Tag des Offenen Denkmals oder das Versagen der Stadt Bamberg

Christiane Hartleitner, Fotos: Erich Weiß

Viel Interesse findet Prof. Krings mit seinem Vortrag

Man darf Wilfried Krings sehr dankbar sein für seine Führung zu den Bauten im Schweizer Holzstil in Bamberg anlässlich des Tags des Offenen Denkmals. Der so genannte Schweizer Holzstil hat sich im 19. Jahrhundert weit über sein Ursprungsgebiet hinaus verbreitet. Ein Einfluss dieser Mode ist auch in Bamberg fassbar, wo seit dem Barock der Steinbau bzw. verputzter Fachwerkbau vorherrschte und verwendetes Holz nach außen hin nicht in Erscheinung trat. Während der einstündigen Führung werden beispielhaft drei benachbarte Objekte behandelt: das derzeit ungenutzte Baudenkmal «Raulino-Gartenhaus» sowie die beiden ehemaligen Direktorenvillen der «Kaliko» an der Mußstraße. So waren die Führungen des Professors für Historische Geographie und Mitglied des Historischen Vereins angekündigt. Gründlich führte er seine zahlreichen Interessierten in die Rezeptionsgeschichte und die industrielle Adaption der Schweizer Holzbautradition ein.

Prof. Krings mit Idealtypischem Schweizerhaus

Die romantisch geprägte Sehnsucht nach dem Landleben, die Vorgehensweise der Architekten des Historismus zum lebhaften Nebeneinander überkommener Baustile bis zum eklektizistischen Vorgehen, bevorzugte Stilelemente in Kombination zu zitieren. Der Übergang von handwerklichen Bautraditionen zur «industriellen Folklore» wurden aufgezeigt anhand seiner profunden Kenntnis zur Bamberger Wirtschaftsgeschichte, gerade auf dem Bereich nördlich der Weide, wo mit dem Bau der ERBA, der Wiekingschen Bleicherei, Färberei und Appreturanstalt, später Kaliko, und der Mayerschen Färberei ein Industriestandort entstand, wo traditionell auch die Bamberger Gärtner ansässig waren.

Vor der ehemaligen Direktorenvilla in der Mußstraße

Adaptions- und Kanonisierungsprozesse der Muster historischer Holzbauten in der historistischen Architektur sind derweil ebenso ein Forschungsdesiderat wie die darauf folgenden Standardisierungs- und Rationalisierungsprozesse im Zuge der industriellen Produktion von «Schweizerhäuschen».

Ehemalige Direktorenvilla an der Weide

Man darf freudig eine – hoffentlich angedachte – Veröffentlichung in den Schriften des Historischen Vereins erwarten. Der Quartiersgang war ein gelungener Versuch, interessierten Bambergern einen Einblick in ihr Bamberg der Neuzeit und der weiteren Entwicklung zu geben.

Vor der ehemaligen Raulino-Tabakscheune

«Immobilien in Bestlage» – Ohne eigenen Gestaltungswillen gibt die Stadt diese Filetstücke aus der Hand – das ist ein Jammer

Ernüchternd bis ärgerlich jedoch bleibt eine Erkenntnis: Zum selben Wochenende inseriert die Stadt Bamberg durch ihr Immobilienmanagement eine weitere Nachverdichtung dieses Quartiers (hier). Gerade um die beiden einzigen Denkmäler in ihrem eigenen Besitz, der Mayerschen Villa aus den 20er Jahren und der Scheune mit dem angebauten Wochenendhaus.

Wochenendhaus an der ehemaligen Raulino-Tabakscheune

Derzeit verbindet diese beiden Gebäude noch ein Werkstattbau, in dem Künstler ihre Porzellan- und Steinskulpturen anfertigen. Hier soll nach den Vorstellungen des städtischen Immobilienmanagements als Los 4 ein dreigeschossiger Neubau entstehen, ebenso auf dem südlich davorliegenden Gartengrundstück, wo weitere 3 Neubauten geplant sind (Ausschreibungstext mit Lageplan). Somit leistet die Stadt Bamberg selbst jenem Neubau-Druck auf Denkmäler Vorschub, der erfahrungsgemäß den überkommenen Bauten den Garaus macht. Ohne eigenen Gestaltungswillen gibt die Stadt diese Filetstücke aus der Hand – das ist ein Jammer. Und der lässt zukünftig nichts gutes erwarten.

Bebauungsplan Pfeuferstraße

Der Tag des offenen Denkmals vermochte es des öfteren, die Gesinnung für Denkmäler zu sensibilisieren. Der Stadt Bamberg wäre gut geraten, diese gesichtslose Nachverdichtung nochmals zu überdenken und über ein gestalterisches Gesamtkonzept für diese letzten Reste der Gärtnerkultur im Norden der Inselstadt nochmals nachzudenken (Grundstücksnummer 760). Der derzeit überhandnehmende «Toskana-Baustil» scheint nicht die richtige Nachbarschaft für eine Tabakscheune von 1796 (d), ein Wohnhaus im Schweizer Holzstil und eine Villa des 20. Jahrhunderts. Die ausgelegten, rasch gefüllten und fürs Rathaus bestimmten Unterschriftenlisten, die für den Erhalt des Geländes plädieren, helfen vielleicht beim Nachdenken.

Lageplan Pfeuferstraße

Ein Gedanke zu „Tag des Offenen Denkmals oder das Versagen der Stadt Bamberg

  1. Die GAL – Stadtratsfraktion hat diesen B-Plan nicht mitgetragen aus folgenden Gründen: einfallsloses städtebauliches Konzept, keine Raumbildung, keine Aufenthaltsqualität, keine „Idee“, kein Respekt vor der denkmalgeschützten Bebauung, sowohl die Tabakscheune als auch das Gebäude für Immobilienmanagement stehen unter Denkmalschutz. Wir begrüßen den Vorstoß hier noch einmal eine Änderung zu bewirken und hier ein kreatives Quartier zum Wohnen, Arbeiten für eine queere Mischung der Bevölkerung zu entwickeln zu einem fairen Preis (Grundstück in städtischer Hand !!!das ist selten genug).

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