Die Textweber

Die Textweber. Foto: Judith Aumüller

Judith Aumüller-Kirchschlager

Weber. Weben. Stoff. Kunstvolle Verschlingungen verschiedenartiger Materialien. Vielleicht flauschig, vielleicht robust. Zart manches Mal, durchscheinend. Transparent. Strapazierfähig und schwer zu anderer Gelegenheit. Bunt und leicht zu Sommerzeiten, gedeckt und von dunklerem Ton für die ernsteren und festlicheren und getrageneren Anlässe menschlichen Zusammenkommens. Fäden feingesponnen und Maschen grobgestrickt. Design von einfacher Geradlinigkeit oder augenfällig ausgetüftelt.

Die Textweber von Bamberg weben Geschichten. Ihr Handwerkszeug – Stift und Papier. Ihr Einsatz: sie selber. Ihre Liebe zum Schreiben. Ihre Gedanken, die sich in Worte wandeln und auf Papier fließen. Ihre Phantasie. Ihre Kreativität. Ihre Erfahrungen im Laufe der Jahre. Ihr Witz und auch ihre Trauer. Ihr Leben eben. Was entsteht, sind kunstvoll-verschlungene Strickereien und Webarbeiten der literarischen Art.

Man trifft sich jede Woche. Neueinsteiger sind willkommen. Montag abend um sieben ist im Studio 13 in der Luitpoldstraße das Leben wieder in Ordnung. Ein Thema, eine Arbeitsüberschrift wird vorgegeben. Diese Aufgabe wechselt wöchentlich und wird von dem jeweiligen Verantwortlichen sorgfältig überdacht. Lustig sind die Themen, schwierig, ja kompliziert zuweilen. Offen und weit angelegt an manchen Montagen, eng und begrenzt an den anderen. Jedenfalls immer eine echte Herausforderung. Heute lautet die Überschrift: „Ausgeschlossen“. 30 Minuten Zeit für die Geschichten. Diese Vorgabe bleibt sportlich. Man konzentriert sich auf das blütenweiße Papier, das nach Tinte oder wahlweise Bleistiftschrift giert. Stille. Tiefe Atemzüge. Ein Seufzer hie und da. Nachdenken. Konzentrierte Arbeit. Die Stifte eilen. Der Schreib-Tisch vibiriert. Die Zeit des Schreibens ist zu Ende. Jetzt ist die Zeit des Zuhörens gekommen. Man sitzt in entspannter Runde und genießt den Output des Abends jedes Einzelnen.

Die Geschichten wie auch die Vortragenden – ein bunter Strauß literarischer und charakterlicher Vielfalt. Die Texte sind von bestechend professioneller Unprofessionalität – auf hohem Niveau, wohlgemerkt! Kraftvoll. Zärtlich. Nachdenklich. Kriminalistisch. Zum Totlachen. Ironisch. Traurig. Poetisch auch. Die einen erfunden. Die anderen nicht.

Ihre Schöpfer von nicht minderer Diversität: da ist die rheinisch-blonde Frohnatur, der Teenie mit der ganzen unbefangenen Natürlichkeit der Jugend, einer mit Bassstimme und gesundem Selbstbewusstsein, die große, schlanke mit den dichten halblangen Haaren, ein wenig verlegen kommt sie nach vorn. Der bescheidene, zurückhaltende Typ ist dabei, auch Damen und Herren mit Erfahrung auf öffentlichen Podien. Patent sind sie allesamt. Und recht individuell. So soll es sein.

Der Abend neigt sich. Ein Abschied nur auf kurze Zeit. Vorfreude auf einen weiteren Montag: wer kümmert sich um ein neues Thema? Welches Projekt steht an? Eine nächste, öffentliche Lesung? Bereitet Renate wieder ihre leckeren Windbeutel mit Lachs und Dill? Wein auch vielleicht? Wollen mal sehen. Auf bald!

jeweils montags, 19 Uhr
Studio 13
Luitpoldstr. 40
96049 Bamberg

Nächste öffentliche Lesung: Samstag, 17.11.2012 ab 18 Uhr, „Lichthöfe Bamberg“, Stadtbücherei Bamberg, Obere Königstr. 4

Ein Gedanke zu „Die Textweber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.