Bamberger Bienen leben dem Bienensterben zum Trotz

Ilona Munique

Bienen auf der Landesgartenschau. Foto: Erich Weiß

„Heuer geht es meinem Bienenvolk am Schiffbauplatz gut – zum Glück, im letzten Jahr habe ich ja beide Völker verloren – und das ist eine wirklich traurige Angelegenheit“. So beschrieb es eine Bamberger Kleinimkerin anlässlich des Zusammentreffens zahlreicher Interessierter im Lichtspielhaus nach dem Doku-Film „More than Honey“ im Oktober 2012. Sie war beileibe nicht die einzige, die mit ansehen musste, wie sich die Natur am Menschen rächt. „Von sechs vormals starken Völkern hoffe ich, dass ich das letzte verbliebene über den Winter bringe“, berichtete ein erfahrener Imker aus Kemmern. Der Mann muss nächstes Jahr praktisch von vorne beginnen. Ein österreichischer Kollege aus den Bergen Montafons verlor 40 Prozent seiner Völker. Sie waren eines Tages spurlos verschwunden, die Brut verlassen, Bienenkadaver nicht zu entdecken. Ein Fall von Bienenvolk-Kollaps (Colony Collapse Disorder – CCD)?

Was löst das mysteriöse und weltweite Bienensterben aus?

Es sind wohl mehrere Faktoren, die zuammenkommen. Eine nennt sich Varroa destructor, eine aus Asien eingeschleppte Milbe. Ihr kann unsere heimische Honigbiene nichts entgegensetzen. Die Varroamilbe deformiert die Brut sowie erwachsene Bienen und schleppt Viren ein, die die Protein-Produktion stören. Die mehrmalige konsequente Behandlung mit organischen Mitteln ist die einzige Antwort, die derzeit die besten Überlebenschancen bietet. Ein zweiter Faktor sind Pestizide. Ob einzelne oder die Wechselwirkung einiger oder die Summe aller Spritzmittel, das ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Offenbar verlieren die Bienen ihr Orientierungsvermögen und finden nicht mehr in den Stock zurück. Man muss dazu wissen: Stellt man eine Beute (also die Wohnung der Bienen) nur wenige Zentimeter um, finden sie bereits nicht mehr in ihr Flugloch zurück. So feinsinnig also ist es um Apis mellifica bestellt, und so grob geht der Mensch mit ihr, dem drittwichtigsten Nutztier nach Rind und Schwein, um. Weitere Faktoren, die im Zusammenhang mit den erstgenannten zu sehen sind, wären Bakterien, Pilzinfektionen und Mangelernährung.

Wie können wir unseren Bienen helfen?

Wer sich für Bienen, Honig und Imkerei interessiert, der kann sich über den kürzlich eingerichteten Weblog von Bienen-leben-in-Bamberg.de informieren. Er bietet für alle eine geistige und kulinarische, vereinsunabhängige Heimat, egal, welchen Alters und welcher Erfahrung. Die Wahlbamberger Reinhold Burger und Ilona Munique sind selbst Imker mit Standorten derzeit in den Buger Wiesen und inmitten der Obstbaumgärten Wildensorgs. Sie möchten auf die fatale Situation des Bienensterbens aufmerksam machen, allerdings auch den Spaß am Imkern und den Genuss eines der naturreinsten und ältesten Lebensmittel der Menschheit, (nein, diesmal ist nicht Bier gemeint), also des Honigs, fördern. Mit Informationen, ihrem „Bamberger Lagenhonig“ und verschiedenen regionalen wie vernetzenden Aktivitäten zeigen sie, dass das alles gleichermaßen möglich ist. Sie wünschen sich viele Bienenpaten. Ganz klar, denn je mehr Völker es gibt, desto besser fällt die heimische Ernte der Bamberger Gärtner aus.

Die nächste Veranstaltung von Bienen-leben-in-Bamberg.de ist der Honig- und Mitmach-Imker-Markt am 15. und 16. Dezember 2012 anlässlich des Alternativen Kunsthandwerker Weihnachtsmarkts im St. Josefsheim (Don Bosco Jugendwerk), Jakobsplatz 15.

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