verzweigt, Teil 1, Kunstraum Kesselhaus

Heike Preier

Text: Christiane Hartleitner, Fotos: Erich Weiß

Verzweigt kann so vieles sein: Äste, Flüsse, Straßen, Nerven, Familien, Lebensläufe – oder auch: Ausstellungsräume. Und das Beste an der neuen Ausstellung in Bamberg ist, dass alles zutrifft, alle Assoziationen finden Anklang. Die diesjährige Ausstellung des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler in Oberfranken (BBK) trägt diesen wunderbaren Titel, zumal dieses Mal zwei Ausstellungsorte – der Kunstraum Kesselhaus und die Villa Dessauer – bespielt werden.

Bernd Wagenhäuser / Gerd Kanz im Hintergrund

Die Ouvertüre im Kunstraum Kesselhaus an der Regnitz könnte nicht eindrucksvoller sein, fließt wellenförmig ein metallenes Bündel an Metallrohren aus dem ehemaligen Trichter mitten in den Raum, der noch gänzlich den Charme der Industriebrache ausströmt. Es ist Energie pur von Bernd Wagenhäuser, eine Übersetzung der Hitze und des Dampfes des ehemaligen Kesselhauses der Wäscherei. Ihm ist eine grandiose Auseinandersetzung mit diesem Raum gelungen, gerne hätte man ihm und uns eine intensive Beschäftigung mit den Riesenräumen der ehemaligen Spinnerei auf dem ERBA-Gelände gewünscht.

Gudrun Schüler

Die Nachbarschaft mit den großformatigen Ölgemälden von Gudrun Schüler ist herzlich willkommen, öffnen sie den Blick in die Natur, in die Baumwipfel, über das Erdreich und auf die Spiegelungen im Wasser und darüber hinaus. Den Blick nach oben und nach unten im Leben, in die Höhen und Tiefen. Mit seinen mehrschichtigen Bogen-Kaskaden, von denen einige als Skulpturen im zentralen Raum der Villa Dessauer zu bestaunen sind, bringt Gerd Kanz eine Tiefe ins Relief, die die Frage nach den Räumen hinter dem Raum aufwirft. Die Eleganz der überlängten Bogenreihungen ist erfreulich, die Hängung vor der geschlämmten Ziegelwand ebenso. Feine Assoziationen zu Abzweigungen von Flussläufen spüren die feinen Papierarbeiten von Michaela Schwarzmann nach, Booten gleich entführen sie auf den Fluss der Zeit. Die Leichtigkeit und Transparenz der Objekte überhöhen den schachtartigen Raum und deuten sanft Veränderungsprozesse an.

Michaela Schwarzmann

Heike Preiers Ölgemälde (siehe Bild ganz oben) beschäftigen sich mit dem Thema Industriebrache und dem oft gehegten Wunsch und der oft gelungenen Umsetzung in Kulturräume. Neben der Zeche Zollverein und der Kokerei in Essen ist ein Ausblick des Bamberger Kesselhauses dargestellt. Eine Metamorphose, wie dies nur Künstlern und deren kreativen Möglichkeiten gelingt. Dem morbiden Raum sehr zuträglich sind die Photoarbeiten von Monika Meinhart, die mit ihrer 9-teiligen Installation Unzulänglichkeiten und Fehlerhaftigkeit zulässt, von der Natur in Kauf genommen, weil Wandlung verheißend.

Monika Meinhart

verzweigt – der Name ist auch uns Auftrag und willkommener Anlass einen weiteren Zweig wachsen zu lassen: in Form eines weiteren Beitrags, dann dem Ausstellungsort in der Villa Dessauer gewidmet, verzweigt, Teil 2, Villa Dessauer.

Ausstellungsdauer: 16. August bis 7. Oktober 2012

Öffnungszeiten:
Kunstraum Kesselhaus: Do – Sa, 15 – 19 Uhr, So 11 – 19 Uhr
Stadtgalerie Bamberg: Di – Do, 10 – 16 Uhr, Fr – So, 12 – 18 Uhr

Eintritt: 3,50 €, erm. 2,50 €, Schüler und Studenten 1,00 €

Die Orte:
Stadtgalerie Villa Dessauer
Hainstraße 4
96047 Bamberg

Kunstraum Kesselhaus
Untere Sandstraße 42
96049 Bamberg

Sonntagsführungen: Künstler führen durch die Ausstellung

Stadtgalerie Villa Dessauer: Sonntag, um 15:00 Uhr
Kunstraum Kesselhaus. Sonntag um 17:00 Uhr
ohne Anmeldung, keine Gruppen, die Führung ist kostenfrei

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