Happiness is a warm gun? Der Nürnberger Fitzgerald Kusz nimmt die aktuelle Waffendebatte in den USA zum Anlaß, an den Vietnamkrieg zu erinnern. Und kommentiert selbst.

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Fitzgerald Kusz

Von Chrysostomos

Franz Daniel Pastorius (oder, wie er sich in Pennsylvania nannte, Francis Daniel Pastorius), Friedrich Rückert, Max Dauthendey, Hilde Marx, Ludwig Fels, Ingo Cesaro, Nevfel Cumart, Julietta Fix, Nora Gomringer – die Liste der Lyrikerinnen und Lyriker, die aus Franken kamen und noch immer kommen, ist eine lange. Ehe wir ihm selbst das Wort erteilen, wollen wir den im November 1944 in Nürnberg als Rüdiger Kusz geborenen Autor von äußerst erfolgreichen Theaterstücken (Schweig, Bub!, 1976), von Drehbüchern und Gedichten kurz vorstellen, auch wenn das kaum mehr nötig scheint.

Aufgewachsen ist der Sohn einer waschechten Fränkin und eines Berliner Opernsängers in Fürth. An der Friedrich-Alexander-Universität studierte Kusz Anglistik und Germanistik. Die eigentliche Uni aber, sagt er, „war für mich die Studentenbewegung: Basisgruppe Anglistik und Germanistik!“. Um 1966 herum entstanden die ersten Gedichte, hochdeutsche Pop-Poesie zunächst, der von 1970 an solche in Mund-Art, analog zur Pop-Art, folgten. Im Jahr darauf stand das Staatsexamen an, das erste Buch erschien bei Maro (Wunschkonzert). Bis 1982 arbeitete Kusz als Lehrer an einer Nürnberger Schule.

Der bislang letzte Gedichtband von Kusz kam im vergangenen Jahr in Norbert Treuheits ars vivendi verlag in Cadolzburg heraus. Der Titel – Zwedschgä – ist eine Allusion an die „plums“ des (nicht nur) von Kusz bewunderten Dichterarztes William Carlos Williams, die in „This Is Just To Say“ verspeist werden: „Forgive me / they were delicious / so sweet / and so cold“. Apropos amerikanische Literatur: Ohne es zu wissen, vermuten wir, daß Kusz sich seinen Vornamen bei dem Autor von The Great Gatsby (1925) geholt hat. Doch nun soll Fitzgerald himself das Wort haben. Sein Kommentar zu „kinderspiel“:

Dieses Gedicht dürfte etwa um 1970 herum entstanden sein. Es ist eines meiner ersten Dialekt-Gedichte. Vorausgegangen waren hochdeutsche Gedichte, die sich ähnlich wie Erich Frieds „und Vietnam und“ mit diesem schmutzigen Krieg auseinandersetzten. Er sollte dann noch fünf weitere Jahre andauern. Die vielleicht schrecklichste Waffe, die zum Einsatz kam, war Napalm, eine Brandwaffe mit dem Hauptbestandteil Benzin. Ein Feuer, das nicht zu löschen war und schwerste Verbrennungen auf der Haut verursachte. Erst 1980 wurde der Gebrauch von Napalm gegen die Zivilbevölkerung durch eine UN-Konvention verboten. Die USA traten dem Vertrag bis heute nicht bei, obwohl sie vorgaben, ihre Napalm-Vorräte 2001 zerstört zu haben.

Mit anderen Worten: Dieses Gedicht, das wie ein harmloses Kindergedicht daherkommt, ist auch heute noch brand-aktuell. Natürlich wird Napalm jetzt nicht mehr eingesetzt. Inzwischen gibt es viel zielgenauere Bomben und Raketen, die man wie in einem Computerspiel von ferngesteuerten Drohnen ohne Gefahr für Leib und Leben abfeuern kann. Alles fing mit dem Colt in den Cowboy-Filmen an, die wir als Kinder gerne nachspielten: Peng-Peng, du bist tot! Mit Waffen Frieden schaffen? Was wäre die amerikanische Waffenlobby ohne diesen Wildwest-Mythos?

NB: Fitzgerald Kusz liest am morgigen Freitag von 19 Uhr an im Nürnberger DB Museum aus Zwedschgä. Wer nicht ins Museum mag, kann sich den Band für 12,90 Euro bei Collibri in der Austraße zulegen. Oder in anderen guten Buchhandlungen, die es sich noch erlauben, Lyrik zu führen, zu Lyrik zu verführen.

Ein Gedanke zu „Happiness is a warm gun? Der Nürnberger Fitzgerald Kusz nimmt die aktuelle Waffendebatte in den USA zum Anlaß, an den Vietnamkrieg zu erinnern. Und kommentiert selbst.

  1. Bin natürlich nicht in Nürnbergs Nachbarstadt „Fürth“ aufgewachsen, sondern in Forth, jetzt Ortsteil der Marktgemeinde Eckental, Landkreis Erlangen-Höchstadt. Und Fitzgerald kommt von meinem Spitznamen Fitz, den ich 1962 auf dem Gymnasium bekam wegen meiner damaligen Ähnlichkeit mit John Fitzgerald Kennedy.

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