Abend in Betzenhausen

Die Nachbarn feiern.
Ein Zelt haben sie aufgestellt im Hinterhof,
jetzt, Anfang September, wo erster Frost schon
in den Bergen letzte Blüten bricht.
Sie sitzen an langen Tischen auf schmalen Bänken
und trinken Bier aus Krügen in Mengen en masse.
Der Bedienung glotzen sie in den Ausschnitt,
ordentlich Holz vor der Tür, da wird’s auch
im kältesten Winter nicht kalt. Gierige Finger
geifern nach Lust, geh’n dem Weib an die Wäsche.
Sie grabschen, sie lachen, sie
prosten sich zu – Oktoberfeststimmung,
jetzt, Anfang September, wo erster Frost schon
in den Bergen letzte Blüten bricht.

Ich aber freue mich an der Sonnenblume.
Ihr Gelb wärmt mein Herz. Sie schaut
über die Schulter, nickt mir aufmunternd zu
und sagt leise Ja.

Einsamkeit suche ich in Worte zu bannen.
Ob es mir heute gelingt?

Jürgen Gräßer

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