Oberfränkische Verkehrsstatistik 2011

OBERFRANKEN / BAYREUTH. „Entgegen der bundes- und bayernweiten Trends, gelang es uns die Anzahl der Verkehrstoten auf Oberfrankens Straßen erneut zu reduzieren. Die Investitionen in unsere bewährte Verkehrssicherheitsarbeit zahlen sich aus. Deshalb freut es mich besonders, dass wir einen deutlichen Rückgang bei den Geschwindigkeitsunfällen feststellen durften, konstatiert Oberfrankens Polizeipräsident Reinhard Kunkel bei der Veröffentlichung der Verkehrsstatistik 2011. „Die Straßen in Oberfranken sind erneut ein deutliches Stück sicherer geworden.“

Weniger Verkehrstote in Oberfranken
Deutlicher Rückgang an Geschwindigkeitsunfällen
Oberfränkische Verkehrssicherheitsarbeit zahlt sich aus

 

Gesamtschau der Verkehrsunfälle

Mit insgesamt 28.050 (2010: 29.739) Verkehrsunfällen im Jahr 2011, registrierte das Polizeipräsidium Oberfranken einen leichten Rückgang der Unfallzahlen auf Oberfrankens Straßen um 5,7 Prozent. Die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Personen liegt oberfrankenweit mit 69 Toten (2010: 71) auf dem zweitniedrigsten Stand seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1953.

Waren es im Jahr 2010 noch 1.040 Schwerverletzte, so sank deren Anzahl im Jahr 2011 auf 1.036 zwar nur leicht, aber damit auf den niedrigsten Wert der letzten 10 Jahren. Mit einer deutlichen Reduzierung, um 5,6 Prozent auf 8.444 (2010: 8.945), heben sich die Verkehrsunfälle mit schwerwiegendem Sachschaden positiv hervor.

Deutliche Reduzierung der Geschwindigkeitsunfälle, dennoch bleibt Geschwindigkeit Hauptunfallursache

Noch stärker als der landesweite Trend, mit einer Reduzierung um 27,7 Prozent, weist Oberfranken einen sehr erfreulichen Rückgang bei den Geschwindigkeitsunfällen um 32 Prozent auf 2.132 Unfälle auf (2010: 3.137). Während bayernweit die Anzahl der Getöteten durch Geschwindigkeitsunfälle um 10,8 Prozent stieg, sank die Zahl in Oberfranken um 16,7 Prozent (von 30 auf 25).

Mit einem Rückgang um 16,3 Prozent sanken die Geschwindigkeitsunfälle mit Personenschaden auf 787 (2010: 940). Wesentlich markanter reduzierten sich die Geschwindigkeitsunfälle mit schwerwiegendem Sachschaden, die um 38,4 Prozent auf 1.123 sanken (2010: 1.823).

Bei den Unfällen mit Getöteten und Schwerverletzten rangiert die Unfallursache Geschwindigkeit, trotz eines Rückgangs um 5,7 Prozent von 264 auf 249 Unfälle, mit weitem Vorsprung auf Platz 1. Weitere Hauptunfallursachen sind eine falsche Straßenbenutzung (180 Unfälle) und das Nichtbeachten des Rechtsfahrgebotes (146 Unfälle).

„Gurtmuffel“ haben schlechte Karten

22 der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen, und somit fast jeder dritte der tödlich verunglückten Autoinsassen, war nicht oder nicht richtig angegurtet (2010: 16).

Die Zahl der nicht angegurteten, schwerverletzten Personen ging dagegen um 4,6 Prozent von 65 auf 62 leicht zurück.

Erstmaliger Anstieg der Alkoholunfälle seit 10 Jahren

Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss ist, erstmals seit zehn Jahren, um 4,3 Prozent auf 463 (2010: 444) angestiegen. Alkohol war bei fünf Getöteten (2010: 10) unfallursächlich. In Verbindung mit Alkoholunfällen wurden 252 Personen verletzt (2010: 256). Fast zwei Drittel der Alkoholunfälle (269) ereigneten sich am Wochenende. 59,8 Prozent der betrunkenen Fahrzeugführer (277 von 463) hatten mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut (2010: 250).

Die Anzahl der Alkoholdelikte sank um neun Prozent auf 1.911 (2010: 2101). Die Anzahl der kontrollierten Personen, die unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln ein Fahrzeug führten, stieg auf 878 (2010: 866) und somit um 1,4 Prozent.

Bilanz der „närrischen Tage“ in Oberfranken

Während der diesjährigen Faschingshochzeit, zwischen Weiberfastnacht, 16. Februar 2012, und dem Aschermittwoch, 22. Februar 2012, verhinderten oberfränkische Polizisten sechs Trunkenheitsfahrten (2011: 7). In 44 Fällen zogen die Beamten alkoholisierte Kraftfahrer aus dem Verkehr (2011: 28).

Leider erhöhte sich während der Faschingswoche die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinwirkung im Vergleich zu 2011 von sechs auf zehn, was einer Steigerung um 67 Prozent entspricht. Zusätzlich ertappten die Polizisten 23 Fahrer, die unter Drogeneinfluss am Steuer saßen (2011: 27). Ein Fahrzeugführer, der Drogen intus hatte, verursachte zudem einen Verkehrsunfall. Alleine in dieser Faschingswoche mussten 37 Fahrzeugführer ihren Führerschein an Ort und Stelle abgeben (2011: 25).

Weniger getötete Motorradfahrer

Erfreulich zeigte sich der Rückgang der getöteten Motorradfahrer. Während im Jahr 2010 noch 16 Motorradfahrer bei Verkehrsunfällen auf oberfränkischen Straßen ihr Leben ließen, starben 2011 13 Motorradfahrer an ihren Unfallfolgen.

Die Zahl der Verletzten bei Motorradunfällen stieg von 443 auf 487 (9,9 Prozent) an. 277 Motorradfahrer haben 2011 den Unfall selbst verursacht (2010: 244), was einem Anstieg um 13,5 Prozent entspricht.

Während Motorradfahrer 2010 an 488 Unfällen beteiligt waren, registrierte die Polizei im Jahr 2011 in Oberfranken 538 Motorradunfälle.

Auch in diesem Jahr will die oberfränkische Polizei, neben einer konsequenten Ahndung von Verkehrsverstößen, durch Sicherheitsaktionen im Verkehrsbereich, zur weiteren Reduzierung der Unfallzahlen beitragen. Einen wichtigen Präventions-Baustein bildet die Aktion „ANKOMMEN STATT UMKOMMEN“, die mit der 12. Motorradsternfahrt am 28. und 29. April in Kulmbach und den Fahrsicherheitstrainings im Vorfeld, das Fahrverhalten der Biker zu Saisonbeginn positiv beeinflussen soll.

Junge Fahranfänger verursachen weniger Unfälle (18- bis 24-Jährige)

Die Altersgruppe der jungen Fahranfänger war insgesamt an 3.630 Verkehrsunfällen beteiligt (2010: 3.952). Dies bedeutet einen Rückgang um 8,2 Prozent. Bei den von dieser Altersgruppe als Hauptverursacher schuldhaft verursachten Unfällen ist ein Rückgang von 2.446 auf 2.195      (minus 10,3 Prozent) festzustellen. Insgesamt starben sieben Fahranfänger (2010: 12) und 1.070 wurden verletzt (2010: 1.047).

Mehr Unfälle unter Beteiligung von Senioren (ab dem 65. Lebensjahr)

Mit 2.253 Verkehrsunfällen im Jahr 2011 (2010: 2.149) verzeichnete die Oberfränkische Polizei eine steigende Tendenz um 4,8 Prozent von Verkehrsunfällen an denen Senioren beteiligt waren. Dies belegt auch der Zehnjahresvergleich, wonach sich die Beteiligung dieser Altersgruppe bei Verkehrsunfällen um 41,1 Prozent erhöhte (2002: 1.597). Im Zeitraum von 2001 bis 2010 stieg die Anzahl der Senioren im Regierungsbezirk Oberfranken allerdings nur um etwa 11,5 Prozent an.

Bei 2.253 Verkehrsunfällen mit Senioren im Jahr 2011 verursachten diese Verkehrsteilnehmer 1.479 (65,6 Prozent) der Unfälle selbst. 452 Senioren wurden im vergangenen Jahr bei Unfällen auf oberfränkischen Straßen verletzt (2010:  431), was einer Steigerung um 4,9 Prozent entspricht. Rückläufig entwickelte sich dagegen die Anzahl der getöteten Senioren. Kamen 2010 noch 17 Senioren bei Verkehrsunfällen ums Leben, so waren es 2011  15 Personen dieser Altersgruppe.

Gefahr durch Falschfahrer

Die Meldungen über Falschfahrer auf oberfränkischen Autobahnen stiegen im Jahr 2011 auf 50 (2010: 43) an. Nahezu jeden dritten Falschfahrer konnten Polizeibeamte frühzeitig stellen und somit schwere Verkehrsunfälle vermeiden. Drei Unfälle durch Falschfahrer konnten nicht mehr verhindert werden.

In zehn Fällen leiteten die Beamten ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ein, das für die Betroffenen mit dem Führerscheinentzug und einer erheblichen Geldbuße endete.

Steigende Unfallzahlen im Bereich Schwerverkehr

Zwei Lastwagenfahrer (2010: 1) verloren im Jahr 2011 auf Oberfrankens Straßen ihr Leben. Die Unfallzahlen unter Beteiligung des Schwerverkehrs sanken leicht auf 1.976 Unfälle (2010: 2.059). In 1.441 Fällen (2010: 1.514) waren Lastwagenfahrer die Hauptverursacher der Verkehrsunfälle, was einem Rückgang um 4,8 Prozent entspricht. Insgesamt betrachtet, liegen die Verkehrsunfälle der vergangenen beiden Jahre im Bereich Schwerverkehr dennoch über den Werten der Vorjahre.

Mit einer gezielten Verkehrsüberwachung im Geschwindigkeits- und Abstandsbereich, wird die oberfränkische Verkehrspolizei dieser Problematik begegnen. Um die mittlerweile vermehrt in den Lastwagen verbauten digitalen Kontrollgeräte auswerten zu können, greift die Polizei auf die neueste Auswertetechnik / Software (TachoPlus) zurück.

Zielgruppenorientierte Verkehrssicherheitsarbeit, die sich bewährt

Die 1.976 Verkehrsunfälle im Bereich des Schwerverkehrs auf oberfränkischen Straßen nehmen lediglich ein kleines Segment der Gesamtunfallzahlen ein. Dieser zwar geringe Teil am Gesamtunfallgeschehen darf dabei aber nicht über das hohe Gefahrenpotential hinwegtäuschen. Im Bereich der Verkehrsunfälle mit Getöteten und Schwerverletzten hat diese Zielgruppe den größten Zuwachs, mit 48 Prozent. Um diesen Gefahren effektiv zu begegnen, wird der Schwerpunkt der zielgruppenorientierten Verkehrssicherheitsarbeit auf einer Intensivierung der Kontrollen, insbesondere im Bereich des Schwerverkehrs liegen. Durch den Einsatz innovativer elektronischer Kontrollmittel, setzt die Oberfränkische Polizei deshalb auf eine langfristige Reduzierung der Unfallzahlen.

Gleichermaßen gilt es die Anzahl der Geschwindigkeitsunfälle durch gezielte Kontrollen an den Unfallbrennpunkten und Unfallgefahrenpunkten erneut zu reduzieren.

Aufgrund der Tatsache, dass im vergangenen Jahr beinahe jeder dritte tödlich verunglückte Fahrzeuginsasse nicht oder nicht richtig angegurtet war, werden die Beamten bei den Kontrollen auch ein verstärktes Augenmerk auf die ordnungsgemäße Benutzung des Sicherheitsgurtes legen.

Denn wir wollen, dass Sie sicher ankommen!

Als Grundlage für die Kontrollörtlichkeiten dienen die Auswertungen der Unfallkommissionen und die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik. Anhand dieser Daten werden bestehende Unfallbrennpunkte und Unfallgefahrenpunkte ermittelt und gezielt überwacht.

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