Basketball-Franken im Glück

Winnie Wenzel

Der Titelverteidiger setzt sich hauchdünn mit 82:84 in Bonn durch, Würzburg haut Alba raus. Bamberg gewann am Ende verdient, aber auch ein wenig glücklich das vierte Match gegen Bonn. Wieder einmal war es ein Spiel der Läufe. Im ersten Viertel verlief die Begegnung nahezu ausgeglichen (19:17), das zweite gewannen die Gäste mit 19:27, die im dritten Viertel dann einen 14:0-Lauf hinlegten und um die 24. Minute herum beim Zwischenstand von 38:58 schon wie der sichere Sieger aussahen. Aber wie so oft in letzter Zeit konnten Tucker & Co. eine solche Führung nicht halten. Die Telekoms kämpften sich, von ihrem Publikum leidenschaftlich unterstützt mit versenkten Dreiern und Dunks wieder heran. Zu Beginn des Schlussabschnitts stand es nur noch 58:65.

Nun ging es ultraeng hin und her.

Zweieinhalb Minuten vor Schluss versenkte Battle einen Dreier zum 74:78, woraufhin Chris Fleming eine taktische Auszeit nahm. Dann aber avancierte Bonns Amerikaner zum tragischen Helden: Nachdem er gerade ein Dreipunktespiel zum 79:81 (39. Minute) abgeschlossen hatte, vertändelte er im nächsten Angriff den Ball und ermöglichte Bamberg so einen erfolgreichen Konter zum 79:83. Nun stand Bonn unter extremem Zeitdruck, bei 9,6 Sekunden Restzeit konnte nur noch ein Wunder helfen. Und danach sah es kurzfristig tatsächlich aus: Benas Veikalas versenkte einen Blitzdreier zum 82:83. Nun mussten die Rheinländer taktisch foulen. Sie schickten Anton Gavel an die Linie, der aber nur mit einem seiner Freiwürfe scorte (82:84). Blieben noch 8,8 Sekunden für einen siegbringenden Dreier oder einen normalen Korb für die dann fällige Verlängerung. Die Baskets spielten den Ball erneut Veikalas zu, dessen letzter Wurf aber gut verteidigt wurde und deshalb zu kurz geriet. Beide Trainer erwiesen einander großen Respekt, Michael Koch gratulierte den Bambergern fair zum Erreichen der letzten Runde. Beste Schützen auf Seiten der Franken waren PJ Tucker (25), Roberts (16), Jacobsen (13) und Pleiß (9, 10 Rebounds), bei den Telekoms sammelten Ensminger und Veikalas je 21 Zähler.

Eine kleine Sensation gelang den S. Oliver Baskets Würzburg gegen Alba Berlin (66:60), wobei die Mainfranken erst in der zweiten Spielhälfte in Fahrt kamen. Bis zum Ende stand das Spiel noch auf der Kippe, doch dann war der Jubel groß. Die Würzburger Fans konnten ihr Glück kaum fassen. Nun geht’s gegen Ulm, das sich bereits in drei Playoff-Begegnungen gegen Braunschweig für das Halbfinale qualifiziert und sich auf diese Weise heute einen gemütlichen Abend verdient hatte.

Allein die Bayern und Artland konnten sich noch nicht dazu überwinden, ihre Serie zu beenden. Offensichtlich hatte man sich während der letzten Begegnungen so ins Herz geschlossen, dass man die Möglichkeiten des Reglements voll auszukosten wild entschlossen ist. Nach einem deutlichen 82:71 der Hausherren im Audi Dome steht nun noch eine fünfte, entscheidende Partie in der Drachenhöhle an (Spielübertragung bei Sport 1 am kommenden Donnerstag). Auch bei dieser Gelegenheit unser kleiner Wunsch an den Sender (nach der Methode ,Steter Tropfen höhlt den Stein’): Die Kameraführung ist immer noch verbesserbar, Zeitlupen bei kritischen Szenen gehören heute zum kleinen 1×1 der Fernseh-Sportberichtserstattung, weniger Geblödel und Banalitäten, dafür taktische Analysen von den Kommentatoren wäre auch nicht schlecht! Hey, fast hätte ich’s vergessen: Gratulation und Glückwünsche den Main hinunter! An das schöne Gefühl, Alba aus einem Wettbewerb zu werfen, kann man sich schnell gewöhnen, oder?

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