Kongressgewerbe: Buchführung ganzheitlich lesen

 Redaktion

Die Konzert- und Kongresshalle hat einen Zuschussbedarf von über 3 Millionen €

Die Stadt Bamberg teilt in einer aktuellen Pressemitteilung mit, dass der Konzert- und Kongressbetrieb 2011 erstmalig einen Gewinn erzielt – fast 15.000 €. Die Bamberg Congress + Event GmbH (BCE) hat im Jahr 2005 mit der Bamberg Congress + Event Service GmbH (BSG) eine Tochtergesellschaft gegründet, die für die Bewirtschaftung der Konzert- und Kongresshalle zuständig ist. Seitdem tummelt sich die Stadt in der Gastronomie. Mit der Übernahme von Hotel, Gaststätte und Biergarten am Volksparkgelände hat sie dieses Engagement im Gaststättengewerbe erweitert.

Manche schauen genauer hin und rechnen nach

Wieder hat der aufmerksame Leser Peter Gack (GAL) sein Gehirn eingeschaltet und zum Taschenrechner gegriffen: Der laufende Betrieb der Halle ist nur die eine Seite. Ein „Gewinn“ ist nur deshalb in dieser Form darstellbar, weil die gesamten Investitionskosten für den Bau der Konzert- und Kongresshalle im Verwaltungshaushalt der Stadt Bamberg ausgewiesen sind. Die Halle verursacht pro Jahr, unter Einrechnung der kalkulatorischen Zinsen und kalkulatorischen Abschreibungen, im Verwaltungshaushalt der Stadt Bamberg ein Defizit von ca. 3 Mio. €. Seine Rechnung für 2011:

Gesamtzuschussbedarf                                       202.466 €
plus Steuerumlage Organschaft Vorjahre         1.140.000 €
plus Gewinnausschüttung (der Stadtwerke)     3.395.600 €
abzüglich Gewerbesteuer                                 – 940.000 €
abzüglich Kapitalertragsteuer                           – 895.600 €
Eigentlicher Zuschussbedarf                      2.902.466 €

Woher kommt der Zuschuss? Von den Stadtwerken!

Der Auszug aus dem aktuellen Verwaltungshaushalt 2011 zeigt im Ergebnis zwar „nur“ einen Zuschussbedarf in Höhe von 202.466 €, aber nur deshalb, weil in dieser Haushaltsstelle die Gewinnabführung der Stadtwerke „verbucht“ werden. Diese wurden in der Planung für das Jahr 2011 mit 3,395 Millionen € angesetzt. Zusätzlich noch die Steuerumlage von 1,140 Mio €. Zieht man 1,835 Mio. € zu zahlende Gewerbe- und Kapitalertragssteuer ab, kommt unterm Strich ein Zuschussbedarf von 2,9 Mio € heraus. Aus betriebswirtschaftlicher Denke müssen zwingend die Abschreibung und die Zinsen für die Investition in die Kalkulation einbezogen werden.
In 2010 war der Zuschuss noch höher, bei über 3,8 Mio. €.
Für 2012 liegt der berechnete Zuschuss bei 3,2 Mio. €.

Zuschussbedarf von 3 Millionen €

Der Zuschuss wurde von der Tochter der Stadt Bamberg geleistet, den Stadtwerken. Jeder Kunde zahlt mit seinem Strom, dem Gas den Busfahrten, dem Badbesuch in diesen Topf. Die gutgestellten Stadtwerke sollten in ihrem eigenen Geschäftsbereich weiterhin verstärkt tätig bleiben können, steht ihnen doch mit der Energiewende eine Riesenaufgabe bevor. Hierfür müssten die Kräfte gebündelt werden. Und nicht in der Unterstützung eines defizitären Kongressgewerbes.

OB will weiteren Ausbau des Kongressgewerbes

Im Wahlkampf war ein erklärtes Ziel von Andreas Starke, Bamberg als Kongressstandort auszubauen: Es ist eine Zukunftsaufgabe, dafür zu sorgen, dass im Umgriff der erfolgreichen und attraktiven Konzert- und Kongresshalle ein neuer und zusätzlicher Tagungssaal mit einer Kapazität von ca. 500 Teilnehmern entsteht. Der Bedarf dafür ist da. Im kommenden Jahr soll ein konkreter Überprüfungsauftrag erteilt werden, wo und unter welchen Bedingungen dieser neue Kongresssaal entstehen kann. Viele Veranstalter entdecken unsere Stadt, so z.B. auch der Bayerische Ärztetag, der 2013 erstmals in Bamberg stattfinden wird. Diesen Trend dürfen wir nicht verschlafen, sondern müssen ihn aktiv gestalten.

Aufgabe der Pressestelle ist die Information der Bürger über die Vorgänge in der Stadtpolitik Bambergs. Dieser Aufgabe wird sie nicht immer umfassend gerecht. Bereits bei der Darstellung der Situation der Kinderkrippenplätze wurde dies deutlich, wir berichteten. Grundsätzlich ist die oben genannte Mitteilung aus dem Rathaus als Signal zu werten, das nach wie vor defizitäre Kongressgewerbe auszubauen. Als Grundstück für einen weiteren Kongressbau ist die Grünfläche vor dem Welcome Hotel in der Mußstraße im Gespräch.

2 Gedanken zu „Kongressgewerbe: Buchführung ganzheitlich lesen

  1. Dass die Stadt Zahlen schön rechnet und falsch informiert, glaube ich sofort. Doch diese Berechnung habe ich auch nicht verstanden. Kann mir das noch einmal jemand erklären?

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