Eine Reise in die Wattendorfer Urzeit

(v. l. n. r.): Rudolf Krapp (Bürgermeister Wattendorf), Wilhelm Wenning (Regierungspräsident von Oberfranken und Vorsitzender der Oberfrankenstiftung), Dr. Matthias Mäuser (Naturkunde-Museum Bamberg), Helmut Schorr (Firma Andreas Schorr GmbH & Co. KG), Dr. Günther Denzler (Landrat und Vorsitzender der LAG Region Bamberg e. V.), Christine Dorn-Stöhr (LAG-Managerin)

Wer vor 150 Millionen Jahren nach Wattendorf gekommen wäre, hätte sich sehr gewundert. Statt der Wälder und Wiesen der Jurahöhen zwischen Bamberg und Bayreuth hätte man tropisches Klima und urlaubstaugliche Sandstrände vorgefunden. In dieser Zeit, als Wattendorf noch auf der Höhe der Kanarischen Inseln lag, lebten hier die Meerstiere der Urzeit: Schnecken, Muscheln, Schmelzflossenfische, Quastenflosser, Brückenechsen und viele mehr. Heute begegnen uns diese Lebewesen als Fossilien des Weißen Jura, wie die Wanderausstellung „Fossilien aus Wattendorf – ein Erbe aus der Jurazeit“ noch bis 5. Oktober im Landratsamt Bamberg zeigt.

Die Fossilien müssen sorgfältig aus dem Kalkstein geborgen und präpariert werden, damit wir uns eine Vorstellung der damaligen Tier- und Pflanzenwelt machen können. Nicht nur die Ausgrabung, vor allem auch die Präparation von Fossilien ist teuer und zeitaufwändig, daher ist die Forschung hier auf Fördermittel angewiesen. Um die aktuelle Grabungskampagne im Wattendorfer Steinbruch, bei der als besondere Sensation ein Flugsaurier gefunden wurde – zu finanzieren, haben sich eine Reihe von Zuschussgebern gefunden. In 2000 Stunden haben 15 ehrenamtliche Grabungshelfer in den letzten beiden Jahren auf dem Gelände der Firma Schorr in Wattendorf gebuddelt und gegraben – die gemeinnützige Arbeit der letzten beiden Jahre entspricht übrigens einem Gegenwert von rund 26000 Euro. Um die Funde der letzten Grabungen auch entsprechend präparieren und ausstellen zu können, wurde das Projekt „Sicherung des Naturerbes Wattendorfer Plattenkalke“ ins Leben gerufen, das von der Grabung über Präparation bis hin zur Ausstellung alle Schritte umfasst. Der Projektträger ist das Naturkundemuseum Bamberg, die Gesamtkosten von 110420 Euro werden im Rahmen des EU-Förderprogramms Leader, für das im Landkreis Bamberg die Lokale Aktionsgruppe Region Bamberg e. V. zuständig ist, bezuschusst. Auch die Oberfrankenstiftung, der Landkreis Bamberg, die Gemeinde Wattendorf, die Stiftung Welterbe Bamberg und die Johannes-A. Haberfellner-Steinhauser-Stiftung unterstützen das Projekt finanziell. Die so entstandenen Präparate werden den Grundstock für eine neue Dauerausstellung im Bamberger Naturkunde-Museum bilden. Doch zuerst gibt eine Wanderausstellung einen Überblick über die Entstehung der Wattendorfer Fossilien, deren Umgebung und deren Freilegung. Die Ausstellung wurde jüngst im 1. und 2. Stock des Landratsamtes Bamberg eröffnet und ist dort noch bis zum 5. Oktober zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen.

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