Betteln trägt zum kommunikativen Gemeinwohl bei

Anna Mohr

Moritz Rabe. Foto: Erich Weiß

So lautet die Gesetzesgrundlage, auf die der Stadtmarketing e.V. sich beruft, um Moritz Rabe gegenüber die Erhebung der Sondernutzungsgebühren zu rechtfertigen.

Ein Musiker, der sich kritisch mit seinem Leben und den Erlebnissen darin auseinandersetzt trägt also nicht zum kommunikativen Gemeinwohl einer Stadt bei, ein Bettler aber schon? Zumal Moritz seit sieben Jahren in Bamberg wohnt und arbeitet und für Viele eine Bereicherung des Stadtbildes darstellt. Im vergangenen Jahr begannen die Probleme mit der Stadt. Auf einmal sollte er Sondernutzungsgebühren, oder vielmehr eine Verwaltungsgebühr entrichten, wo er vorher jahrelang ohne eine solche Gebühr in der Fußgängerzone singen durfte. Woher der plötzliche Sinneswandel? Begründung heute ist eben das Gesetz, da könne man nichts tun, so Herr Stieringer vom Stadtmarketing. Moritz wäre jetzt gezwungen, um jeglichen Ärger mit der Stadt und der Polizei zu vermeiden, täglich beim Stadtmarketing e.V. vorzusprechen, 15 Euro Gebühr zu entrichten und zwei Stunden auf seine Genehmigung zu warten. Zwei Stunden, in denen er kein Geld verdienen kann und die er dann aber, um wirklich Geld zu verdienen, wiederum länger in der Fußgängerzone verweilen müsste, damit sich der Tag aus rein finanzieller Sicht gelohnt hat. Doch Moritz geht es gar nicht so sehr um seinen Gewinn, er hat Spaß am Singen und lässt sich deshalb weder einschüchtern noch entmutigen. Er kämpft weiter und das sogar, obwohl man ihm mittlerweile mit Erzwingungshaft droht. Denn durch das Nicht-Bezahlen der besagten Verwaltungsgebühr hat Moritz circa 1.700 Euro Schulden „angehäuft“, die nun durch einen Aufenthalt im Gefängnis erzwungen werden sollen. In Kontakt mit der Polizei käme er bei einer eventuellen Verhaftung nicht zum ersten Mal. Ganz im Gegenteil, von der Polizei wurde ihm wurde sogar schon „empfohlen“, doch lieber zu betteln als zu singen. Diesem „Rat“ ist Moritz letzte Woche nachgekommen. Er und einige seiner Freunde saßen mit Schildern „bewaffnet“ überall in der Stadt verteilt und haben, statt Musik zu machen, gebettelt. Moritz hatte sich zwar mehr Mitstreiter erhofft, dennoch wurden viele Menschen, unter anderem auch Touristen, auf ihn aufmerksam und versprachen ihm, seine Situation in andere Städte zu tragen und dort davon zu berichten. Kann das im Sinne der Weltkulturerbestadt Bamberg sein? Wäre nicht eine offene Kommunikation gerade mit Menschen wie Moritz Rabe viel befruchtender und erstrebenswerter? Man könnte sicher eine andere Lösung finden, wenn man wollte. Eine Lösung, die für beide Seiten zufriedenstellend wäre. Beispielsweise eine Erlaubnis, die ein ganzes Jahr gültig wäre. Das würde den Verwaltungsaufwand der Stadt erheblich schmälern und auch Moritz würde sich darüber freuen, so hat er mir versichert. Miteinander sprechen ist das A und O, so handhabt es Moritz schon seit langem. Es wäre schön, wenn sein Mut, seine Ausdauer und seine Geduld belohnt würden.

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weiterer Beitrag: Letzter Brief zur gütigen Einigung bezüglich der öffentlichen Darbietung meiner Kunst mit Ankündigung des durch Sie nun erzwungenen, zivilen Ungehorsams.

10 Gedanken zu „Betteln trägt zum kommunikativen Gemeinwohl bei

  1. Die Beschlüsse, wofür Gebühren erhoben werden, fasst auch in Bamberg die Politik und nicht der Stadtmarketing e.V. oder irgendjemand anderes. Das Stadtmarketing trägt nur den Verwaltungsaufwand um die Stadtverwaltung zu entlasten.
    Es ist auch überhaupt nicht einsehbar, warum ein Musiker auf öffentlichen Plätzen nichts bezahlen muß, andererseits Einzelhandel und Gastronomie sogar für das Aufstellen von dekorativen Bäumchen etc zur Kasse gebeten werden.
    Dass hier die gleichen Menschen über die Qualität der Stadtmarketing-Veranstaltungen polemisieren, die die Darbietungen des Herrn Rabe scheinbar unterstützen, zeigt mir, dass es mal wieder nicht um die Sache geht, sondern nur darum auf Herrn Stieringer herumzuhacken. Wenn das das Niveau sein soll, das Sie vom Stadtmarketing einfordern, müßen wir schwer an uns arbeiten, um diesen Tiefpunkt irgendwann zu erreichen. Was Sie hier zum Besten bieten ist nämlich unterirdisch.

    • Die gesprengten Relationen werden für Sie sicher ohne großen Rechenaufwand einsehbar, wenn Sie die Kosten pro Quadratmeter im Jahr eines Wochenmarktstandes mit den zu zahlenden Jahresgesamtkosten eines Straßenmusikers vergleichen!
      Da ein Verwaltungsaufwand logischerweise nicht nach Tagen gestaffelt ist, warum dann keine Jahresgebühr von 15,-Euro?
      Dazu noch bemerkt: Der Musiker hat keine ‚Preisschilder‘ für sein Angebot, muß stündlich den Ort wechseln und wird auch nicht von der Stadt rechtlich geschützt (im Gegensatz zu den Wochenmarktständen). Das haben Sie aber sicher in Ihrer überirdischen Vernunft mit bedacht.

  2. Meine Meinung: ein Typ mit Schnorrer-Mentalität, der mit seinem Gekrähe eigentlich nur nervt! Er kann sich ja auch mal eine andere Stadt heraussuchen – dauerhaft.

    Wenn der das als seine „Arbeit“ bezeichnet, wäre auch einmal ehrlich zu hinterfragen, ob er dafür auch die anfälligen Steuern entrichtet. Geld scheint er ja damit auch zu verdingen und der nutzt auch die öffentlichen Plätze des Gemeinwohls, die aus den Steuern finanziert sind.

    • Es gibt keine „anfallenden Steuern“ für meine Arbeit-! Das erklärt sich aus BGB 516. Daher muss ich auch nicht für Deine HartzIV-Bezüge mit aufkommen. Wenn Du allerdings die Mehrwertsteuer meinst, kann ich Dich beruhigen: Die zahlt JEDER. Allerdings pflege ich kein Verhältnis zum Finanzamt, woraus sich ergibt, dass ich in die Staatskasse wohl mehr einzahle als jeder Steuerpflichtiger sich am Jahresende wieder gutschreiben lassen kann. Also: Erst mitdenken und dann argumentieren!

      • Danke….das denken übernehme ja Sie für mich, da Sie ja genügend Zeit dazu haben, während ich für den Erhalt Ihres Sozialstandes Sorge trage.

        Aber das scheint Sie ja auch nicht zu kümmern und bestätigen die typische Haltung eines Betroffenen: sobald es an Ihre Tasche geht, passt Ihnen das nicht. Wasser predigen und Wein saufen, verstehe schon, irgendwann hört das Solidaritätsgeplenkel eines Sozialismusfanatikers halt auf.

        Tragen Sie Ihr Leid gerne in andere Städt. Aber bitte, nehmen Sie Ihre Gitarre mit – dauerhaft. Ein schönes Leben auf Kosten Ihrer Umwelt – bitte woanders.

        • Ott, Du trägst für den „Erhalt meines Sozialstandes“ keinen müden Cent bei. Das tun lediglich Gönner meiner Kunst :)
          Du klagst morgens um 9.00 und 12.00 Uhr -wo Andere willfährig geneigt am Arbeiten sind- klischeesuchend an meiner Lebensführung herum. Und weil Du dann nichts findest, wirst Du wütend und formulierst unsachliche Ratschläge.
          Wer gibt Dir den Anreiz dazu, meine Person in ein politisches Feld zu rücken und mich als Sozialismusfanatiker anzuprangern? Vielleicht bin ich ein Kaisertreuer oder Syndikalist und will aus dem System, welches Du hart mit aufbaust, gar nicht schöpfen?
          Außerdem, Ott: Nimm Dir ein Beispiel am vorgehenden Kommentator. Der stellt sich wenigstens im Diskurs mit eigenem, vollständigen Namen vor (Homer Simpson)..

  3. Ehrlich gesagt, geht mir der Gesang von den Typen auf dem Sack.
    Anders herum, regt man sich über die Events in der Innenstadt auf.
    Aber der Hofnarr, der darf wohl.
    Vielleicht sollten er auf die Altenburg gehen und dort singen.
    Viel lieber wer mir einer, der mit E-Gittare kommt und AC/DC spielt.

  4. Wenn man in Bamberg zum Stadtmarketing mit seinem „preisgekrönten“ Stieringer erst gehen muss, um künstlerisch tätig zu werden, dann „Gute Nacht“!
    Was dieser unter Kultur versteht, kann man an seinen Lärmevents auf dem Maxplatz und dessen Begleiterscheinungen erkennen.
    Was aber die, zum „kommunikativen Gemeinwohl“ beitragenden Bettlerbanden für ein Erscheinungsbild bieten (Rollstuhl, kurz vor dem Verhungern (aber doch anstatt Essen lieber Geld wollend), leidende Mienen, sitzen, so als ob man meint ihm fehle ein oder zwei Beine, … ), zähle ich durchaus als künstlerische Darbietung. Wo ist hier der hochgekrönte SPD Stieringer mit seiner Sondernutzungsgebühr?
    Fragen über Fragen!

    CFRA2

  5. So ist das in Deutschland.
    Leistungsgesellschaft wird gefordert, Betteln gefördert…
    Über Gesetze gejammert, weitere Restriktionen und Verbote forciert…
    Kunst und Kultur soll erhalten werden, Künstler werden ausgegrenzt…
    Armes, leidiges Deutschland

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