Fernsehtipp: Nora Gomringer: Ein Ausnahmetalent made in Franken

Jung, weiblich, eigenwillig, kreativ und sehr erfolgreich – mit nur 30 Jahren wurde die fränkische Lyrikerin und Performance-Künstlerin Nora Gomringer Leiterin des Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg, mit 31 erhielt sie den wichtigsten deutschen Sprachpreis, ein Jahr später den renommierten Ringelnatz-Preis für ihr dichterisches Werk. Eine Erfolgsgeschichte im Sauseschritt. 

„Mein Gedicht fragt nicht lange“ heißt ihr neuester Lyrikband und das könnte auch das Motto des unerschrockenen Energiebündels mit den dunklen Locken sein. Nora Gomringer fragte nicht lange und nahm die Herausforderung an, die renommierte Kultureinrichtung des bayerischen Freistaats ohne große Erfahrung zu managen. Nebenher dichtet und performt sie als eine der wichtigsten und eigenwilligsten Stimmen der „Spoken-Word“-Szene Deutschlands mit beachtlichem Erfolg weiter. Zudem etablierte Nora Gomringer als Pionierin der deutschen Slam-Szene das viel beachtete Poetry Slam Festival in Bamberg.

Slam, Glam und viel Applaus. Der kulturpolitische Arbeitsalltag ist jedoch oft alles andere als glamourös: Zwölf Stipendiaten aus dem In- und Ausland, die ein Jahr in der Villa Concordia leben, müssen betreut werden. Beinahe täglich gibt es Probleme mit der aufwändigen Instandhaltung der Wohnungen und Ateliers in den denkmalgeschützten Gebäuden. Und im Büro muss Nora Gomringer als Chefin des sechsköpfigen Teams den Überblick bewahren. Daneben organisiert sie noch regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, um den Bambergern die oftmals nicht ganz leicht zu vermittelnden Werke der Künstler näherzubringen. Und nicht zuletzt warten täglich stapelweise Unterschriftsmappen, die die junge Direktorin abarbeiten muss. Nur nachts und auf den vielen Reisen im Zug nimmt sie sich Zeit, um ihre Gedichte zu schreiben. „Ich bin 80 Prozent Direktorin und 20 Prozent Dichterin“, bilanziert Nora Gomringer mit einem Schmunzeln.

Stefanie Baumann hat das Ausnahmetalent, das als Jüngste von acht Geschwistern in Wurlitz bei Hof aufgewachsen ist, ein halbes Jahr lang bei der Arbeit, bei ihren Auftritten, den Reisen und an die Orte ihrer Kindheit begleitet.

Sabine Reeh

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.