Was die Hochstapelei eines niedersächsischen CDUlers mit dem Bamberger Bahnausbau zu tun hat

Christiane Hartleitner

Güterzug bei der Einfahrt in den Bahnhof. Foto: Erich Weiß

Zugegeben sind in diesem Fall auf dem Weg von Niedersachsen nach Bamberg einige Umwege zu bestreiten, doch wer sich mit auf die Reise begibt, dem seien erkenntnisreiche Ausblicke ein Trost all der Mühsal.

Beginn der Deutschland-Reise in Niedersachsen

Packen wir also unser Ränzchen und beginnen unsere Deutschland-Reise in Niedersachsen, genauer zwischen Sarstedt und Bad Salzdetfurth, dem Wahlkreis 22. Offensichtlich ein Wahlkreis, der wie gehabt der CDU auch in 2013 ein Direkt-Ticket in den Landtag liefern sollte. Bis der Kandidat, der 34-Jährige Jens Heinemann, es ordentlich versemmelte: erst schmiss ihn seine Chefin – er arbeitete in einem Reisebüro – in hohem Bogen raus (HAZ). Sie meinte, er solle einfach nur das tun, wofür sie ihn bezahle, nämlich Reisen buchen. Und nicht über sein eigenes mobiles Reisebüro und somit auf eigene Rechnung. Heinemann erzählte seinen Parteifreunden, dass er selbst gekündigt habe, um „sich bis zur Landtagswahl ganz der Partei und dem Wahlkampf widmen zu können“. Die Presse stellte richtig und wühlte die Gemüter auf. Unhaltbar als Direktkandidat war Heinemann, als man erfuhr, dass er gar keinen Fachhochschulabschluss habe, wie er doch immer behauptet habe … Naja, ersparen wir dem jungen Mann und uns noch mehr Details. Das Ende vom Lied war, dass die CDU keinen neuen mehr benennen konnte (die Frist war abgelaufen!) und Heinemann das Mandat nicht annehmen würde.

Und so geht eins ins andere: Machen wir einen Abstecher nach Berlin

Das Mandat war futsch. Ansonsten hätte die FDP das Ausgleichsmandat erhalten und somit wäre Rot-Grün in Hannover nicht mit der Regierungsbildung beschäftigt. Nun sind sie es aber. Dies wird Auswirkungen bis nach Berlin haben. Also machen wir uns auf in die Stadt, wo es einen wirklich schönen City-Beach gab, wo man des Nächtens mit einem Bio-Cocktail im Liegestuhl an der Spree sitzend, die Füsse in den Sand grabend die S-Bahn beobachten konnte, wie sie ihre Lichter ins Wasser wirft. Richtung Westen, im Berliner Regierungsviertel wird sich die Zusammensetzung des Bundesrats ändern, Rot-Grün wird Initiativen einreichen, die ihrer Profilbildung dienen.

… und einen großen Sprung nach Baden-Württemberg

Auf dieses Signal haben die Baden-Württemberger nur gewartet. Seit Stuttgart 21 – oben bleiben! haben sich dort zwangsweise Bahn-Nerds und Robin-Wood-Anhänger in Massen vermehrt. Man möge sich doch bitte an das Jobangebot des Bahn-Technik-Vorstands Volker Kefer an den grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer erinnern, als dieser während der Schlichtung einen Glanzauftritt hinlegte und den Bahnern die Bahn erklärte. Eben diese Bahnverbesserer scharren nun mit den Hufen, um den Schienenbonus schneller abzuschaffen und somit für mehr Ruhe im Land zu sorgen – Erklärung zum Schienenbonus finden Sie hier. Die Bahn und damit das Bundesverkehrsministerium sind bekanntermaßen nicht nur in Stuttgart, sondern auch mit der Rheintalbahn in der Diskussion, stoßen auch dort wegen zäher und noch nicht greifbarer Gesetze auf Widerstand. Winfried Herrmann, dortiger Verkehrsminister, will einen entsprechenden Antrag am 1. Februar in Berlin einreichen (Druckausgabe SZ am 24.1.). Nachdem sich dort, wie oben berichtet, die Mehrheitsverhältnisse geändert haben, kann der Antrag eine Mehrheit bekommen. Er wird sich auf Projekte auswirken, die bereits in Planung sind.

Und nun per Bahn nach Bamberg

Womit wir vom Südwesten der Republik wieder ein ganzes Stück nach Nordosten kommen, von einer Landeshauptstadt in eine fränkische Kleinstadt: Bamberg. Wo ebenfalls die Bahn plant. Und mit Planungen über eine Stadt herfällt, deren Weltkulturerbestatus ihr erst nach und nach bewusst wird. Mit dem Erfolg einer Gesetzesänderung bezüglich des Schienenbonus und dessen evtl. zeitnahem Wegfall wird die moderne Lärmschutztechnik erneut interessant für die Planer. Die Belastungen durch Lärm sind längstens bekannt, die Forschungen fortgeschritten, schließlich basteln kluge Ingenieure seit Jahren. Nun geht offensichtlich auch in der Politik etwas voran. Die Planungen für Bamberg können nur besser werden.

Womit an dieser Stelle jedoch der Hochstapelei keine Absolution erteilt werden soll.

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