„Jüdisches in Bamberg“ – ein wichtiger Meilenstein der Stadtgeschichte

Redaktion

Die Ausstellung „Jüdisches in Bamberg“ ist noch nicht ganz aufgebaut – die Fensterrose der wegen des Baus der Shoppingmeile in den Theatergassen abgebrochenen Synagoge wurde gerade montiert – und doch wird sogleich die überregionale Bedeutung dieser Ausstellung deutlich. Endlich! Endlich darf sich der Blick der Öffentlichkeit der seit vielen Jahren im Forschungsbetrieb Stück für Stück erarbeiteten Geschichte der Juden in Bamberg zuwenden. Dank der Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann, die bereits mit der unter ihrer Leitung erarbeiteten und eindrucksvoll präsentierten Ausstellung „Im Fluss der Geschichte. Lebensader Regnitz“ einen zentralen Punkt der Stadtgeschichte einen Meilenstein setzte, ist nun erneut ein solcher markiert.

"Jüdisches in Bamberg". Vasen. Foto: Erich Weiß

Die Villa Dessauer – selbst Zeugnis jüdischen Lebens in Bamberg, schließlich 1884 von einem jüdischen Hopfenhändler Carl Emanuel Dessauer errichtet und zur NS-Zeit als Sammelhaus für Juden zur Deportation von den Nazis missbraucht, wird als Gesamtkunstwerk in Szene gesetzt. Schwerpunkte lassen sich Raum für Raum erarbeiten und Fragen nachgehen, wie „Typisch jüdisch?“, „Verlust“, „Bürgerliches Wohnen“.

"Jüdisches in Bamberg". Künstlerin Gabrielle Rossmer und Kurator Timo Saalmann. Foto: Erich Weiß

Doch die Ausstellung bietet mehr als eine fundierte historische Aufarbeitung jüdischen Lebens über die Jahrhunderte hinweg. Dank der tiefen Verbundenheit der 1938 als Gabriele Judith Roßheimer in Bamberg geborenen, als Kleinkind mit ihren Eltern nach Amerika emigrierten, aber ihrer Heimat nach wie vor eng verbundenen Künstlerin Gabrielle Rossmer können Im oberen Stockwerk Kunstwerke bewundert werden, in denen sie anhand von Familien- und Erinnerungsstücken dem Auftrag „In search of the Lost Object“ nachgeht.

"Jüdisches in Bamberg". Dr. Regina Hanemann mit dem Buch zur Ausstellung. Foto: Erich Weiß

Wie bereits zur „Lebensader Regnitz“ – Ausstellung ist auch nun wieder ein fundiert recherchiertes und von renommierten Wissenschaftlern erarbeitetes Begleitbuch erschienen, dem man – wie seinem Vorgänger – einen Platz in der Standardliteratur prognostizieren darf.

"Jüdisches in Bamberg". Foto: Erich Weiß

"Jüdisches in Bamberg". Gipsabguss Synagoge vom Fürstenportal des Doms. Foto: Erich Weiß

Sie darf natürlich nicht fehlen: die Synagoge vom Fürstenportal des Bamberger Doms. Von derselben Jüngeren Bildhauerwerkstatt wie der Reiter in der ersten Hälfte des 13. Jh. erschaffen und in ihrer Blindheit sowie ihrem schwankenden Standpunkt eine der wunderbarsten Skulpturen im Dom – hier als Gipsabguss.

"Jüdisches in Bamberg". Der Jude Samuel, gen. Kreuse, quittiert dem Bistum Bamberg die Rückzahlung eines Darlehens. Foto: Erich Weiß

Eines der kostbarsten Exponate ist die 1322 erstellte Schuldenquittung des Samuel Sohn Jizchaks aus dem Bamberger Staatsarchiv. Mit dieser bezeugte er unter Zeugen, dass der Bischof von Bamberg seine Schulden bei ihm bezahlt habe – und die in hebräisch.

"Jüdisches in Bamberg", Siddur. Foto: Erich Weiß

Eine Siddur – ein Gebetbuch vom Ende des 14. Jh. aus dem Nachlass Hartmann Schedels könnte aus der Genisa der Bamberger Synagoge vom heutigen Pfahlplätzchen stammen.

"Jüdisches in Bamberg". Multimedia. Foto: Erich Weiß

Die Multimedia-Station im Obergeschoss konnte Dank einer großzügigen Zuwendung der Sparkasse angeschafft werden. Sie dürfte aber nicht nur die jüngeren Ausstellungbesucher wegen ihrer reichhaltigen, auf Fingerwisch abrufbaren Informationen faszinieren. Überhaupt bietet die Ausstellung ein reichhaltiges Angebot an didaktischen und museumspädagogischen Angeboten, die gezielt auf den bayerischen Lehrplan abgestimmt wurden und bereits mehrfach gebucht sind.

"Jüdisches in Bamberg", Nagelritter. Foto: Erich Weiß

Der Nagelritter „Stadtritter in Eisen“ 1915 von jüdischen Bambergern zur Kriegsunterstützung gestiftet.

"Jüdisches in Bamberg", Synagogenplatz von Otto Rogler. Foto: Erich Weiß

1947 hielt Otto Rogler oben dargestellten Blick auf den Platz fest, wo bis zum November 1938 die Synagoge stand. Seit wenigen Jahren wurden hier nun Behelfsheime für Flüchtlinge und Ausgebombte errichtet, daneben noch die Überreste der geplünderten und abgebrannten Synagoge.

Insgesamt erfreut die Ausstellung durch ihren weiten Blick auf jüdisches Leben in Bamberg vom Mittelalter bis ins Heute. Mit der Erfüllung dieses Desiderats dürfte sich auch ein seit Jahren festgezurrter Knoten bezüglich des Umgangs mit dem „Quartier an der Stadtmauer“ vorsichtig lösen lassen. Besonders erfreulich ist die Aufnahme des Sonderhefts des Bürgervereins Bamberg Mitte zum „Quartier an der Stadtmauer“ – es dürfte wohl eine der seltenen, erst wenige Jahre alten Druckschriften als Museumsexponat sein: Glückwunsch an den Bürgerverein!

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Jüdisches in Bamberg
26. November 2013 bis 1. Juni 2014

Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 24. November 2013, 11 Uhr, Stadtgalerie Bamberg. Eröffnung durch: Bürgermeister Werner Hipelius; Dr. Otto Lohr, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen; Gabrielle Rossmer, Künstlerin, Medford MA, USA; Dr. Timo Saalmann, Kurator; Dr. Regina Hanemann, Museumsdirektorin.

Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer
Hainstr. 4a, 96047 Bamberg, Tel. 0951.87 1861 (Kasse)
museum@stadt.bamberg.de, www.museum.bamberg.de

Öffnungszeiten
Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr,
Freitag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr
24.12.13 und 1.1.14 geschlossen

Eintritt
Erwachsene 5,- €, ermäßigt 4,50 €, Studierende 3,- €, Schüler 1,- €, Familien 10,- €, Kinder unter 6 Jahren frei, Schwerbehinderte ab 50 % (bei Schwerbehinderten mit dem Eintrag „B“ Begleitperson frei) 3,- €

Wichtig! Die Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer ist leider nicht barrierefrei zugänglich.

Rahmenprogramm

„Von Raum zu Raum“
halbstündige Führung zu Einzelobjekten, ohne Anmeldung, keine Gruppen
jeweils Samstag, 16 Uhr:
2013: 30. November, 14. u. 28. Dezember
2014:, 11. u.25. Januar, 8. u. 22. Februar, 8. u. 22. März, 5. u 19. April, 3. u. 17. Mai
Preis: 2,50 € zzgl. Eintritt

„Licht und Lesen – ein Nachmittag rund um Chanukka“ für Kinder ab fünf Jahren
Sonntag, 1.12., 14-17 Uhr
Lesung von Chanukka-Geschichten, Dreidelbasteln und -spielen
Materialkosten 3 € zzgl. Eintritt

„Märchenstunde“, Lesung für Kinder ab vier Jahren
Samstag, 18.1., 15-16 Uhr
4 € zzgl. Eintritt

„Auf der Suche nach Heimat“
Sonntag, 9.2., 16-17 Uhr
Die Tagebücher von Erika Löbl, einem jüdischen Mädchen aus Bamberg, vorgestellt in Wort und Bild von Johanna Krause und Judith Siedersberger (Kulturwerkstatt)
Eintritt zzgl. 4 €

„Der Chinesische Korb – spielerische Führung für Klein und Groß“
Sonntag, 23.2., Donnerstag, 6.3., Donnerstag 23.4., 16-17 Uhr,
Eintritt zzgl. 4 €

Internationaler Museumstag 2014
„Sammeln verbindet – Museum collections make connections“
Sonntag, 18.5. 2014
Dazu aktuell www.museum.bamberg.de und Tagespresse

Führungen in russischer Sprache
Jeweils Samstag, 16 Uhr: 1. Feb., 12. April und 10. Mai 2014;
Eintritt zzgl. 4,– €

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