PublicViewing im Weltkulturerbe: mit Sichtachse

Die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums gewinnt in Bamberg immer mehr an Fahrt. Unsere Bilderserie vom nicht öffentlichen PublicViewing am gestrigen Abend macht das deutlich.

König Max I., Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde beim PublicViewing. Sie begrüßen die zahlenden Gäste

Ein breiter Boulevard lädt jenseits der Baustellenzäune zum innerstädtischen Flanieren ein, denn die flexible Mauer zieht sich zurück. Der neue Mauerbau muss nach Rücksprache mit einem Historiker vorgenommen worden sein, denn es ist eine moderne Rekonstruktion der Friedhofsmauer um die ehemalige Alt-St.-Martinskirche: derselbe Verlauf, kleine Zugänge und eine Höhe, die neugierige Blicken verhindern soll, um die Intimität eines Friedhofs zu bewahren.

Doch von Friedhofsstimmung keine Spur. Reges Treiben aus den mächtigen Boxen lockt die Fußball-Fans.

Das ein oder andere Tor verpasst man auch außerhalb der 2-Euro-Zone nicht:

Neugierige Blicke ziehen die Jubelschreie von jenseits der Mauer an: PublicViewer, die etwas sehen, aber nix zahlen wollen.

Werden die Nichtzahler lästig, hat sich der Veranstalter einen Trick einfallen lassen: die Flexi-Leinwand! Wie durch Zauberhand kann die Leinwand nach unten gefahren werden. Fußballfans, die gebannt das Spielgeschehen verfolgen, bekommen das gar nicht mit, wenn der Veranstalter zaubert. Ist das Spiel spannend, werden so Nichtzahler ganz schnell zu Zahlern!

Für die, die draußen stehen, bleibt eine Sichtachse

Der Mauerbau am Maxplatz, der vergangenes Wochenende sogar den Durchgang zum Grünen Markt und zur Hauptwachstraße versperrte, sollte offensichtlich ein Umsonst-PublicViewing verhindern.

Die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums gewinnt in Bamberg immer mehr an Fahrt.

4 Gedanken zu „PublicViewing im Weltkulturerbe: mit Sichtachse

  1. Mitten in unserer Innenstadt brauchen wir keine abgeriegelte Bezahl-Zone!
    Dass man als Bürger dieser Stadt darum kämpfen muss, den Maxplatz, dieses Herz der Stadt für die Bürgerschaft frei zugänglich zu halten, ist ein Armutszeugnis für die politische Kultur der Regierung und Verwaltung von Bamberg.
    Was sagt das über Bamberg? Ist das ungehemmter Machtmißbrauch, weil irgendjemand fälschlicherweise glaubt, der Maxplatz sei sein Besitz und Eigentum? Ist das ein Beweis für engen Filz zwischen Starke, FT und Basketball? (aber dieses Zeichen brauchten wir gar nicht, das wussten wir eh schon) Oder ist das einfach Provinzialität, weil man in dieser Kleinstadt nicht mit bürgerlichem Widerstand rechnet?
    In den großen Städten dieser Republik ist public viewing immer wirklich öffentlich, das Geld wird mit Bratwurst und Bier verdient, und das ist ja auch in Ordnung. Wenn die Bamberger Veranstalter glauben, dass sie eine Sperrzone errichten möchten, sollen sie doch vor die Stadt gehen, da gibt es genug Rasen oder Brachflächen, wo´s keinen stört.

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