EM: Russland verpasst Tschechien eine 4:1-Klatsche

Winnie Wenzel

Nachdem ich meine anfängliche Enttäuschung überwunden hatte, dass die gestrige Traumpaarung Russland-Tschechien nicht auf dem Eis, sondern nur dem grünen Rasen ausgetragen werden sollte, konnte ich doch noch einem recht ansehnlichen Fußballspiel beiwohnen, das in Sachen Langeweile weit hinter dem Eröffnungsspiel der EM zurückblieb. Dass das Spielfeld mitunter munter überbrückt wurde, lag primär am technisch feinen Kombinationsspiel der Russen, sekundär aber auch am freundlichen Mitwirken des Gegners, der die Laufwege nicht zustellte. Eigentlich war das Spiel nach dem 2:0 in der 24. Minute schon entschieden; zu einseitig waren die Kräfteverhältnisse verteilt – einem eingespielten russischen Team standen kaum organisierte Individualisten gegenüber, die weder Ball noch Gegner kontrollieren konnten. Nach dem überraschenden Anschlusstreffer der Tschechen in der 52. Minute (nachdem Jaroslav Plasil mit einem schönen Pass den Neu-Wolfsburger Pilar in eine aussichtsreiche Position gebracht hatte, umspielte dieser Russlands Torhüter Malafejew und schob die Kugel ins leere Tor), keimte kurzzeitig so etwas wie Spannung auf, zumal der Fernsehreporter ständig von einer russischen Altherrenmannschaft sprach, die allmählich ein Päuschen bräuchte. Dieses Seniorenteam erlebte in der Folge dann aber offensichtlich einen zweiten Frühling und deklassierte den Gegner nach Strich und Faden. Genial agierte in der Schlussphase vor allem Einwechselspieler Roman Pawljutschenko; zunächst bediente er Dsagojew mit einem tödlichen Pass, den dieser mit einem strammen Schuss verwertete. Dann schlug er selber zu und markierte den Endstand.

1:0 Dsagojew (15.)
2:0 Schirokow (24.)
2:1 Pilar (52.)
3:1 Dsagojew (79.)
4:1 Pawljutschenko (82.)

Russland spielte mit: Malafejew – Anjukow, A. Beresuzki, Ignaschewitsch, Schirkow – Schirokow, Denissow, Syrjanow – Dsagojew (84. Kokorin), Arschawin – Kerschakow
(73. Pawljutschenko)
Tschechien: P. Cech – Gebre Selassie, Hubnik, Sivok, M. Kadlec – Plasil, Jiracek
(76. Petrzela) – Pilar, Rosicky, Rezek (46. Hübschman) – Baros (86. Lafata)

Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer in Breslau: 42.771
Gelbe Karten: Nix. Weicheier!

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