohnte zudem eine Villa auf Kosten der Bank, auch nach seinem Ausscheiden. Hier trifft auch wieder der Spruch zu, wer nimmt, dem wird gegeben.

Für alle die es genauer wissen wollen, gilt es das Buch „Raubzug der Banken“ von Malte Heynen zu lesen.

Der Anfang dieses Ende wurde ebenfalls im letzten Jahrhundert eingeläutet. Maggie Thatcher entfesselte die Banken der City. „Niemand ahnte damals, dass dieser „Urknall“ und seine Nachläufer 30 Jahre später die Banken der Welt in Trümmern legen würden.“ Diese Deregulierungsstrategie der Iron Lady folgte Ronald Reagan in den USA sowie u.a. alle deutschen Bundeskanzler seit Helmut Kohl.

Heynen, Malte
Der Raubzug der Banken
Von einem, der auszog, seine Ersparnisse zu retten, und entdeckte, was wirklich mit unserem Geld passiert
ISBN: 978-3-89667-487-6, Hardcover, gebunden, 368 S., 20,6 x 13,5 cm
Verlag Karl Blessing
16,95 Euro

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