Wie verseucht ist der Flugplatz Bamberg?

 Redaktion

Flugplatz Bamberg. Foto: Erich Weiß

Wie verseucht ist der Flugplatz Bamberg? Dieser Frage ging Benjamin Stöcker von den Piraten nach und konnte eroieren, dass Gutachten bereits in den 90er Jahren teilweise erhebliche Belastungen mit Zink, Nickel und Blei nachgewiesen haben. Neuere Gutachten  raten aktiuelle Untersuchungen an. Eine spannende Antwort darf man auf die Frage, wer eine eventuell nötige Dekontaminierung zahlen muss, erwarten: der Aero-Club, die Firma Brose oder die Stadt Bamberg und damit der Steuerzahler? Diese und die  Frage nach aktuellen Bodenuntersuchungen kann man am 10. Juli bei der Podiumsdiskussion Konversion – Chancen für Bamberg stellen.

Benjamin Stöcker/Piraten

Über das Informationsfreiheitsgesetz habe ich Akten der BImA zum Flugplatz in Bamberg befreit. Ich habe in meinem letzten Beitrag zum Thema den Mietvertrag des Flugplatzgeländes und seine Folgen beleuchtet. Jetzt bin ich dazu gekommen, die Gutachten zum Flugplatzgelände zu lesen.

Und nach gründlichem Studium kann man die Frage in den Raum stellen: Wie verseucht ist das Flugplatzgelände? Umweltuntersuchungen aus den Neunzigern zeigen stark erhöhte Werte verschiedenster Stoffe an einigen Stellen des Geländes, darunter auch Zink, Nickel und Blei.

Eine Untersuchung der Amerikaner mit Datum 13. Mai 2012 spricht davon, dass sich auf dem Flugplatz ein Gelände zur Aufbewahrung “Gefährlicher und Umweltverschmutzender Stoffe” befunden habe, welches aber wahrscheinlich nie in Betrieb genommen worden sei. Allerdings wurden solche Stoffe im Bereich des Helikopterlandeplatzes tatsächlich verwendet.

Besonders betroffen scheint die ehemalige Raketenstellung zu sein. 1995 wurden hohe Mengen von Zink, Blei und Nickel gefunden. Untersuchungen im Jahre 2000 wiesen stark erhöhte Mengen Kohlenwasserstoffe und aromatische Kohlenwasserstoffe im Grundwasser nach. An anderen Stellen des Geländes wurden früher noch höhere Belastungen nachgewiesen. Diese wurden wahrscheinlich durch die defekte Verrohrung des Seebaches hervorgerufen, die 1998 neu angelegt wurde. Untersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen dort niedrigere Werte.

Die Studie der Amerikaner empfiehlt für das Gelände weitere Untersuchungen:

Spot contamination was detected in previous studies at various individual sites within Bamberg Airfield, as described in Section 1.3. In order to identify wether a larger conatmination plume is present, a CLAIMS Type 2 investigation will be focused on groundwater sampling hydraulically downgradient from the facilities used by the US Forces, to include the following:

  • Area 1: Former Hawk Missile Site
  • Area 2: Bamberg Airfild Operations Area: Hazardous Materials Sotrage Area, Helicopter Hanger, Aircraft and Helicopter Fuel Points, Southwestern Runway
  • Area 3: Former German Army Motor Pools

Anscheinend sind diese weiteren Untersuchungen dann nicht vorgenommen worden, denn das Dokument trägt den Status “FINAL”.

Eine deutsche Metastudie von September 2012, welche sich auch mit dem möglichen Vorkommen von Kampfmitteln auf dem Gelände beschäftigt und die ich aufgrund des Urheberrechts leider nicht ins Internet stellen darf, kommt zu folgendem Schluss:

Zur Bestimmung und Eingrenzung von Kontaminationsherden werden mehrheitlich Boden- und Grundwassererkundungen vorgeschlagen, deren Anzahl und Lage der Phase II-Gutachter unter Berücksichtigung der vorliegenden Ergebnisse selbst bestimmen kann.

Es werden neun Standorte aufgezählt. Für zwei wird komplette Entwarnung gegeben, bei zwei weiteren stellt die Verseuchung für die aktuelle Nutzung kein Problem dar. Allerdings sollte bei Nutzungsänderung oder Infrastrukturmaßnahmen, wie sie ja derzeit geplant sind, eine Neubewertung vorgenommen werden.

Mindestens fünf weitere Stellen des Geländes sind zumindest vor einiger Zeit kontaminiert gewesen oder es besteht aufgrund der Nutzart ein erhöhter Verdacht. Auch diese Studie empfiehlt eine nähere Untersuchung. Es ist unwahrscheinlich, dass die BImA derzeit über weitere Dokumente verfügt, denn sonst wären sie Teil der Antwort auf meine Informationsfreiheitsanfrage gewesen.

Soweit die Faktenlage. Offen bleiben Fragen: Wie stark ist das Gelände eigentlich aktuell belastet? Die Zahlen legen gerade in der Umgebung der ehemaligen Raketenabschussbasis nahe, dass noch immer eine Kontamination vorliegen könnte. Und wohin ist die weitergehende Untersuchung der Amerikaner gewandert, die im Dokument angekündigt ist? Die wichtigste Frage ist allerdings: Sind bereits neue Untersuchungen von Seiten der BImA oder der Stadt aufgrund der Handlungsempfehlungen der bisherigen Studien in Auftrag gegeben worden?

Um das herauszufinden, werde ich mal wieder Informationsfreiheitsanfragen stellen. Ich bekomme so langsam Übung darin. Aber Übung macht ja den Meister, dann bin ich für 2014 gewappnet, wenn die BImA auch die Dokumente zum restlichen Gelände herausrücken muss.

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